Baue dein Leben nicht auf Motivation: Wenn die Begeisterung verschwindet, bleiben nur die Tugenden

Wir leben in einer Zeit, die von Motivation fasziniert ist. Man sagt uns ständig, dass wir motiviert sein müssen, um Sport zu treiben, zu arbeiten, zu lernen, zu beten, unsere Gewohnheiten zu verändern, unser Leben zu verbessern oder unsere Ziele zu erreichen. Die sozialen Netzwerke sind voller inspirierender Sprüche, Videos zur persönlichen Weiterentwicklung und Reden, die uns dazu ermutigen, „an uns selbst zu glauben“, „unsere Träume zu verfolgen“ und „niemals aufzugeben“.

Sicherlich liegt darin etwas Gutes. Der Mensch braucht Hoffnung, Ermutigung und Gründe, die seinen Anstrengungen einen Sinn geben. Doch es entsteht eine Gefahr, wenn wir die Motivation zum Fundament unseres Lebens machen.

Denn Motivation schwankt.

Sie steigt und fällt. Sie kommt und geht. An manchen Tagen haben wir Lust zu beten; an anderen Tagen nicht. An manchen Morgen wachen wir voller Begeisterung und Energie auf; ein anderes Mal haben wir zu nichts Lust. Es gibt Augenblicke, in denen uns eine Wahrheit des Glaubens tief berührt, und andere, in denen uns dieselbe Wahrheit fern und kalt erscheint.

Unser ganzes Leben auf Motivation aufzubauen bedeutet daher, auf etwas Unbeständigem zu bauen.

Und genau vor der Gefahr, auf Sand zu bauen, hat uns Unser Herr gewarnt.

„Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Felsen baute. […] Wer aber diese meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein törichter Mann, der sein Haus auf Sand baute.“

(Matthäus 7,24–26)

Das christliche Leben kann nicht allein davon abhängen, was wir empfinden. Es muss auf dem Felsen aufgebaut sein: auf Christus, seiner Gnade, seiner Wahrheit und den Tugenden, die uns dazu befähigen, dauerhaft das Gute zu tun.

1. Die moderne Kultur der Motivation

Unsere Zeit hat die Motivation zu einer Art säkularer Religion gemacht.

Ständig hören wir Sätze wie:

„Wenn du es wirklich willst, kannst du es schaffen.“

„Glaube an dich.“

„Lass dich von niemandem aufhalten.“

„Arbeite, wenn du motiviert bist.“

„Verändere dein Leben.“

Diese Botschaften können manchmal hilfreich sein. Das Problem beginnt dort, wo wir glauben, dass persönliche Veränderung hauptsächlich von unserem emotionalen Zustand abhängt.

Motivation kann uns helfen, mit etwas anzufangen.

Aber sie reicht normalerweise nicht aus, um weiterzumachen.

Anzufangen ist relativ einfach, wenn wir begeistert sind. Die wirkliche Veränderung zeigt sich dann, wenn die Begeisterung verschwindet und wir trotzdem weiterhin das Gute tun.

Genau hier kommt die Tugend ins Spiel.

Die Tugend verlangt von uns nicht ständig, dass wir Lust darauf haben, das Gute zu tun.

Sie lehrt uns, das Gute auch dann zu tun, wenn wir keine Lust dazu haben.

Und dieser Unterschied ist grundlegend für das Verständnis des christlichen Lebens.

2. Motivation ist nicht schlecht, aber sie ist unzureichend

Es wäre ungerecht, Motivation als etwas Schlechtes darzustellen.

Der Mensch besitzt ein Gefühlsleben. Gott hat uns mit Emotionen, Wünschen, Begeisterung und Empfindungen erschaffen. Diese können unsere Entscheidungen begleiten und unterstützen.

Motivation kann daher eine wertvolle Hilfe sein.

Sie kann uns dazu bewegen, mehr zu beten, das Evangelium zu lesen, Buße zu tun, unser sakramentales Leben wieder aufzunehmen, Nächstenliebe zu üben oder eine schlechte Gewohnheit zu korrigieren.

Aber sie kann nicht das letzte Fundament sein.

