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Vom Transitus zur Assumptio: Wie die traditionelle Liturgie seit mehr als fünfzehn Jahrhunderten die Herrlichkeit Mariens gefeiert hat

Es gibt Feste, die die Kirche feiert, weil sie an ein bestimmtes Ereignis im Leben eines Heiligen erinnern. Und es gibt andere, die gleichsam ein Fenster direkt zum Himmel öffnen. Das Hochfest der Aufnahme der allerseligsten Jungfrau Maria in den Himmel gehört zweifellos zu dieser zweiten Kategorie.

Jeden 15. August betrachtet die Kirche seit vielen Jahrhunderten Maria nicht einfach als eine heilige Frau, die ihr irdisches Leben vollendet hat, sondern als jene, die durch ein einzigartiges Vorrecht Gottes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit erhoben wurde. Die traditionelle Liturgie bringt diese Wirklichkeit mit außerordentlichem Reichtum zum Ausdruck: Sie spricht vom Tod Mariens, von ihrer Dormitio oder ihrem Transitus, von ihrer Verherrlichung, ihrem triumphalen Einzug in den Himmel und ihrer Krönung als Königin.

Wir stehen also nicht vor einer nebensächlichen marianischen Frömmigkeitsform. Wir stehen vor einer zutiefst christologischen Feier, denn alles, was die Kirche über Maria verkündet, führt letztlich zu Christus.

Die Aufnahme Mariens in den Himmel erinnert uns an etwas, das unsere Zeit dringend hören muss: Der menschliche Leib ist kein Gegenstand, der für Konsum, Vergnügen oder Zerstörung bestimmt ist; er ist zur Herrlichkeit der Auferstehung berufen.

Und Maria ist bereits im Voraus das leuchtende Zeichen dessen, was Gott in allen vollbringen will, die mit Christus verbunden bleiben.

1. Vor der Aufnahme Mariens in den Himmel gab es den Transitus

Um den Reichtum dieses Festes zu verstehen, müssen wir zunächst bei einem alten Wort verweilen: Transitus.

Die christliche Tradition des Ostens spricht gewöhnlich von der Dormitio der Gottesmutter (Koímēsis), während man im Westen Ausdrücke wie Transitus Mariae, Dormitio, Pausatio, Depositio und später Assumptio findet. Die alten Texte und Feiern wollten nicht einfach eine historische Neugier hinsichtlich der letzten Augenblicke Mariens befriedigen. Ihr Ziel war es, ein Geheimnis zu betrachten: Die Mutter des Erlösers vollendet ihre irdische Pilgerschaft und tritt bei ihrem Sohn in die Herrlichkeit ein.

Dabei muss man allerdings sorgfältig zwischen liturgischer Tradition und historischen Quellen unterscheiden.

Es gibt alte Berichte über den sogenannten Transitus Mariae, von denen einige apokryphen Charakter haben und vom Tod, vom Begräbnis und von der Verherrlichung der Jungfrau Maria erzählen. Diese Texte stellen für sich genommen keine Quelle der göttlichen Offenbarung dar und besitzen nicht die Autorität der Evangelien. Die Kirche hat das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel nicht einfach auf einen dieser Berichte gegründet.

Sie zeigen jedoch, dass bereits in den ersten Jahrhunderten eine tiefe christliche Überzeugung hinsichtlich der verherrlichten Bestimmung Mariens vorhanden war. Die östliche liturgische Tradition feierte bereits im 5. und 6. Jahrhundert die Entschlafung Mariens, und das Fest verbreitete sich anschließend in der gesamten christlichen Welt. Im Westen bezeugen alte Quellen seine Feier, und in Rom erlangte es unter dem Pontifikat Papst Sergius’ I. (687–701) besondere Feierlichkeit.

Das ist außerordentlich wichtig.

Die Kirche begann nicht erst 1950, an die Aufnahme Mariens in den Himmel zu glauben.

