Es gibt ein tief in der katholischen Spiritualität verwurzeltes Bild: Maria im Himmel, gekrönt als Königin, und zugleich mütterlich über ihre Kinder gebeugt, die noch auf Erden pilgern. Darin liegt kein Widerspruch. Gerade weil sie gemeinsam mit Christus verherrlicht wurde, erfüllt Maria ihre mütterliche Sendung gegenüber der Kirche mit besonderer Intensität.
Das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel stellt uns keine ferne Jungfrau vor, die zu einer Gestalt der Vergangenheit geworden wäre. Es zeigt uns die Mutter Gottes, die in der Herrlichkeit vollkommen lebendig ist, mit Christus vereint und – in untergeordneter Weise und vollständig von Ihm abhängig – an seiner Sorge um die Menschen teilnimmt.
Wenn die katholische Tradition Maria daher als Königin des Himmels, Hilfe der Christen, Zuflucht der Sünder und Siegerin über die Nachstellungen des Teufels bezeichnet, spricht sie nicht von einer gefühlsbetonten Frömmigkeit, die von der Theologie losgelöst wäre. Sie betrachtet vielmehr die Folgen ihrer einzigartigen Verbindung mit Christus.
Die Aufnahme in den Himmel lässt uns genau dies verstehen: Maria verlässt den geistlichen Kampf nicht, wenn sie in den Himmel aufgenommen wird; vom Himmel aus übt sie weiterhin ihre mütterliche Sorge für die Kirche aus.
1. Was bedeutet es wirklich, dass Maria in den Himmel aufgenommen wurde?
Die Kirche lehrt als Glaubensdogma, dass die selige Jungfrau Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.
Papst Pius XII. definierte diese Wahrheit am 1. November 1950 durch die Apostolische Konstitution Munificentissimus Deus feierlich. Die Definition besagt, dass die unbefleckte Mutter Gottes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.
Es ist wichtig, etwas klarzustellen: Die Aufnahme Mariens in den Himmel bedeutet nicht, dass Maria aus eigener Kraft in den Himmel aufgestiegen wäre. Christus steigt aus eigener Kraft zum Himmel auf; Maria wird durch die Macht Gottes aufgenommen.
Diese Unterscheidung ist grundlegend.
Christus ist der Erlöser.
Maria ist die erste in einzigartiger Weise erlöste Kreatur und jene Kreatur, die in einzigartiger Weise am Werk der Erlösung mitgewirkt hat.
Deshalb stellt Pius XII. Maria als eng mit Christus verbunden dar und als jene, die – in untergeordneter Weise – am Triumph ihres Sohnes über Sünde und Tod Anteil hat.
Die Aufnahme in den Himmel ist daher die Vollendung eines Lebens, das ganz auf Gott ausgerichtet war.
Maria lebte für Christus.
Maria litt mit Christus.
Maria blieb bei Christus unter dem Kreuz.
Und nun nimmt sie an der Herrlichkeit Christi teil.
Der Kampf endet im Sieg.
2. Maria, die neue Eva im Kampf gegen die Schlange
Um die Rolle Mariens im geistlichen Kampf zu verstehen, müssen wir zum Anfang zurückkehren.
Nach dem Sündenfall spricht Gott jene geheimnisvollen Worte zur Schlange:
„Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs; er wird dir den Kopf zertreten.“ (vgl. Gen 3,15)
Die christliche Tradition hat in dieser Stelle das sogenannte Protoevangelium gesehen, also die erste Verheißung des Sieges über Sünde und Satan.
Die Kirche betrachtet Christus als den neuen Adam und Maria als die neue Eva.
Eva war durch ihren Ungehorsam mit dem Beginn des Falls verbunden.
Maria ist durch ihren Gehorsam mit dem Beginn der Erlösung verbunden.
Eva hört auf die Schlange.
Maria hört auf den Engel.
Eva streckt ihre Hand nach der Frucht aus.
Maria gibt Gott ihre Zustimmung.
Eva wirkt am Eintritt der Sünde mit.