Was wir gewöhnlich „Motivation“ nennen, hängt häufig von wechselnden inneren Zuständen ab: Begeisterung, Wunsch, emotionale Energie, unmittelbare Wahrnehmung von Ergebnissen, Erfolgserlebnisse oder Befriedigung.

Keines dieser Elemente ist jedoch dauerhaft.

Das christliche Leben hingegen ist zur Treue berufen.

Treue ist nicht einfach verlängerte Begeisterung.

Treue ist Beharrlichkeit im Guten.

3. Der Christ lebt nicht ausschließlich von dem, was er empfindet

Einer der großen geistlichen Irrtümer unserer Zeit besteht darin, den Glauben mit religiösem Gefühl zu verwechseln.

„Ich spüre Gott nicht mehr.“

„Ich habe keine Lust mehr zu beten.“

„Ich empfinde nicht mehr dieselbe Frömmigkeit wie früher.“

„Die Messe berührt mich nicht mehr so wie früher.“

Diese Erfahrungen können real sein, aber sie bedeuten nicht notwendigerweise, dass der Glaube schwächer geworden ist.

Gott wird nicht an unserer Empfindsamkeit gemessen.

Der Glaube ist ein Akt des Verstandes, der durch den Willen unter dem Einfluss der Gnade bewegt wird.

Wir können glauben, auch wenn wir nichts empfinden.

Wir können beten, auch wenn unser Gebet uns trocken und leer erscheint.

Wir können unsere Pflicht erfüllen, auch wenn wir überhaupt keine Lust dazu haben.

Und manchmal besitzt gerade in solchen Augenblicken unsere Treue einen besonderen geistlichen Wert.

Der heilige Paulus schreibt:

„Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“

(2 Korinther 5,7)

Wir könnten auch sagen: Wir wandeln im Glauben und nicht nach unseren emotionalen Schwankungen.

4. Auf Sand bauen

Das evangelische Bild vom Haus, das auf Sand gebaut wurde, ist außerordentlich aktuell.

Der Sand kann alles darstellen, was unbeständig ist.

Heute sind wir motiviert.

Morgen sind wir es nicht mehr.

Heute versprechen wir, uns zu ändern.

Morgen kehren wir zu unseren alten Gewohnheiten zurück.

Heute sind wir von einer Predigt tief berührt.

Morgen haben wir bereits vergessen, was wir uns vorgenommen hatten.

Das Problem ist nicht unbedingt der Mangel an guten Absichten.

Das Problem ist das Fehlen von Fundamenten.

Ein Mensch kann viele geistliche Pläne haben und dennoch nicht wirklich vorankommen, weil ihm eine stabile Lebensordnung fehlt.

Er wartet immer auf „den richtigen Augenblick“.

Er wartet darauf, motiviert zu sein.

Er wartet darauf, mehr Energie zu haben.

Er wartet darauf, dass die Lust zurückkehrt.

Aber der richtige Augenblick kommt selten von selbst.

Die Tugend beginnt genau dort, wo wir aufhören, darauf zu warten, etwas zu empfinden, bevor wir das tun, von dem wir wissen, dass wir es tun müssen.

5. Die Tugend: die beständige Gewohnheit des Guten

Die katholische philosophische und theologische Tradition besitzt hier einen außerordentlichen Reichtum.

Der heilige Thomas von Aquin erklärt, dass die menschliche Tugend ein habitus ist, also eine beständige innere Haltung oder Disposition, die ihren Träger dazu befähigt, richtig zu handeln.

Die Tugend ist daher nicht einfach eine einzelne Handlung.

Sie ist eine dauerhafte Bereitschaft, das Gute zu tun.

Diese Auffassung ist äußerst wichtig.

Ein mutiger Mensch ist nicht einfach jemand, der einmal mutig gewesen ist.

Ein gerechter Mensch ist nicht lediglich jemand, der einmal eine gerechte Handlung vollbracht hat.

Ein maßvoller Mensch ist nicht jemand, der sich nur ein einziges Mal beherrscht hat.

Die Tugend wird allmählich zu einer beständigen Art zu handeln.

Sie formt den Menschen.