1950 definierte die Kirche feierlich als Dogma eine Wahrheit, die über viele Jahrhunderte hinweg bekannt, gefeiert, betrachtet und überliefert worden war.

2. Mehr als fünfzehn Jahrhunderte liturgischer Erinnerung

Die genaue Geschichte des Festes ist komplex, und Historiker diskutieren manche Einzelheiten seiner frühen Entwicklung. Eine grundlegende Tatsache bleibt jedoch bestehen: Die Feier der Entschlafung beziehungsweise der Aufnahme Mariens in den Himmel gehört zur alten liturgischen Tradition der Kirche.

Im Osten finden sich bereits im 5. Jahrhundert Zeugnisse einer marianischen Feier, die mit dem Heimgang Mariens verbunden war. Später festigte sich das Fest in Jerusalem und verbreitete sich in andere christliche Regionen. Im Westen erscheint es in Verbindung mit alten Sakramentaren und erlangte in Rom besondere Feierlichkeit.

Papst Sergius I. führte feierliche Prozessionen ein, die mit den wichtigsten Marienfesten verbunden waren, darunter auch die Dormitio. Später machte Papst Leo IV. die Feier der Aufnahme Mariens in den Himmel noch feierlicher, indem er eine Vigil und weitere liturgische Ausdrucksformen rund um das Fest einführte.

Die Liturgie sagte durch ihre eigenen Gesten etwas aus:

Maria gehört nicht einfach der Vergangenheit an. Maria lebt in der Herrlichkeit Gottes.

Die Prozession, die Litaneien, der Gesang, der Weihrauch, die Feierlichkeit der Messe und die Struktur des Offiziums waren keine bloßen äußeren Verzierungen. Sie waren eine wirkliche Katechese.

Gerade darin liegt eine besondere Eigenschaft der traditionellen Liturgie: Sie lehrt den Glauben nicht nur durch Begriffe, sondern auch durch Symbole, Worte, Stille, Gesten und heilige Zeiten.

3. Vom Transitus zur Assumptio

Es gibt eine sehr bedeutungsvolle Entwicklung der Begrifflichkeit.

Transitus bedeutet „Übergang“, den Übergang von einem Zustand in einen anderen.

Dormitio bedeutet „Entschlafung“ und bezeichnet auf zutiefst christliche Weise den Tod, wenn man ihn im Licht der Hoffnung auf die Auferstehung betrachtet.

Assumptio hingegen legt den Akzent auf das Handeln Gottes: Maria wird aufgenommen, durch die göttliche Macht erhoben.

Dies hilft uns, die innere Struktur des Geheimnisses zu verstehen.

Die Kirche lehrt nicht einfach, dass Maria gestorben ist.

Sie lehrt auch nicht einfach, dass ihre Seele in den Himmel gelangt ist.

Das Dogma bekräftigt etwas viel Präziseres: Maria wurde mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit erhoben.

Hier finden wir einen wesentlichen Unterschied gegenüber allen anderen Heiligen.

Die Heiligen, die wir verehren, erwarten noch die Auferstehung ihrer Leiber am letzten Tag. Maria nimmt jedoch aufgrund eines ganz einzigartigen Vorrechts, das mit ihrer Sendung und ihrer besonderen Einheit mit Christus verbunden ist, bereits leiblich an der Herrlichkeit ihres Sohnes teil.

Pius XII. brachte dies feierlich in der Apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus zum Ausdruck, die am 1. November 1950 verkündet wurde: Die unbefleckte Gottesmutter wurde, nachdem sie den Lauf ihres irdischen Lebens vollendet hatte, mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen.

Dabei ist eine wichtige theologische Präzisierung zu beachten: Die Kirche hat definiert, dass Maria, nachdem sie „den Lauf ihres irdischen Lebens vollendet“ hatte, in den Himmel aufgenommen wurde; sie hat jedoch nicht dogmatisch definiert, ob Maria gestorben ist oder nicht.

Die liturgische Tradition der Dormitio neigt eindeutig zur Annahme ihres Todes, doch das Dogma von 1950 ließ diese Frage bewusst offen.