Maria wirkt – durch die Gnade Gottes und immer Christus untergeordnet – am Eintritt des Erlösers in die Welt mit.
Deshalb hat die traditionelle Spiritualität Maria als unversöhnliche Feindin Satans betrachtet.
Nicht weil sie eine von Gott unabhängige Macht besäße, sondern gerade weil ihr Leben vollständig Gott gehört.
Der Teufel kann das, wofür Maria steht, nicht ertragen: Demut, Gehorsam, Reinheit, Glaube, Schweigen, Opferbereitschaft und völlige Verfügbarkeit gegenüber dem Willen Gottes.
3. Die Größe Mariens liegt in ihrer Demut
In der Königswürde Mariens liegt etwas Paradoxes.
Sie ist Königin, weil sie Magd war.
Die Welt versteht Macht als Herrschaft, Durchsetzung und Selbstgenügsamkeit. Das Evangelium versteht sie anders.
Maria sagt:
„Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ (Lk 1,38)
Und gerade nach diesem Akt der Demut beginnt ihre Erhöhung.
Im Magnificat verkündet sie:
„Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter.“ (Lk 1,48)
Hier finden wir einen der Schlüssel zum geistlichen Kampf.
Der Teufel fiel durch den Hochmut.
Maria siegt durch die Demut.
Satan will sich an die Stelle Gottes setzen.
Maria spricht: „Mir geschehe nach deinem Wort.“
Der Feind sucht absolute Autonomie.
Maria lebt aus der liebenden Abhängigkeit von Gott.
Deshalb kann echte Marienverehrung niemals zu geistlicher Selbstgenügsamkeit führen. Im Gegenteil: Je näher wir Maria kommen, desto mehr werden wir zu Christus geführt.
4. Die Aufnahme in den Himmel ist die Offenbarung eines bereits begonnenen Sieges
Die Aufnahme Mariens in den Himmel darf nicht nur als persönliches Vorrecht Mariens verstanden werden.
Sie ist auch ein eschatologisches Zeichen für die ganze Kirche.
Maria ist das erste menschliche Geschöpf, das vollständig – mit Leib und Seele – an jener himmlischen Herrlichkeit teilhat, die die Gläubigen am Ende der Zeiten erwartet.
Der heilige Johannes Paul II. erklärte, dass das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel bedeutet, dass ihre leibliche Verherrlichung in einzigartiger Weise vorweggenommen wurde, während für die übrige Menschheit die leibliche Auferstehung am Ende der Zeiten stattfinden wird.
Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist daher gleichsam eine lebendige Ikone unserer Bestimmung.
Sie erinnert uns daran, dass das Christentum nicht darin besteht, dem Leib zu entfliehen, sondern seine Verherrlichung zu erwarten.
Wir wurden nicht für die Vergänglichkeit geschaffen.
Wir wurden nicht für die Sünde geschaffen.
Wir wurden nicht für den Tod geschaffen.
Wir wurden für Gott geschaffen.
Und die in den Himmel aufgenommene Jungfrau zeigt uns im Voraus, wohin die Gnade führt, wenn sie empfangen und mit Treue beantwortet wird.
5. Königin des Himmels, weil sie die Mutter des Königs ist
Das Königtum Mariens ist keine leere Metapher.
Christus ist König.
Und Maria ist seine Mutter.
In der biblischen Tradition Israels gab es eine besonders bedeutende Institution: die Gebirah, die Mutter des Königs, die am Hof des Monarchen eine besondere Ehrenstellung einnahm.
Die christliche Tradition hat in dieser Wirklichkeit ein Bild für die einzigartige Würde Mariens gesehen.
Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied: Maria herrscht nicht unabhängig von Christus.
Sie ist Königin, weil Christus König ist.
Ihre Autorität ist empfangen.
Ihre Fürsprache ist eine teilhabende Fürsprache.
Ihre geistliche Mutterschaft entspringt ihrer Vereinigung mit Christus.
Ihre Herrlichkeit spiegelt die Herrlichkeit ihres Sohnes wider.