Sie verändert nach und nach seine Fähigkeiten, seine Gewohnheiten und seine Reaktionen.

Der heilige Thomas entwickelt genau diese Lehre, wenn er die Tugenden als gute Gewohnheiten behandelt, die den Menschen dazu befähigen, gut zu handeln.

Die Tugend ist somit das Gegenteil eines Lebens, das ausschließlich vom Impuls des Augenblicks bestimmt wird.

6. Gewohnheiten formen unseren Charakter

Wir unterschätzen häufig die Kraft kleiner, wiederholter Handlungen.

Aber unser Charakter wird zu einem großen Teil durch das geformt, was wir regelmäßig tun.

Ein Mensch, der jeden Tag betet, entwickelt allmählich eine Bereitschaft zum Gebet.

Ein Mensch, der regelmäßig Geduld übt, wird allmählich geduldiger.

Ein Mensch, der sich darin übt, die Wahrheit zu sagen, wird allmählich aufrichtiger.

Ein Mensch, der sich daran gewöhnt, seine Wünsche zu beherrschen, wird allmählich maßvoller.

Ein Mensch, der seine Pflichten treu erfüllt, wird allmählich verantwortungsbewusster.

Und das Gegenteil gilt ebenfalls.

Wiederholte schlechte Handlungen können schlechte Gewohnheiten hervorbringen und die Sünde leichter machen.

Deshalb besteht das moralische Leben nicht nur aus einer Abfolge einzelner Entscheidungen.

Es ist auch eine Formung des Charakters.

Jede Handlung trägt gewissermaßen dazu bei, aus uns die Art von Mensch zu machen, die wir werden.

7. Die Tugend gegen die Tyrannei des „Ich habe Lust dazu“

Die heutige Kultur drängt uns häufig dazu, unsere Gefühle zum höchsten Maßstab zu machen.

„Tu, was du fühlst.“

„Sei du selbst.“

„Höre auf dein Herz.“

Das Christentum bietet jedoch etwas viel Anspruchsvolleres und zugleich viel Befreienderes.

Es lehrt uns, dass nicht alles, was wir empfinden, notwendigerweise gut ist.

Wir müssen lernen, unsere Wünsche auf das Gute auszurichten.

Christliche Freiheit ist nicht die Fähigkeit, alles zu tun, was wir uns wünschen.

Sie ist die Fähigkeit, frei das Gute zu wählen.

Ein Mensch, der Sklave seiner Impulse ist, ist nicht wirklich frei.

Ein Mensch, der seine Leidenschaften entsprechend der Vernunft und dem Gesetz Gottes zu beherrschen vermag, ist freier.

Der heilige Paulus bringt es wunderbar zum Ausdruck:

„Alles ist mir erlaubt – aber nicht alles ist gut für mich.“

(1 Korinther 6,12)

Die Tugend ermöglicht uns gerade diesen Übergang von einem Leben, das vom Impuls bestimmt wird, zu einem Leben, das von der durch den Glauben erleuchteten Vernunft geleitet wird.

8. Die vier Kardinaltugenden

Die Kirche besitzt eine wahre Architektur des moralischen Lebens.

Die vier Kardinaltugenden sind:

  • Klugheit;
  • Gerechtigkeit;
  • Tapferkeit;
  • Mäßigung.

Sie werden Kardinaltugenden genannt, weil sie eine zentrale Rolle im moralischen Leben spielen.

Die Klugheit

Die Klugheit hilft uns, unter den verschiedenen Umständen das wahre Gute zu erkennen und die geeigneten Mittel zu wählen, um es zu verwirklichen.

Sie lehrt uns, nicht einfach unter dem Einfluss von Emotionen zu handeln.

Die Gerechtigkeit

Die Gerechtigkeit befähigt uns, Gott und dem Nächsten das zu geben, was ihnen zusteht.

Sie lehrt uns Treue, Verantwortung und Achtung.

Die Tapferkeit

Die Tapferkeit gibt uns die Fähigkeit, trotz Schwierigkeiten, Ängsten und Leiden im Guten auszuharren.

Das ist besonders wichtig, wenn die Motivation verschwindet.