4. Die traditionelle Liturgie verwandelt Theologie in Gebet

Eine der großen Reichtümer des alten römischen Ritus besteht darin, dass die Lehre nicht losgelöst vom Gebet erscheint.

Der Gläubige muss nicht an einer theologischen Vorlesung teilnehmen, um zu verstehen, dass hier etwas Außergewöhnliches gefeiert wird. Die Messe selbst führt ihn in das Geheimnis ein.

Der traditionelle Introitus der Messe von Mariä Himmelfahrt beginnt mit den Worten:

„Signum magnum apparuit in caelo: mulier amicta sole…“

„Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet …“

Die Bezugnahme stammt aus dem 12. Kapitel der Offenbarung:

„Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt einen Kranz von zwölf Sternen.“
(Offb 12,1)

Die katholische Tradition hat in dieser Frau einen symbolisch außerordentlich reichen Bezug gesehen, der mit der Kirche und in herausragender Weise mit Maria verbunden ist.

Die Liturgie betrachtet die Jungfrau als verherrlichte Frau, Königin und Zeichen der Hoffnung für das Volk Gottes.

Und das besitzt eine immense pastorale Bedeutung.

Der moderne Christ lebt umgeben von Bildern des Erfolgs, der Schönheit, der Jugend und der Macht, die schnell vergehen. Maria erscheint dagegen als eine Schönheit, die nicht verwelkt, als ein Leben, das nicht im Grab endet, und als eine Existenz, die ihre Vollendung in Gott findet.

5. Maria: demütig auf Erden, verherrlicht im Himmel

Das Paradox der Aufnahme Mariens in den Himmel ist zutiefst evangelisch.

Maria war eine demütige junge Frau aus Nazareth.

Sie gehörte nicht zu den politischen Eliten.

Sie schrieb keine philosophischen Abhandlungen.

Sie bekleidete keine öffentlichen Ämter.

Sie suchte nicht nach Anerkennung.

Ihre Größe bestand darin, zu sagen:

„Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“
(Lk 1,38)

Und gerade diese Demut wird zur Herrlichkeit.

Das Magnificat bringt diese göttliche Logik vollkommen zum Ausdruck:

„Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“
(Lk 1,48)

Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist gewissermaßen die sichtbare Erfüllung dieser Worte.

Gott erhöht jene, die sich erniedrigt hat.

Gott verherrlicht jene, die gehorcht hat.

Gott erhebt jene, die sich hingegeben hat.

Die traditionelle Liturgie bewahrt diese Logik mit beeindruckender Klarheit: Wahre Größe besteht nicht darin, sich selbst zu erhöhen, sondern darin, sich von Gott erhöhen zu lassen.

6. Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist untrennbar mit Christus verbunden

Wenn über Maria gesprochen wird, besteht eine sehr häufige Versuchung darin, die Mariologie zu etwas Unabhängigem von Christus zu machen.

Die authentische katholische Tradition tut genau das Gegenteil.

Maria wird verherrlicht, weil sie die Mutter Christi ist.

Sie ist aufgrund der vorauswirkenden Verdienste Christi die Unbefleckte.

Sie ist Gottesmutter, weil ihr Sohn wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

Sie wird aufgenommen, weil ihre Bestimmung in einzigartiger Weise mit dem Sieg Christi über Sünde und Tod verbunden ist.

Deshalb steht die Aufnahme Mariens nicht in Konkurrenz zur Himmelfahrt Jesu Christi.

Christus steigt durch seine eigene göttliche Macht zum Himmel auf.

Maria wird durch die Macht Gottes erhoben.

Christus ist der Erlöser.

Maria ist die in hervorragender und einzigartiger Weise Erlöste.

Christus ist die Quelle der Gnade.

Maria ist ein Geschöpf, das durch diese Gnade vollkommen verwandelt wurde.

Alles führt wieder zum Erlöser zurück.