Dies bewahrt die echte Marienverehrung vor zwei entgegengesetzten Irrtümern.
Der erste besteht darin, Maria so weit herabzusetzen, dass sie praktisch bedeutungslos wird.
Der zweite besteht darin, sie auf die Ebene Gottes zu stellen.
Der katholische Glaube vermeidet beide Extreme.
Maria ist nicht Gott.
Aber sie ist auch nicht irgendein Geschöpf.
Sie ist die Mutter Gottes gemäß der Menschheit Christi, die Unbefleckte, die Immerwährende Jungfrau, die neue Eva und die geistliche Mutter der Glieder Christi.
6. Maria und der geistliche Kampf
Das christliche Leben ist ein Kampf.
Der heilige Paulus stellt die christliche Existenz nicht als eine Art ruhigen Spaziergang zum Himmel dar.
Er schreibt:
„Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister in den himmlischen Bereichen.“ (Eph 6,12)
Dies ist außerordentlich aktuell.
Der geistliche Kampf unserer Zeit findet nicht nur unter außergewöhnlichen Umständen statt.
Er findet im Gewissen statt.
In den Familien.
In den Ehen.
In der Erziehung der Kinder.
In der Reinheit.
In der ehelichen Treue.
Im Umgang mit dem Internet.
In den sozialen Netzwerken.
In unserer Fähigkeit, in der Stille zu verweilen.
In der Beharrlichkeit im Gebet.
Im Kampf gegen Hochmut, Zorn, Unreinheit, Neid und Verzweiflung.
Und genau hier erscheint Maria als Vorbild und Hilfe.
Sie lehrt uns, auf eine Weise zu kämpfen, die sich radikal von der Logik der Welt unterscheidet.
Sie siegt nicht durch Schreien.
Sie siegt nicht durch Propaganda.
Sie siegt nicht durch Gewalt.
Sie siegt, indem sie treu bleibt.
7. Was lehren uns die Heiligen über Maria?
Die Spiritualität der Heiligen hat immer wieder die mütterliche Rolle Mariens im christlichen Leben betont.
Der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort entwickelte besonders tiefgehend den Gedanken der geistlichen Vereinigung mit Maria als Weg zu einer immer tieferen Gleichgestaltung mit Christus. Für ihn ersetzt Maria Christus nicht: Sie führt uns zu Ihm auf sicherste Weise, gerade weil ihr ganzes Dasein auf ihren Sohn ausgerichtet ist.
Der heilige Bernhard von Clairvaux verbreitete seinerseits im Westen ein außergewöhnliches Vertrauen in die mütterliche Fürsprache Mariens und stellte sie als jene dar, an die sich der Christ mitten in den Stürmen des geistlichen Lebens wenden kann.
Der heilige Alfons Maria von Liguori widmete der Fürsprache Mariens und ihrer mütterlichen Barmherzigkeit gegenüber den Sündern umfangreiche Betrachtungen.
Bei all diesen Autoren finden wir ein gemeinsames Prinzip:
Maria steht nicht in Konkurrenz zu Christus; Maria führt zu Christus.
Und je authentischer die Marienverehrung ist, desto tiefer muss das christliche Leben sakramental, christozentrisch und kirchlich werden.
8. Der Rosenkranz: eine zutiefst christozentrische geistliche Waffe
Wenn wir über den geistlichen Kampf sprechen, ist es unmöglich, den Heiligen Rosenkranz nicht zu erwähnen.
Doch wir müssen vermeiden, ihn zu einem magischen Gegenstand zu machen.
Der Rosenkranz wirkt nicht wie ein Amulett.
Er ist keine automatische Formel.
Er ist kein geistlicher Mechanismus, durch den wir Gott dazu zwingen könnten, uns etwas zu gewähren.
Er ist Gebet.
Und ein zutiefst christozentrisches Gebet.
Während die Lippen die Gebete wiederholen, betrachten Geist und Herz gemeinsam mit Maria die Geheimnisse Christi.
Die Verkündigung.
Die Heimsuchung.