Die Mäßigung

Die Mäßigung lehrt uns, unsere Wünsche und Freuden entsprechend der Vernunft und dem wahren Guten zu ordnen.

Diese vier Tugenden bilden gleichsam das Rückgrat des moralischen Lebens.

Sie hängen nicht davon ab, ob wir uns gut oder schlecht fühlen.

Sie lehren uns, in beiden Situationen richtig zu handeln.

9. Die göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe

Der Christ kann sich jedoch nicht mit den natürlichen Tugenden allein begnügen.

Gott ruft uns zu einem übernatürlichen Leben.

Die göttlichen Tugenden sind:

  • Glaube;
  • Hoffnung;
  • Liebe.

Sie haben Gott selbst zum Gegenstand und werden dem Menschen von Gott geschenkt, um ihn dazu zu befähigen, in Gemeinschaft mit Ihm zu leben.

Der Glaube lässt uns an Gott und an alles glauben, was Er offenbart hat.

Die Hoffnung lässt uns vertrauensvoll das ewige Leben und die notwendigen Gnaden erwarten, um es zu erlangen.

Die Liebe vereint uns mit Gott durch die Liebe und lässt uns unseren Nächsten um Gottes willen lieben.

Und unter ihnen besitzt die Liebe einen besonderen Vorrang.

Der heilige Paulus sagt:

„Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; am größten unter ihnen ist die Liebe.“

(1 Korinther 13,13)

10. Die Liebe hängt nicht von Begeisterung ab

Gott zu lieben bedeutet nicht immer, eine intensive Emotion zu empfinden.

Es gibt einen Unterschied zwischen gefühlsmäßiger Liebe und der Liebe des Willens.

Wir können Gott lieben, auch wenn wir keinen Trost empfinden.

Wir können Gott lieben, wenn das Gebet uns schwerfällt.

Wir können Gott lieben, wenn wir eine Zeit geistlicher Trockenheit durchleben.

Die Liebe besteht grundsätzlich darin, das Gute zu wollen und uns mit Gott zu vereinen.

Deshalb kann ein Mensch einen zutiefst echten Akt der Liebe vollbringen, ohne irgendeine besondere Emotion zu empfinden.

Er wählt Gott.

Er bleibt treu.

Er betet weiter.

Er erfüllt weiterhin seine Pflicht.

Er meidet weiterhin die Sünde.

Er liebt weiterhin seinen Nächsten.

Das ist kein Glaube von geringerem Wert.

Im Gegenteil, es kann Ausdruck eines tief verwurzelten Glaubens sein.

11. Christus hat kein Leben ohne Schwierigkeiten versprochen

Das Evangelium ist kein Handbuch für persönliche Motivation.

Jesus Christus hat seinen Jüngern niemals versprochen, dass das Leben immer leicht sein würde.

Er sagte:

„Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

(Matthäus 16,24)

Diese Worte sind radikal.

Das Christentum ist keine Methode, um sich ständig gut zu fühlen.

Es ist ein Weg der Bekehrung, der Heiligung und der Gleichgestaltung mit Christus.

Es wird Tage des Trostes geben.

Es wird Tage der Trockenheit geben.

Es wird Siege geben.

Es wird Stürze geben.

Es wird Freude geben.

Es wird Leiden geben.

Was zählt, ist, weiter auf Christus zuzugehen.

12. Treue, wenn niemand zusieht

Motivation sucht häufig sichtbare Ergebnisse.

Die Tugend dagegen weiß, im Verborgenen zu handeln.

Ein Mensch kann beten, ohne dass jemand davon weiß.

Er kann ein Opfer bringen, ohne davon zu erzählen.

Er kann einer Versuchung widerstehen, ohne irgendeinen Applaus zu erhalten.

Er kann vergeben, ohne dass ihn jemand dafür lobt.

Er kann jahrelang treu seine tägliche Pflicht erfüllen, ohne jemals in den sozialen Netzwerken sichtbar zu werden.

Hier liegt ein Teil der wahren christlichen Größe.

Unser Herr sagt:

„Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

(Matthäus 6,18)

Heiligkeit ist keine Leistung, die dazu bestimmt ist, gezeigt zu werden.

