Wir leben in einer Zeit, die von der Möglichkeit fasziniert ist, den Menschen zu verändern. Die Medizin kann Organe ersetzen, Erbkrankheiten korrigieren, elektronische Geräte in den menschlichen Körper implantieren, das Leben erheblich verlängern und bestimmte biologische Funktionen verändern. Künstliche Intelligenz beginnt, in Tätigkeiten integriert zu werden, die bis vor Kurzem ausschließlich dem Menschen vorbehalten zu sein schienen. Die Gentechnik ermöglicht Eingriffe in die DNA. Neurotechnologien versuchen, das Gehirn mit Maschinen zu verbinden. Die Robotik entwickelt immer ausgefeiltere Prothesen. Und einige Forscher, Philosophen und Unternehmer sprechen bereits davon, die biologischen Grenzen unserer Spezies zu überschreiten.
In diesem Zusammenhang ist eine Denkrichtung entstanden, die als Transhumanismus bezeichnet wird.
Allgemein gesprochen vertritt der Transhumanismus die Auffassung, dass der Mensch seine gegenwärtigen biologischen Grenzen nicht unbedingt passiv hinnehmen müsse. Alterung, Krankheit, bestimmte Behinderungen, der körperliche Verfall und sogar – in einigen seiner radikalsten Formen – der Tod werden als Probleme betrachtet, die möglicherweise durch Wissenschaft und Technologie gelöst werden könnten.
Auf den ersten Blick können einige dieser Bestrebungen zutiefst menschlich erscheinen. Wer könnte etwas gegen die Heilung einer Krankheit haben? Wer würde freiwillig eine Behinderung behalten wollen, die behandelt werden kann? Wer wäre nicht dankbar für eine Medizin, die Schmerzen lindern kann?
Die katholische Kirche ist nicht gegen Wissenschaft, Medizin oder technologischen Fortschritt. Im Gegenteil: Die christliche Tradition hat stets den Wert der menschlichen Vernunft und ihre Fähigkeit anerkannt, die Welt zu erkennen, zu ordnen und zu gestalten.
Das Problem entsteht dort, wo Technologie nicht mehr als ein Instrument im Dienst der Person betrachtet wird, sondern zu einer Philosophie darüber wird, was der Mensch ist und was er werden sollte.
Dann ist die Frage nicht mehr nur eine wissenschaftliche.
Sie wird zu einer anthropologischen Frage.
Und letztlich zu einer theologischen Frage.
Denn hinter der Frage: „Was können wir aus dem Menschen machen?“ verbirgt sich eine andere, viel tiefere Frage:
„Wer ist der Mensch?“
Und hinter dieser Frage erscheint eine noch grundlegendere:
„Wer besitzt die Autorität zu entscheiden, was der Mensch sein soll?“
Die christliche Antwort beginnt genau hier: Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen.
Er ist ein Geschöpf.
Und Geschöpf zu sein bedeutet nicht, minderwertig, verachtenswert oder unfähig zu sein. Es bedeutet, dass unsere Existenz ein von Gott empfangenes Geschenk ist, dass unsere Natur eine objektive Ordnung besitzt und dass unsere Vollkommenheit nicht darin besteht, uns in unsere eigenen Götter zu verwandeln.
1. Das große Problem des Transhumanismus: Nicht jede Grenze ist eine Ungerechtigkeit
Eine der grundlegenden Intuitionen des Transhumanismus besteht darin, viele menschliche Grenzen als Mängel zu interpretieren, die beseitigt werden müssten.
Bestimmte Einschränkungen sind tatsächlich Folgen der Sünde, der Krankheit oder der gegenwärtigen Unordnung in einer gefallenen Welt. Sie zu bekämpfen ist ein zutiefst menschliches Werk und mit dem christlichen Glauben vereinbar.
Aber hier erscheint eine entscheidende Unterscheidung.
Nicht jede menschliche Begrenzung ist notwendigerweise ein Mangel, den man beseitigen muss.
Der Mensch ist begrenzt, weil er ein Geschöpf ist.
Wir sind nicht allwissend.
Wir sind nicht allmächtig.
Wir sind von Natur aus nicht unsterblich.
Wir können nicht gleichzeitig überall sein.
Wir können unseren Körper nicht vollständig kontrollieren.
Wir können nicht alle Krankheiten verhindern.
Wir können die Alterung nicht auf unbestimmte Zeit verhindern.
Wir können dem Tod nicht aus eigener Kraft entkommen.