Die Geburt Christi.
Das Leiden Christi.
Die Auferstehung.
Die Himmelfahrt.
Die Herabkunft des Heiligen Geistes.
Die Aufnahme Mariens in den Himmel.
Die Krönung Mariens.
Deshalb ist der Rosenkranz für den geistlichen Kampf besonders geeignet: Er zwingt uns, immer wieder zum Evangelium zurückzukehren.
Der Teufel will Zerstreuung.
Der Rosenkranz fördert die Sammlung.
Der Teufel will, dass wir Gott vergessen.
Der Rosenkranz führt unseren Geist zu Christus zurück.
Der Teufel will Verzweiflung.
Der Rosenkranz erinnert uns daran, dass die Geschichte im Sieg endet.
9. Maria, die in den Himmel aufgenommen wurde, und das Familienleben
Eine der vielleicht wichtigsten pastoralen Anwendungen dieser Lehre findet sich im Zuhause.
Eine christliche Familie muss ein echtes geistliches Leben wiederentdecken.
Es reicht nicht aus, ein Bild der Jungfrau im Haus aufzustellen.
Wir müssen als Kinder Mariens leben.
Das bedeutet, einfache Übungen wiederzuentdecken:
- täglich zu beten, auch wenn es nur einige Minuten sind;
- möglichst gemeinsam in der Familie den Rosenkranz zu beten;
- die Mahlzeiten zu segnen;
- regelmäßig die Sakramente zu empfangen;
- den Kindern die traditionellen Gebete beizubringen;
- heilige Bilder im Haus aufzubewahren;
- die liturgischen Feste zu feiern;
- Stille und geistliche Lektüre zu fördern;
- den Kindern beizubringen, zwischen Unterhaltung und Bildung zu unterscheiden;
- täglich um den Schutz der seligen Jungfrau zu bitten.
Die Familie muss wieder zu einer kleinen Hauskirche werden.
Und Maria kann darin als Mutter einen besonderen Platz einnehmen.
10. Hilfe der Christen, nicht Ersatz für Christus
Hier müssen wir eine wesentliche theologische Klarstellung vornehmen.
Wenn wir Maria Hilfe der Christen nennen, sagen wir damit nicht, dass Christus unzureichend wäre.
Christus ist der einzige Erlöser.
Christus ist der einzige hauptsächliche Mittler zwischen Gott und den Menschen.
Alles, was Maria empfängt, kommt von Christus.
Doch gerade Christus wollte seine Mutter in einzigartiger Weise in das Werk des Heils einbeziehen und sie zur geistlichen Mutter seiner Jünger machen.
Die Fürsprache Mariens ist daher teilhabend und untergeordnet.
Ein Beispiel kann helfen.
Wenn ein Kind seine Mutter bittet, beim Vater Fürsprache einzulegen, hört der Vater nicht auf, Vater zu sein, und die Mutter wird dadurch nicht zu einer unabhängigen Autorität.
Es besteht eine familiäre Beziehung.
Auf unendlich höherer Weise erlaubt Christus seiner Mutter, mütterlich an der Austeilung der Gnaden teilzunehmen.
Wenn wir uns also an Maria wenden, wenden wir uns an jene, die genau weiß, wohin sie uns führen soll:
zu Jesus.
11. Die Frau, mit der Sonne bekleidet
Das zwölfte Kapitel der Offenbarung stellt uns ein außergewöhnliches Bild vor:
„Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.“ (Offb 12,1)
Die Auslegung dieses Bildes besitzt einen enormen Reichtum.
Die Frau steht für Zion, für das Volk Gottes, und findet in der katholischen Tradition auch eine einzigartige Anwendung auf Maria.
Doch unmittelbar erscheint der Drache.
Die Frau und der Drache.
Leben und Tod.
Gehorsam und Rebellion.
Christus und Satan.
Die Kirche und die Mächte des Bösen.
Dies ist ein außerordentlich aktuelles Bild.