Sie ist eine innere Verwandlung, die durch die Gnade bewirkt und durch unsere Treue angenommen wird.

13. Christliche Disziplin ist kein Perfektionismus

Hier muss jedoch eine wichtige Unterscheidung getroffen werden.

Unser Leben auf Gewohnheiten und Tugenden aufzubauen bedeutet nicht, zum Gefangenen eines ängstlichen Perfektionismus zu werden.

Der Perfektionismus sagt:

„Ich muss alles vollkommen machen.“

Die Tugend sagt:

„Ich muss treu das Gute tun, das Gott heute von mir verlangt.“

Der Unterschied ist gewaltig.

Perfektionismus kann zur Entmutigung führen, weil wir schnell entdecken, dass wir nicht vollkommen sind.

Die Tugend dagegen lehrt uns, wieder anzufangen.

Wir fallen?

Wir stehen wieder auf.

Wir haben unser Gebet versäumt?

Am nächsten Tag beginnen wir wieder.

Wir sind einer Schwäche erlegen?

Wir bitten um Vergebung und beginnen den Kampf von neuem.

Wir haben versagt?

Wir ziehen eine Lehre aus dem Versagen und gehen weiter.

Das geistliche Leben ist ein Weg.

14. Die Gnade ersetzt nicht unsere Mitwirkung

Ebenso wäre es falsch zu glauben, dass Gewohnheiten und Tugenden die Gnade überflüssig machen.

Ganz im Gegenteil.

In der katholischen Lehre steht die Gnade Gottes am Anfang.

Ohne die Gnade können wir unser übernatürliches Ziel nicht erreichen.

Aber Gott will auch unsere Mitwirkung.

Der heilige Augustinus fasste dieses Prinzip mit dem Gedanken wunderbar zusammen: Gott, der uns ohne uns erschaffen hat, will uns nicht ohne uns retten.

Das christliche Leben ist daher eine Zusammenarbeit zwischen der göttlichen Gnade und unserer freien Antwort.

Wir beten, weil Gott uns zum Gebet zieht.

Wir tun das Gute, weil seine Gnade uns trägt.

Wir kämpfen gegen die Sünde mit seiner Hilfe.

Wir harren aus durch seine Gnade.

Aber wir müssen auch antworten.

Wir müssen wollen.

Wir müssen handeln.

Wir müssen beharren.

15. Kleine Handlungen bauen große Tugenden auf

Manchmal suchen wir nach spektakulären Veränderungen.

Aber Heiligkeit wird sehr oft durch kleine Treue aufgebaut.

Pünktlich aufstehen.

Seine Pflicht erfüllen.

Täglich beten.

Das Kreuzzeichen aufmerksam machen.

Treu an der Heiligen Messe teilnehmen.

Regelmäßig beichten.

Einige Seiten im Evangelium lesen.

Die Wahrheit sagen.

Eine unnötig verleumderische Unterhaltung vermeiden.

Eine Reaktion des Zorns beherrschen.

Einen Akt der Nächstenliebe vollbringen.

Um Vergebung bitten.

Vergeben.

Diese Handlungen mögen klein erscheinen.

Aber wenn sie über Monate und Jahre hinweg wiederholt werden, verändern sie einen Menschen.

Der Christ darf die kleinen Dinge nicht verachten.

Gott kann eine kleine Treue gebrauchen, um in einer Seele ein großes Werk zu vollbringen.

16. Eine Lebensregel ist besser als eine Explosion der Motivation

Anstatt uns zu fragen:

„Wie kann ich motivierter sein?“

wäre es oft sinnvoller, uns zu fragen:

„Welche Lebensregel kann ich aufstellen, damit ich treu bleibe, auch wenn ich nicht motiviert bin?“

Das ist eine viel christlichere Frage.

Zum Beispiel:

  • morgens und abends beten;
  • täglich den Heiligen Rosenkranz beten;
  • sonntags an der Heiligen Messe teilnehmen;
  • regelmäßig beichten;
  • jeden Tag eine bestimmte Zeit für geistliche Lektüre reservieren;
  • abends eine Gewissenserforschung durchführen;
  • seine Standespflichten treu erfüllen;
  • regelmäßig ein Werk der Barmherzigkeit tun;
  • bestimmte Gelegenheiten zur Sünde bewusst meiden;
  • bestimmte Zeiten der Stille reservieren.