Diese Eigenschaften sind nicht notwendigerweise Zufälligkeiten, die die Technologie beseitigen sollte.
Einige gehören gerade zu unserer geschöpflichen Existenz.
Das Christentum beginnt mit der Anerkennung einer Wahrheit, die die moderne Mentalität nur schwer akzeptieren kann:
Der Mensch ist nicht Gott.
Das Buch Genesis stellt diese Wahrheit bereits auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift vor. Gott erschafft den Menschen nicht als ein autonomes und selbstgenügsames Wesen, sondern als ein Geschöpf, das von seinem Schöpfer abhängig ist.
„Gott sprach: Lasst uns den Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich“ (Gen 1,26).
Der Mensch besitzt eine außerordentliche Würde, weil er nach dem Bild Gottes geschaffen wurde.
Aber gerade deshalb kommt seine Würde nicht daher, dass er sich selbst erschaffen hätte.
Wir sind würdig, weil Gott es so gewollt hat.
Hier zeigt sich ein grundlegender Unterschied zwischen der christlichen Anthropologie und bestimmten Formen des Transhumanismus.
Für das Christentum geht die Würde unserer technischen Leistungsfähigkeit voraus.
Für einige transhumanistische Strömungen besteht hingegen die Gefahr, dass Würde letztlich an die Fähigkeit gebunden wird, unsere Fähigkeiten zu verändern, zu verbessern oder zu erweitern.
Dann entsteht eine beunruhigende Frage:
Was geschieht mit dem Menschen, der sich nicht verbessern kann?
Wenn die Gesellschaft beginnt, Menschen nach ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit, ihrer biologischen Leistungsfähigkeit, ihrer Lebensdauer, ihrer Produktivität oder ihrem Grad technologischer Optimierung zu bewerten, könnte der verletzliche Mensch schließlich als minderwertiges Wesen betrachtet werden.
Der alte Mensch.
Der kranke Mensch.
Der Mensch mit Behinderung.
Der Embryo.
Der Arme.
Der Mensch, der sich bestimmte Technologien nicht leisten kann.
Der Mensch, der einfach so bleiben möchte, wie er ist.
Die christliche Logik funktioniert genau umgekehrt.
Der schwächste Mensch besitzt nicht weniger Würde.
Gerade weil seine Würde nicht von seiner Leistungsfähigkeit abhängt.
2. Vom Stolz Babels zum zeitgenössischen technologischen Traum
Die Versuchung, menschliche Grenzen durch Wissen und Macht zu überschreiten, begann nicht mit Computern, künstlicher Intelligenz oder Gentechnik.
Sie ist sehr viel älter.
Wir finden sie symbolisch in der Erzählung vom Turmbau zu Babel:
„Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis in den Himmel!“ (Gen 11,4).
Babel steht unter anderem für den menschlichen Anspruch, durch eigene Kräfte das zu erreichen, was Gott gehört.
Das Problem ist nicht das Bauen.
Das Problem ist nicht die Nutzung der Vernunft.
Das Problem ist nicht die Entwicklung von Technologie.
Das Problem besteht darin, technische Fähigkeit in eine Form geistiger Selbstgenügsamkeit zu verwandeln.
Der Mensch kann einen Turm bauen.
Aber er kann sich nicht selbst bauen, um Gott zu werden.
Diese Unterscheidung ist wesentlich.
Die Bibel stellt die menschliche Arbeit nicht als etwas Böses dar. Bereits in Genesis erhält der Mensch den Auftrag, die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. Die menschliche Vernunft nimmt in begrenzter Weise tatsächlich an der ordnenden Vorsehung der Welt teil.
Technologie kann gut sein.
Medizin kann gut sein.
Chirurgie kann gut sein.
Genetische Forschung kann gut sein.
Künstliche Intelligenz kann nützliche Anwendungen haben.
Die moralische Frage besteht niemals einfach darin zu fragen:
„Können wir es tun?“
Die richtige Frage lautet:
„Sollen wir es tun?“
Und noch tiefer:
„Respektiert es das, was der Mensch ist?“
Denn die technische Möglichkeit schafft nicht automatisch ein moralisches Recht.
Dass etwas verwirklicht werden kann, bedeutet nicht, dass es notwendigerweise verwirklicht werden sollte.
3. Technologie ist ein Werkzeug; sie darf nicht zum Herrn werden
Die christliche Tradition betrachtet die Schöpfung als etwas, das dem Menschen anvertraut wurde.
Der Mensch erhält die Vernunft, um zu erkennen.