Pius XII. stellte die Aufnahme Mariens ausdrücklich in Beziehung zum Sieg Christi über Sünde und Tod und bezeichnete sie als Vollendung der Vorrechte, die der Mutter des Erlösers verliehen wurden.

7. Die liturgische Tradition verkündet die Auferstehung des Leibes

Vielleicht ist dies einer der aktuellsten Aspekte dieses Festes.

Wir leben in einer Kultur, die paradoxerweise den Körper gleichzeitig vergöttert und verachtet.

Man verherrlicht das äußere Erscheinungsbild, betrachtet den Körper aber zugleich als Eigentum, über das man absolut verfügen könne.

Man spricht ständig über körperliches Wohlbefinden, vergisst aber seine ewige Bestimmung.

Die Aufnahme Mariens in den Himmel durchbricht diese Sichtweise.

Der Leib Mariens wird verherrlicht.

Das bedeutet, dass die Materie nicht böse ist.

Der Leib ist kein Gefängnis der Seele.

Die Sexualität ist kein bloßer biologischer Mechanismus.

Das menschliche Leben ist kein zufälliges Geschehen ohne Bestimmung.

Der Leib gehört zur Person und ist dazu berufen, durch die Gnade Gottes an der zukünftigen Herrlichkeit teilzuhaben.

Der heilige Paulus verkündet:

„Ist aber Christus in euch, so ist zwar der Leib tot um der Sünde willen, der Geist aber Leben um der Gerechtigkeit willen.“
(Röm 8,10)

Und anschließend bekräftigt er die endgültige Hoffnung auf die Auferstehung.

Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist gerade eine besondere Vorwegnahme dieser Wirklichkeit.

Pius XII. betonte ausdrücklich, dass der Glaube an die Aufnahme Mariens in den Himmel unsere Hoffnung auf unsere eigene Auferstehung stärken soll.

8. Ein Fest gegen Materialismus und gegen einen entleiblichten Spiritualismus

Die Aufnahme Mariens in den Himmel bewahrt vor zwei entgegengesetzten Irrtümern.

Der erste ist der Materialismus: die Vorstellung, dass nur das existiert, was wir berühren, messen und besitzen können.

Der zweite ist ein entleiblichter Spiritualismus: die Vorstellung, dass die Erlösung einfach darin bestehe, den Körper zurückzulassen und ein Geist zu werden.

Das Christentum lehrt etwas weitaus Größeres:

Gott will den ganzen Menschen retten.

Deshalb erwarten wir die Auferstehung des Fleisches.

Maria nimmt bereits leiblich an dieser Herrlichkeit teil.

Ihre Aufnahme in den Himmel verkündet, dass die endgültige Bestimmung des Christen nicht darin besteht, zu verschwinden, sondern verwandelt zu werden.

Die Liturgie lädt uns daher nicht dazu ein, die Erde zu verachten. Sie lädt uns dazu ein, die irdischen Wirklichkeiten richtig zu gebrauchen, während wir auf unsere endgültige Heimat zugehen.

9. Maria als Königin

Die liturgische und theologische Tradition betrachtet Maria auch als Königin.

Nicht weil sie eine Gottheit wäre.

Nicht weil sie eine von Gott unabhängige Autorität besäße.

Sondern weil sie die Mutter des Königs ist und auf einzigartige Weise mit dem Werk Christi verbunden wurde.

Das Bild der Königin steht ebenfalls in Verbindung mit der Heiligen Schrift und der Tradition der Kirche. Die Liturgie betrachtet Maria, wie sie in die himmlische Herrlichkeit eintritt und in untergeordneter und abhängiger Weise am Königtum ihres Sohnes teilhat.

Deshalb führt die Aufnahme Mariens in den Himmel ganz natürlich zum Fest Maria Königin.

Das alte katholische Empfinden verstand sehr gut etwas, das heute vielfach verlorengegangen ist: Der Himmel ist keine abstrakte Idee; er ist ein Reich, eine Heimat, eine Wirklichkeit der Herrlichkeit um Gott.