Eine Lebensregel verwandelt gute Vorsätze in konkrete Gewohnheiten.

17. Der Rosenkranz: ein außergewöhnliches Beispiel der Treue

Der Heilige Rosenkranz veranschaulicht diesen Unterschied vollkommen.

Es gibt Tage, an denen wir den Rosenkranz mit großer Andacht beten.

Wir sind konzentriert.

Die Geheimnisse berühren uns tief.

Wir empfinden die Nähe der Heiligen Jungfrau.

Aber es gibt auch Tage, an denen wir müde sind.

Wir sind abgelenkt.

Es fällt uns schwer, uns zu konzentrieren.

Wir empfinden nichts Besonderes.

Sollen wir dann aufgeben?

Nein.

Wir machen weiter.

Warum?

Weil wir den Rosenkranz nicht nur beten, wenn wir Lust dazu haben.

Wir beten ihn, weil wir uns entschieden haben, diese Zeit Gott und der Allerseligsten Jungfrau Maria zu widmen.

Hier wird die Gewohnheit zu einer wahren Schule der Treue.

18. Geistliche Trockenheit

Alle, die ernsthaft im geistlichen Leben voranschreiten, können Zeiten der Trockenheit erfahren.

Das Gebet erscheint schwierig.

Die Gefühle verschwinden.

Die geistliche Lektüre schenkt nicht mehr denselben Trost.

Die Messe kann weniger „intensiv“ erscheinen.

Aber Trockenheit ist nicht notwendigerweise ein Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hat.

Sie kann von Gott zugelassen werden, um unseren Glauben zu reinigen und uns zu lehren, Ihn nicht wegen der Tröstungen zu lieben, die Er uns schenkt, sondern um Seiner selbst willen.

Eine Spiritualität, die ausschließlich auf Gefühl gegründet ist, wird zerbrechlich.

Eine Spiritualität, die auf Glaube, Hoffnung, Liebe und Tugenden gegründet ist, wird viel stabiler.

19. „Ich habe keine Lust“ ist keine Entschuldigung

Im moralischen Leben gibt es einen Satz, der äußerst gefährlich werden kann:

„Ich habe keine Lust dazu.“

Wir haben vielleicht keine Lust zu beten.

Wir haben vielleicht keine Lust zu arbeiten.

Wir haben vielleicht keine Lust zu vergeben.

Wir haben vielleicht keine Lust, ein Opfer zu bringen.

Wir haben vielleicht keine Lust, um Vergebung zu bitten.

Wir haben vielleicht keine Lust aufzustehen.

Aber die christliche Frage lautet nicht:

„Was möchte ich tun?“

Die Frage lautet:

„Was ist das Gute, das ich jetzt tun muss?“

Diese Frage kann ein ganzes Leben verändern.

20. Die Tugend macht das Gute allmählich leichter

Man darf jedoch nicht glauben, dass ein tugendhaftes Leben bedeutet, für immer mit derselben Intensität kämpfen zu müssen.

Die Gewohnheit verändert nach und nach unsere inneren Dispositionen.

Am Anfang kann es schwierig erscheinen, jeden Tag zu beten.

Dann wird es selbstverständlich.

Am Anfang kann es enorme Anstrengung erfordern, eine zornige Reaktion zu beherrschen.

Mit der Zeit lernt der Mensch, anders zu reagieren.

Am Anfang kann es sehr schmerzhaft sein, bestimmte schlechte Gewohnheiten aufzugeben.

Allmählich bildet sich eine neue Lebensweise.

Genau darin liegt die Kraft des habitus.

Die geordnete Wiederholung guter Handlungen trägt dazu bei, eine beständige Neigung zum Guten zu bilden.

Die Tugend beseitigt die Anstrengung nicht.

Sie macht die Anstrengung geordneter, beständiger und allmählich natürlicher.