Er erhält den Willen, um zu wählen.
Er erhält Hände, um zu arbeiten.
Er erhält Kreativität, um zu bauen.
Aber keine dieser Fähigkeiten macht den Menschen zum absoluten Eigentümer der Wirklichkeit.
Der Mensch ist Verwalter.
Er ist nicht der absolute Herrscher.
Diese Unterscheidung hat weitreichende Konsequenzen.
Ein Arzt, der eine Prothese verwendet, um einem Menschen seine Beweglichkeit zurückzugeben, nutzt Technologie, um eine körperliche Funktion wiederherzustellen.
Ein Chirurg, der eine Herzklappe ersetzt, behandelt eine Krankheit.
Eine Gentherapie, die eine krankhafte Störung korrigiert, kann einen außergewöhnlichen Ausdruck der Medizin darstellen.
Doch es ist etwas völlig anderes zu sagen:
„Da wir technisch in den menschlichen Organismus eingreifen können, dürfen wir die menschliche Natur nach unseren Wünschen frei neu entwerfen.“
Hier geschieht ein philosophischer Sprung, den die christliche Anthropologie nicht akzeptieren kann.
Heilen ist nicht dasselbe wie neu entwerfen.
Wiederherstellen ist nicht dasselbe wie herstellen.
Unterstützen ist nicht dasselbe wie beherrschen.
Eine kranke Funktion zu verbessern ist nicht notwendigerweise dasselbe wie eine neue menschliche Natur zu erschaffen.
Die Medizin versucht traditionell, Kranke zu heilen.
Der Transhumanismus kann in seinen radikalsten Formen letztlich danach streben, eine andere Art von Mensch zu erschaffen.
Und diese Unterscheidung ist grundlegend.
4. Was bedeutet es, dass der Mensch eine Natur besitzt?
Die christliche Anthropologie bekräftigt, dass der Mensch eine Natur besitzt.
Diese Aussage kann in einer Zeit seltsam erscheinen, in der wir ständig von Identität, Autonomie und Selbsterschaffung hören.
Aber sie bildet eine der Grundlagen der christlichen Moral.
Der Mensch ist keine vollkommen neutrale Materie, auf die jeder Einzelne jedes beliebige Projekt schreiben könnte.
Wir sind kein fertiges Produkt, das wir selbst hergestellt hätten.
Wir sind eine Einheit von Leib und Seele.
Die christliche philosophische und theologische Tradition, insbesondere durch den heiligen Thomas von Aquin, lehrt, dass die geistige Seele die Form des menschlichen Leibes ist.
Daher ist der Körper nicht einfach ein zufälliges Gefäß des „Ich“.
Der Körper gehört zu dem, was wir sind.
Das gewinnt angesichts bestimmter zeitgenössischer Vorstellungen, die dazu neigen, die persönliche Identität radikal vom Körper zu trennen, außerordentliche Bedeutung.
Die christliche Sicht verachtet den Körper nicht.
Ganz im Gegenteil.
Der Körper gehört zur Person.
Und gerade deshalb verdient er Respekt.
Aber den Körper zu respektieren bedeutet nicht, ihn zu einem Gegenstand zu machen, den man ohne Grenzen manipulieren kann.
Der menschliche Körper besitzt eine Struktur und eine Zielbestimmung.
Er besitzt eine Ordnung.
Und die christliche Moral erkennt an, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Achtung dieser Ordnung und dem willkürlichen Versuch, sie abzuschaffen.
5. Die Erbsünde: Die Verwundung, die der Transhumanismus nicht heilen kann
Hier gelangen wir zum theologischen Kern der Frage.
Warum hält die christliche Anthropologie jedes Projekt für unzureichend, das versucht, den Menschen ausschließlich durch Technologie zu retten?
Weil das Hauptproblem des Menschen kein technologisches ist.
Es ist geistlicher Natur.
Die Menschheit braucht nicht nur bessere Maschinen.
Sie braucht Erlösung.
Das Buch Genesis stellt den Sündenfall gerade unter das Zeichen des Versuchs, sich von Gott zu emanzipieren:
„Ihr werdet sein wie Gott“ (Gen 3,5).
Dieser Satz ist einer der Schlüssel zum Verständnis der Menschheitsgeschichte.
Die Erbsünde besteht nicht einfach darin, eine verbotene Frucht zu essen.
Sie ist eine Rebellion gegen die von Gott gesetzte Ordnung.
Der Mensch will selbst über Gut und Böse bestimmen.