Und Maria ist bereits dort.

10. Die dogmatische Definition von 1950 hat die Tradition nicht erfunden

Einer der häufigsten Irrtümer besteht darin, die Aufnahme Mariens in den Himmel als eine von Pius XII. geschaffene Lehre darzustellen.

Das ist nicht richtig.

Die dogmatische Definition von 1950 war das Ergebnis eines sehr langen Prozesses der Reflexion, der Verehrung, der Verkündigung und der Lehre.

Pius XII. selbst stützte die Definition auf zahlreiche Elemente: die Heilige Schrift, die Tradition, die Übereinstimmung der Bischöfe und Gläubigen, die Lehre der Kirchenväter und Kirchenlehrer und, in höchst bedeutsamer Weise, die alte liturgische Praxis sowohl des Ostens als auch des Westens.

Die Liturgie hat das Dogma nicht geschaffen.

Aber sie hat über Jahrhunderte hinweg den Glauben der Kirche sichtbar gemacht.

Das ist einer der Gründe, weshalb die traditionelle Liturgie für die katholische Bildung so wertvoll ist: Sie lässt erkennen, wie eine Glaubenswahrheit gebetet wurde, bevor sie in ihrer gesamten theologischen Entwicklung systematisch erklärt wurde.

Lex orandi, lex credendi: Das Gesetz des Betens steht in enger Verbindung mit dem Gesetz des Glaubens.

11. Die geistliche Botschaft der Aufnahme Mariens in den Himmel für unsere Zeit

Was kann uns Maria, die in den Himmel aufgenommen wurde, mitten im 21. Jahrhundert sagen?

Sehr viel.

Erstens: Wir sind nicht nur für dieses Leben geschaffen worden.

Die moderne Welt kann uns dazu bringen, so zu leben, als würde der Horizont mit dem Ruhestand, dem Konsum, der Unterhaltung oder dem Tod enden.

Maria erinnert uns daran, dass unser Dasein eine ewige Dimension besitzt.

Zweitens: Reinheit ist wichtig.

Maria lehrt uns, dass der Leib ein Tempel Gottes sein kann und dass Jungfräulichkeit, Keuschheit und Bescheidenheit keine Relikte einer vergangenen Epoche sind.

Drittens: Demut führt zur wahren Größe.

Die zeitgenössische Kultur lehrt ständig, sich selbst zu vermarkten, sich zur Schau zu stellen und miteinander zu konkurrieren.

Das Evangelium lehrt, zu dienen.

Viertens: Das Leiden hat nicht das letzte Wort.

Maria stand unter dem Kreuz.

Die Schmerzensmutter wird zur verherrlichten Mutter.

Der Weg des Kreuzes führt zur Herrlichkeit, wenn er in Einheit mit Christus gelebt wird.

12. Wie wir das Fest geistlich leben können

Das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel sollte nicht auf eine Prozession, ein schönes Bild oder einen Feiertag reduziert werden.

Es kann zu einer wirklichen Schule des geistlichen Lebens werden.

Wir können damit beginnen, die Heilige Messe mit echter Sammlung zu besuchen und zuvor die liturgischen Texte aufmerksam zu lesen.

Wir können den Heiligen Rosenkranz beten, insbesondere die glorreichen Geheimnisse.

Wir können das Magnificat betrachten.

Wir können Offenbarung 12 und 1 Korinther 15 lesen.

Wir können über die ewige Bestimmung unseres eigenen Leibes nachdenken und uns fragen, ob wir entsprechend der Würde dessen leben, der zur Auferstehung berufen ist.

Und wir können uns eine einfache, aber entscheidende Frage stellen:

Gehe ich auf den Himmel zu, oder lebe ich so, als wäre diese Erde meine endgültige Bestimmung?

Die Aufnahme Mariens in den Himmel zwingt uns, den Blick nach oben zu richten.

13. Die traditionelle Liturgie als Schule der Ewigkeit

Vielleicht liegt gerade hierin einer der großen Schätze der alten Liturgie.