21. Wahre Freiheit bedeutet nicht, alles zu tun, was man will

Die moderne Welt spricht viel über Freiheit.

Aber sie gibt der Freiheit häufig eine äußerst arme Definition:

„Ich bin frei, alles zu tun, was ich will.“

Das Christentum bietet eine tiefere Definition.

Frei zu sein bedeutet, das Gute wählen zu können.

Ein Mensch, der nicht in der Lage ist, seinen Leidenschaften zu widerstehen, ist weniger frei, als er glaubt.

Wer von Zorn beherrscht wird, ist nicht vollkommen frei.

Wer seine Zunge nicht beherrschen kann, ist nicht vollkommen frei.

Wer Sklave seiner Wünsche ist, ist nicht vollkommen frei.

Wer auf ein Vergnügen nicht verzichten kann, obwohl er weiß, dass es ihm schadet, ist nicht vollkommen frei.

Die Tugend befreit, weil sie die Kräfte des Menschen auf ihr wahres Gut hinordnet.

22. Die Welt braucht Zeugen der Treue

Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich vieles schnell verändert.

Moden ändern sich.

Meinungen ändern sich.

Trends ändern sich.

Technologien ändern sich.

Soziale Netzwerke ändern sich.

Menschen gehen von einer Begeisterung zur nächsten.

In diesem Umfeld ist der Christ dazu berufen, ein Zeuge der Beständigkeit zu sein.

Nicht einer menschlichen Starrheit.

Sondern einer Treue, die in der Wahrheit verwurzelt ist.

Der Christ sollte durch sein Leben sagen können:

„Ich werde treu bleiben, auch wenn es mich etwas kostet.“

Diese Treue ist besonders wichtig in der Familie, in der Ehe, bei der Arbeit, in der Freundschaft, im Gebet und im kirchlichen Leben.

23. Auch die Ehe wird auf Treue gebaut, nicht nur auf Gefühl

Die Ehe bietet ein besonders klares Beispiel.

Niemand kann vernünftigerweise davon ausgehen, dass die Ehe ausschließlich aus intensiven Gefühlen der Verliebtheit bestehen wird.

Es wird Momente der Begeisterung geben.

Aber es wird auch Müdigkeit, Missverständnisse, wirtschaftliche Schwierigkeiten, Krankheiten, Verantwortlichkeiten und Prüfungen geben.

Die Ehe beruht daher auf einem Versprechen und auf Treue.

Wahre Liebe sagt nicht nur:

„Ich liebe dich, wenn ich mich verliebt fühle.“

Sie sagt:

„Ich entscheide mich dafür, dich zu lieben, dich zu achten und dir treu zu bleiben.“

Die Tugend der Treue macht diese Form reifer Liebe möglich.

Und die sakramentale Gnade stärkt und erhebt diese Berufung in der christlichen Ehe.

24. Das christliche Leben ist ein Training der Seele

Der heilige Paulus verwendet mehrfach das Bild des Trainings.

„Jeder Wettkämpfer lebt völlig enthaltsam.“

(1 Korinther 9,25)

Dieses Bild ist äußerst aktuell.

Niemand wird zum Athleten, indem er lediglich Motivationsvideos anschaut.

Man muss trainieren.

Immer wieder.

Auch wenn man keine Lust dazu hat.

Auch wenn die Fortschritte langsam erscheinen.

Auch wenn niemand zusieht.

Dasselbe gilt für die Seele.

Das geistliche Leben verlangt eine wirkliche Askese.

Gebet.

Opfer.

Selbstbeherrschung.

Buße.

Studium.

Stille.

Beharrlichkeit.

Nächstenliebe.

Das sind keine Nebensächlichkeiten des christlichen Lebens.

Sie gehören zur Bildung des neuen Menschen in Christus.

25. Suche nicht ständig danach, dich gut zu fühlen: Suche danach, gut zu werden

Hier liegt vielleicht einer der wichtigsten Perspektivwechsel.

Unsere Gesellschaft fragt uns ständig:

„Wie fühlst du dich?“

Aber die christliche Frage geht tiefer:

„Was soll aus dir werden?“

Das Ziel des christlichen Lebens besteht nicht darin, ständig emotional zufrieden zu sein.