Die heutige Welt kann manchmal von Kräften beherrscht erscheinen, die versuchen, Gott aus dem öffentlichen Leben, aus der Familie, aus der Kultur und aus dem menschlichen Gewissen zu verdrängen.
Doch der Christ darf das Ende der Geschichte nicht vergessen.
Der Drache hat nicht das letzte Wort.
Christus hat es.
Und Maria, die bereits mit Ihm verherrlicht ist, ist ein vorausweisendes Zeichen dieses Sieges.
12. Maria verspricht uns kein Leben ohne Kampf
Dies ist vielleicht eine der wichtigsten pastoralen Wahrheiten.
Sich an Maria zu wenden bedeutet nicht, dass unsere Probleme verschwinden werden.
Maria hat den Aposteln keine Existenz ohne Verfolgung versprochen.
Sie selbst ging durch das Leiden.
Sie kannte Unverständnis.
Sie kannte Armut.
Sie kannte das Exil.
Sie kannte das von Simeon angekündigte Schwert.
Und sie blieb unter dem Kreuz.
Ihre Mutterschaft ist daher keine sentimentale Mutterschaft, die uns vor jeder Schwierigkeit bewahren würde.
Sie ist viel tiefer.
Maria lehrt uns, mitten in der Schwierigkeit treu zu bleiben.
Sie beseitigt nicht immer den Kampf.
Aber sie hilft uns, ihn zu führen.
Sie nimmt nicht immer das Kreuz weg.
Aber sie lehrt uns, bei Christus unter dem Kreuz zu bleiben.
Sie beseitigt nicht immer die Versuchung.
Aber sie erinnert uns daran, wo der Sieg liegt.
13. Wie wir heute unter dem Mantel Mariens leben können
Die wahre Marienverehrung muss sich im Leben ausdrücken.
Es bringt wenig, „Heiligste Jungfrau, hilf mir“ zu wiederholen, während wir uns bewusst weiterhin an die Sünde klammern.
Maria um ihren Schutz zu bitten bedeutet auch, wie sie leben zu wollen.
Deshalb können wir ein kleines geistliches Programm aufstellen:
Erstens: das Gebet.
Den Tag mit Gott beginnen und beenden.
Zweitens: die Sakramente.
Häufige Beichte und eine innige Teilnahme an der Heiligen Messe.
Drittens: der Rosenkranz.
Nicht als Aberglaube, sondern als Betrachtung Christi mit Maria.
Viertens: die Reinheit.
Besonders notwendig in einer von Bildern und Reizen übersättigten Kultur.
Fünftens: die Demut.
Von Maria lernen zu sagen: „Mir geschehe nach deinem Wort.“
Sechstens: der Gehorsam.
Die wahre Verehrung kann nicht vom Gehorsam gegenüber Gott und der Lehre der Kirche getrennt werden.
Siebtens: die Nächstenliebe.
Maria besuchte Elisabet. Eine echte marianische Spiritualität führt uns zum Dienst.
14. Die Königin ist im Himmel, aber ihr Herz bleibt bei ihren Kindern
Einer der schönsten Aspekte der Aufnahme Mariens in den Himmel ist gerade dieses scheinbare Geheimnis.
Maria ist im Himmel.
Aber sie ist nicht abwesend.
Die Herrlichkeit hat sie nicht von uns entfernt.
Sie hat sie vielmehr befähigt, noch vollständiger an ihrer mütterlichen Sendung teilzunehmen.
Benedikt XVI. brachte diesen Gedanken mit besonderer Klarheit zum Ausdruck, als er erklärte, dass Maria sich nach ihrer Aufnahme in den Himmel nicht von den Menschen entfernt habe, sondern ihnen näher geworden sei und dass sie vom Himmel aus weiterhin unsere Mutter und Schwester in den konkreten Umständen des Lebens sei.
Dies verändert unser Verständnis der Marienverehrung grundlegend.
Wenn wir das Salve Regina beten und sagen:
„Zu dir rufen wir, verbannte Kinder Evas“,
wenden wir uns nicht an eine verschwundene historische Gestalt.