In einer beschleunigten Gesellschaft verlangsamt die traditionelle Liturgie die Seele.

In einer von Worten übersättigten Kultur findet sie zur Stille zurück.

In einer Welt, die ständig ihre Meinung verändert, bewahrt sie eine jahrhundertelange Kontinuität.

Und wenn der 15. August kommt, scheint sich diese gesamte Tradition auf ein einziges Bild zu konzentrieren:

Maria tritt in die Herrlichkeit ein.

Die Kirche betrachtet sie nicht als eine Gestalt der Vergangenheit, sondern als eine Wirklichkeit, die gegenwärtig bei Gott lebt.

Der Introitus spricht von der mit der Sonne bekleideten Frau.

Der Gesang verkündet ihre Erhöhung.

Das Gebet bittet darum, eines Tages an ihrer Herrlichkeit teilzuhaben.

So verwandelt die Liturgie das Dogma in Hoffnung.

Sie sagt nicht nur:

„Das ist Maria widerfahren.“

Sie sagt auch:

„Schau, wohin die Gnade Gottes führt, wenn sie auf ein Geschöpf trifft, das sich Ihm vollkommen hingibt.“

Schluss: Maria ist bereits dort angekommen, wohin wir zu gelangen hoffen

Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist eines der lichtvollsten Feste des gesamten katholischen Kirchenjahres.

Sie beginnt mit einer demütigen Frau aus Nazareth und endet mit einer Königin in der Herrlichkeit.

Sie beginnt mit dem Fiat und gipfelt in der Krönung.

Sie beginnt auf der Erde und endet im Himmel.

Sie beginnt mit einem Geschöpf, das sagt: „Es geschehe“, und endet mit eben diesem Geschöpf, das in der Fülle der Herrlichkeit betrachtet wird.

Mehr als fünfzehn Jahrhunderte lang hat die Kirche dieses Geheimnis mit Gesängen, Prozessionen, Vigilien, Messen, Offizien, Hymnen und Gebeten begleitet. Die östliche Liturgie sprach von der Dormitio; die westliche Tradition entwickelte mit zunehmender Klarheit die Feier der Assumptio. Und 1950 bestätigte Pius XII. feierlich als Glaubensdogma das, was die Kirche seit Jahrhunderten verehrt und gelehrt hatte: Maria wurde nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen.

Doch das Fest endet nicht mit Maria.

Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist auch eine Verheißung.

Maria ist das Geschöpf, das bereits angekommen ist.

Wir sind noch unterwegs.

Sie schaut Gott von Angesicht zu Angesicht.

Wir wandeln noch im Dunkel des Glaubens.

Sie besitzt die Herrlichkeit.

Wir erwarten sie.

Deshalb lädt uns die Kirche jeden 15. August ein, zum Himmel aufzublicken und uns an unsere wahre Bestimmung zu erinnern.

Wir sind nicht für das Grab geschaffen.

Wir sind nicht für die Sünde geschaffen.

Wir sind nicht für die Leere geschaffen.

Wir sind für Gott geschaffen.

Und Maria, die Allerheiligste, die mit Leib und Seele aufgenommen wurde, bleibt vor uns als das schönste Zeichen dieser Hoffnung.

Möge die Betrachtung Mariens uns dazu führen, die Worte ihres eigenen Lobgesangs mit neuer Tiefe zu wiederholen:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“
(Lk 1,46–47)

Denn die Herrlichkeit Mariens mindert nicht die Herrlichkeit Christi.

Im Gegenteil.

Je höher wir die Mutter betrachten, desto besser verstehen wir die Größe des Sohnes, der sie erlöst, geheiligt und schließlich mit sich in die Herrlichkeit geführt hat.

Und dies ist letztlich die große Lehre der Aufnahme Mariens in den Himmel: Wer wirklich Christus angehört, geht nicht dem Nichts entgegen, sondern der Auferstehung, dem ewigen Leben und der Herrlichkeit Gottes.

Über catholicus

Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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