Das Ziel ist, heilig zu werden.

Und Heiligkeit bedeutet, Christus gleichgestaltet zu werden.

Das bedeutet, geduldiger zu werden.

Gerechter.

Maßvoller.

Tapferer.

Demütiger.

Barmherziger.

Treuer.

Reiner.

Barmherziger.

Gefügiger gegenüber der Gnade.

Der wahre christliche Erfolg besteht nicht darin, ständig gute Gefühle zu haben.

Er besteht darin, Gott und den Nächsten mehr zu lieben.

26. Auf den Felsen bauen

So kehren wir zu den Worten Christi zurück.

Das Haus, das auf den Felsen gebaut ist, ist nicht das Haus, das niemals von einem Sturm getroffen wird.

Der Sturm kommt.

Der Regen fällt.

Die Flüsse treten über die Ufer.

Die Winde wehen.

Der Unterschied liegt im Fundament.

„Als nun der Regen fiel und die Flüsse kamen und die Winde wehten und an das Haus rüttelten, stürzte es nicht ein; denn es war auf Felsen gegründet.“

(Matthäus 7,25)

Der Christ ist nicht jemand, der keine Schwierigkeiten kennt.

Er ist jemand, dessen Fundamente tief genug sind, um nicht einzustürzen, wenn Schwierigkeiten kommen.

Und diese Fundamente sind nicht unsere Gefühle.

Sie sind nicht unsere Begeisterung.

Sie sind nicht unsere persönliche Willenskraft.

Sie sind Christus, seine Gnade, seine Wahrheit und unsere Treue zu seinem Wort.

Schluss: Baue dein Leben nicht auf das, was du fühlst

Motivation kann eine gute Dienerin sein.

Aber sie ist eine schlechte Herrin.

Sie kann uns helfen, anzufangen.

Aber sie darf nicht unser ganzes Leben bestimmen.

Sie ist wechselhaft.

Die Tugend dagegen lehrt uns, treu zu bleiben.

Motivation sagt:

„Ich werde es tun, wenn ich Lust dazu habe.“

Die Tugend sagt:

„Ich werde es tun, weil es gut ist.“

Motivation sagt:

„Heute fühle ich mich dazu in der Lage.“

Die Tugend sagt:

„Auch wenn ich schwach bin, werde ich mit der Gnade Gottes das tun, was ich kann.“

Motivation sagt:

„Ich werde weitermachen, solange es mir guttut.“

Die Tugend sagt:

„Ich werde treu bleiben, auch wenn es mich etwas kostet.“

Und genau hier liegt die christliche Reife.

Baue dein Leben nicht auf die Emotion des Augenblicks.

Baue deinen Glauben nicht auf gefühlte Frömmigkeit.

Baue dein Gebet nicht auf Lust.

Baue deine Berufung nicht auf Begeisterung.

Baue deine Familie nicht allein auf Gefühl.

Baue dein geistliches Leben nicht auf emotionale Erfahrungen.

Baue auf Christus.

Baue auf die Gnade.

Baue auf die Wahrheit.

Baue auf das Gebet.

Baue auf die Sakramente.

Baue auf die Tugenden.

Baue auf gute Gewohnheiten, die auf das Gute ausgerichtet sind.

Und wenn die Motivation verschwindet — denn sie wird manchmal verschwinden —, dann mach weiter.

Bete.

Arbeite.

Erfülle deine Pflicht.

Tue das Gute.

Meide die Sünde.

Liebe.

Vergib.

Beharrre.

Beginne von Neuem, wenn du fällst.

Denn letztlich wird Gott uns nicht fragen, ob wir immer begeistert gewesen sind.

Er wird uns fragen, ob wir treu gewesen sind.

Und genau diese Treue beginnt, wenn die Begeisterung erlischt.

„Sei getreu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.“

(Offenbarung 2,10)

Motivation kann einen Funken entzünden.

Aber nur die Tugenden, getragen von der Gnade, können das Feuer dauerhaft am Brennen halten.

Baue dein Leben daher nicht auf den wechselnden Sand deiner Gefühle.

Baue es auf den Felsen Christus.

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Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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