Er will aufhören, seine Existenz als Geschenk zu empfangen.
Er will zum letzten Maßstab der Wirklichkeit werden.
Mit anderen Worten:
Er will unabhängig von Gott sein.
Diese Versuchung besteht fort.
Und sie kann religiöse, politische, philosophische oder technologische Formen annehmen.
Der radikale Transhumanismus kann zu einer modernen Erscheinungsform einer alten Versuchung werden: der Suche nach einer vom Menschen selbst geschaffenen Erlösung.
Früher suchte man die Unsterblichkeit durch Mythen.
Dann durch Philosophien.
Heute kann man sie durch Biotechnologie, künstliche Intelligenz, Kryonik, genetische Manipulation oder die Verbindung von Gehirn und Maschine suchen.
Die Sprache verändert sich.
Die Versuchung bleibt.
6. Die Erbsünde bedeutet nicht, dass der Mensch von Natur aus böse ist
Hier ist eine wichtige Präzisierung notwendig.
Die Lehre von der Erbsünde lehrt nicht, dass der Mensch grundsätzlich ein böses Geschöpf ist.
Die Kirche lehrt genau das Gegenteil.
Gott hat den Menschen gut erschaffen.
„Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31).
Die Erbsünde hat eine tiefe Verwundung in die menschliche Natur eingeführt.
Sie hat die Natur nicht vollständig zerstört.
Aber sie hat sie verwundet zurückgelassen.
Die Vernunft ist verdunkelt.
Der Wille ist geschwächt.
Die Leidenschaften sind ungeordnet.
Die Neigung zur Sünde bleibt bestehen.
Der Tod ist in die menschliche Existenz eingetreten.
Deshalb erfährt der Mensch in sich selbst einen Widerspruch, den keine Technologie vollständig lösen kann.
Der heilige Paulus bringt diese Erfahrung mit außergewöhnlicher Kraft zum Ausdruck:
„Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will“ (Röm 7,19).
Wir können außergewöhnliche Technologien entwickeln und dennoch fähig zum Hass bleiben.
Wir können das Leben verlängern und dennoch egoistisch bleiben.
Wir können unser Gedächtnis erweitern und dennoch stolz bleiben.
Wir können unsere kognitiven Fähigkeiten steigern und dennoch unfähig sein, richtig zu lieben.
Wir können immer intelligentere Maschinen bauen und dennoch unfähig sein, das menschliche Herz heiliger zu machen.
Hier erscheint eine entscheidende Wahrheit:
Technischer Fortschritt ist nicht automatisch gleichbedeutend mit moralischem Fortschritt.
7. Der Mensch kann vieles verändern, ohne sein Herz zu verändern
Die moderne Geschichte zeigt dieses Paradox.
Die Menschheit hat außergewöhnliche wissenschaftliche Fortschritte erzielt.
Aber wissenschaftliche Erkenntnisse haben den Krieg nicht beseitigt.
Technologie hat Ungerechtigkeit nicht beseitigt.
Sofortige Kommunikation hat Einsamkeit nicht beseitigt.
Soziale Netzwerke haben Isolation nicht beseitigt.
Fortgeschrittene Medizin hat die Angst vor dem Tod nicht beseitigt.
Materieller Wohlstand hat die Angst nicht beseitigt.
Bildung hat das Böse nicht beseitigt.
Das zeigt, dass das menschliche Problem nicht auf eine Frage der Fähigkeiten reduziert werden kann.
Der Mensch muss nicht nur mehr leisten können.
Er muss lernen, besser zu lieben.
Und das verändert die gesamte Perspektive.
Ein Mensch kann über ein außergewöhnliches Gedächtnis verfügen und es zum Betrügen einsetzen.
Er kann über eine außergewöhnliche Intelligenz verfügen und sie zur Manipulation einsetzen.
Er kann über eine gesteigerte körperliche Kraft verfügen und sie zur Beherrschung anderer einsetzen.
Er kann über außergewöhnliche technologische Werkzeuge verfügen und sie zur Zerstörung einsetzen.
Die christliche Frage lautet daher nicht:
„Wie machen wir den Menschen mächtiger?“
Sondern:
„Wie machen wir den Menschen besser?“
Und die christliche Antwort ist keine Technologie.
Es ist die Gnade.
8. Die wahre christliche Verwandlung
Das ist besonders interessant, weil auch das Christentum von einer radikalen Verwandlung des Menschen spricht.
Aber es handelt sich nicht um die transhumanistische Verwandlung.