Wir sprechen mit einer lebendigen Mutter.
Wenn wir sagen:
„O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria“,
erkennen wir ihre mütterliche Fürsprache an.
Und wenn wir sagen:
„Zeige uns Jesus“,
bringen wir den wahren Mittelpunkt jeder Marienverehrung zum Ausdruck.
15. Eine Königin für Zeiten des geistlichen Kampfes
Wir leben in Zeiten der Verwirrung.
Viele Männer und Frauen haben den Sinn für die Sünde verloren.
Andere haben sogar das Bewusstsein für Gott verloren.
Die Familie leidet unter tiefen Verwundungen.
Die Reinheit wird lächerlich gemacht.
Die Wahrheit wird relativiert.
Der Glaube wird als private Option dargestellt, die keine Auswirkungen auf das öffentliche Leben haben dürfe.
Und mitten in all dem kann der Christ Angst empfinden.
Doch Maria, die in den Himmel aufgenommen wurde, erinnert uns an etwas Grundlegendes:
Die Geschichte gehört nicht dem Teufel.
Sie gehört Christus.
Die Kirche geht nicht auf eine Niederlage zu.
Sie geht dem endgültigen Sieg Christi entgegen.
Und Maria, die bereits mit Leib und Seele verherrlicht ist, ist ein vorausweisendes Zeichen dieses Sieges.
Deshalb kann die Kirche auf die Jungfrau schauen und sagen:
Regina Caeli, ora pro nobis.
Königin des Himmels, bitte für uns.
Nicht weil Maria unsere Erlöserin wäre.
Sondern weil sie die Mutter des Erlösers ist.
Nicht weil sie Christus ersetzt.
Sondern weil sie uns zu Ihm führt.
Nicht weil sie eine autonome Macht besitzt.
Sondern weil Gott sie verherrlichen und sie mütterlich am Leben der Kirche teilhaben lassen wollte.
Schluss: Unter dem Banner der Königin
Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist keine nebensächliche oder bloß schmückende Lehre.
Sie ist eine zutiefst hoffnungsvolle Wahrheit.
Sie sagt uns, dass die Gnade die Sünde besiegt.
Dass das Leben den Tod besiegt.
Dass die Demut den Hochmut besiegt.
Dass der Gehorsam die Rebellion besiegt.
Dass die Reinheit mitten in einer unreinen Kultur bewahrt werden kann.
Dass Treue einen Sinn hat.
Dass der menschliche Leib für die Herrlichkeit bestimmt ist.
Und vor allem, dass Christus gesiegt hat.
Maria schaut bereits mit ihrem verherrlichten Leib auf das, was wir am Ende unserer irdischen Pilgerschaft zu erlangen hoffen.
Deshalb betrachtet die Kirche die in den Himmel aufgenommene Jungfrau als Königin.
Und deshalb kann sie sie als Hilfe anrufen.
Wenn die Versuchung kommt, wenden wir uns an Maria.
Wenn die Entmutigung aufkommt, wenden wir uns an Maria.
Wenn unsere Familie Schwierigkeiten durchlebt, wenden wir uns an Maria.
Wenn die Welt dunkler zu werden scheint, wenden wir uns an Maria.
Doch tun wir dies immer mit einer Gewissheit: Maria will nicht, dass wir bei ihr stehen bleiben. Sie will uns zu ihrem Sohn führen.
Ihr letztes Wort im Evangelium bleibt ein vollkommenes Programm für das ganze christliche Leben:
„Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5)
Das ist das Geheimnis ihres Sieges.
Das ist das Geheimnis ihrer Königswürde.
Das ist das Geheimnis ihrer Mutterschaft.
Und das ist auch der Weg zu unserem eigenen geistlichen Sieg.
Königin des Himmels, bitte für uns.
Hilfe der Christen, bitte für uns.
Zuflucht der Sünder, bitte für uns.
Glorreiche Königin, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen, lehre uns, den guten Kampf zu kämpfen, in der Gnade auszuharren und Christus bis zum letzten Tag treu zu bleiben. Amen.