Der heilige Paulus schreibt:
„Lasst euch durch die Erneuerung des Denkens verwandeln“ (Röm 12,2).
Die christliche Verwandlung beginnt im Inneren.
Sie besteht nicht darin, den menschlichen Körper durch eine Maschine zu ersetzen.
Sie besteht darin, der Gnade zu erlauben, den Menschen zu heilen und zu erhöhen.
Sie versucht nicht, einen „Übermenschen“ herzustellen.
Sie sucht, den Sünder in einen Heiligen zu verwandeln.
Der Unterschied ist gewaltig.
Der Transhumanismus versucht, die menschliche Bedingtheit durch technische Macht zu überschreiten.
Das Christentum versucht, dem Menschen durch Gottes Gnade zu ermöglichen, seine wahre Fülle zu erreichen.
Der Transhumanismus kann davon träumen, den Tod durch Biologie zu überwinden.
Das Christentum verkündet die Auferstehung des Fleisches.
Der Transhumanismus kann nach einer technologisch erweiterten Menschheit suchen.
Das Christentum verkündet eine erlöste und verherrlichte Menschheit.
Und hier begegnen wir einem der schönsten Punkte des christlichen Glaubens.
Gottes Antwort auf das Problem des Menschen besteht nicht darin, die menschliche Natur zu zerstören, sondern sie anzunehmen, zu heilen und zu erheben.
9. Die Menschwerdung zerstört den falschen Gegensatz zwischen Leib und Geist
Das Zentrum des Christentums ist die Menschwerdung.
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14).
Diese Aussage besitzt enorme anthropologische Konsequenzen.
Gott rettet den Menschen nicht, indem Er seinen Körper verachtet.
Der Sohn Gottes hat eine wahre menschliche Natur angenommen.
Er wurde geboren.
Er wuchs auf.
Er arbeitete.
Er empfand Hunger.
Er empfand Durst.
Er wurde müde.
Er weinte.
Er litt.
Er starb.
Und Er ist leiblich auferstanden.
Die Materie ist nicht böse.
Der Körper ist kein Gefängnis, aus dem wir entkommen müssten.
Die Schöpfung ist kein Fehler, den wir durch eine überlegene Technologie korrigieren müssten.
Die Schöpfung ist gut, weil sie von Gott kommt.
Aber sie ist durch die Sünde verwundet und erwartet ihre endgültige Wiederherstellung.
Daher besteht die christliche Hoffnung nicht darin, den Körper aufzugeben.
Sie besteht in der Auferstehung des Fleisches.
Das Glaubensbekenntnis sagt nicht einfach: „Ich glaube an die Unsterblichkeit der Seele.“
Der katholische Glaube bekennt:
„Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches.“
Diese Wahrheit ist zutiefst gegenkulturell.
Das Christentum verspricht nicht, uns in digitale Wesen zu verwandeln.
Es verspricht keine in Laboratorien hergestellte Ewigkeit.
Es verspricht etwas unendlich Größeres:
dass Gott selbst den Menschen auferwecken wird.
10. Der Unterschied zwischen technologischer Unsterblichkeit und ewigem Leben
Dieser Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit.
Nehmen wir hypothetisch an, die Wissenschaft könnte das menschliche Leben auf Hunderte von Jahren verlängern.
Das wäre außergewöhnlich.
Aber es würde das grundlegende Problem nicht lösen.
Denn ein unendlich verlängertes Leben wäre noch immer nicht das christliche ewige Leben.
Das ewige Leben besteht nicht einfach darin, mehr Zeit zu haben.
Es besteht darin, am Leben Gottes teilzuhaben.
Jesus Christus sagt:
„Das ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus“ (Joh 17,3).
Die christliche Ewigkeit ist nicht einfach eine unendliche Dauer.
Sie ist Gemeinschaft mit Gott.
Daher kann keine Technologie sie hervorbringen.
Wir können Gewebe verändern.
Wir können Organe ersetzen.
Wir können Gene verändern.
Wir können bestimmte Fähigkeiten verbessern.
Aber wir können die heiligmachende Gnade nicht herstellen.
Wir können die Gotteskindschaft nicht herstellen.
Wir können die selige Gottesschau nicht herstellen.
Wir können den Himmel nicht herstellen.
Das Heil ist kein technologisches Produkt.
Es ist ein Geschenk Gottes.
11. Technologie kann zu einer neuen Form des Götzendienstes werden
Götzendienst besteht nicht nur darin, sich vor einer Statue niederzuwerfen.
Er kann auch darin bestehen, einem Geschöpf das zuzuschreiben, was allein Gott gehört.
Technologie ist eine menschliche Schöpfung.
Sie ist Frucht der Vernunft, die Gott dem Menschen gegeben hat.
Wenn Technologie jedoch absolutes Vertrauen erhält, kann sie zu einem Götzen werden.
Das geschieht, wenn wir von ihr das erwarten, was allein Gott geben kann.
Wenn wir von ihr erwarten, jede Krankheit zu beseitigen.
Jedes Leiden zu beseitigen.
Den Tod zu beseitigen.
Gut und Böse zu bestimmen.
Die Einsamkeit zu lösen.
Dem Leben Sinn zu geben.
Zu entscheiden, wer leben darf.
Zu bestimmen, was es bedeutet, Mensch zu sein.
Dann hört Technologie auf, ein Werkzeug zu sein.
Sie wird zu einer Art säkularem Erlöser.
Und die Menschheitsgeschichte kennt genügend Gefahren falscher Erlöser.
12. Das Paradox, den Tod überwinden zu wollen, ohne das Leben als Geschenk anzunehmen
Es gibt auch einen tiefen geistlichen Widerspruch.
Der moderne Mensch kann den Tod als absolute Absurdität betrachten und gleichzeitig versuchen, ihn durch Technologie zu beseitigen.
Der christliche Glaube lehrt jedoch, dass der Tod tatsächlich ein Feind ist, auch wenn er nicht das letzte Wort besitzt.
Der heilige Paulus sagt:
„Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod“ (1 Kor 15,26).
Das Christentum verherrlicht den Tod nicht.
Christus selbst weinte am Grab des Lazarus.
Die Kirche begleitet die Kranken.
Sie betet für die Sterbenden.
Sie spendet die Krankensalbung.
Sie ermutigt zur Medizin.
Sie verteidigt das Leben.
Aber sie verspricht nicht, dass die Medizin unsere irdische Existenz in eine unbegrenzt verlängerte Existenz verwandeln kann.
Der Tod erinnert den Menschen daran, dass er nicht Gott ist.
Und gerade weil wir nicht Gott sind, brauchen wir Gott.
13. Alterung: Absoluter Feind oder Ruf zur Hoffnung?
Eine der Hoffnungen des Transhumanismus besteht darin, die Alterung zu besiegen.
Aus medizinischer Sicht ist es legitim und wünschenswert, altersbedingte Krankheiten zu bekämpfen.
Aber aus Sicht der christlichen Anthropologie müssen wir zwischen der Behandlung von Krankheit und der grundsätzlichen Betrachtung der Sterblichkeit des Menschen als Fehler, den man durch Technologie beseitigen müsste, unterscheiden.
Das Alter besitzt auch eine geistliche Dimension.
Der ältere Mensch erinnert die Gesellschaft daran, dass der Mensch nicht aufgrund seiner Produktivität einen Wert besitzt.
Er erinnert uns daran, dass menschliches Leben nicht ausschließlich in wirtschaftlichen Begriffen gemessen werden kann.
Er erinnert uns daran, dass wir aufeinander angewiesen sind.
Und er erinnert uns an etwas, das unsere Kultur zu verbergen versucht:
Wir sind sterblich.
Dieses Bewusstsein kann zutiefst gesund sein.
Der Tod darf nicht zu einer Obsession werden, aber das Bewusstsein unserer Sterblichkeit kann uns helfen, unser Leben zu ordnen.
„Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz“ (Ps 90,12).
14. Technologie kann Leiden lindern, aber sie kann seinen Sinn nicht erklären
Ein weiterer grundlegender Unterschied betrifft das Leiden.
Die Medizin muss vermeidbares Leiden bekämpfen.
Das Christentum lehrt niemals, dass wir Schmerz um des Schmerzes willen suchen sollen.
Aber es behauptet auch nicht, dass jedes Leiden sinnlos sei.
Hier begegnen wir einem der großen Geheimnisse des Glaubens.
Christus hat nicht sofort jedes Leiden aus der Welt beseitigt.
Er ist in das Leiden eingetreten.
Er hat es angenommen.
Er hat es von innen her erlöst.
Das Kreuz ist die christliche Antwort auf das Leiden.
Das bedeutet nicht, dass wir medizinische Fortschritte ablehnen müssen.
Es bedeutet, dass die Person auch dann ihre Würde behält, wenn die Medizin nicht heilen kann.
Und diese Wahrheit ist grundlegend in einer Gesellschaft, die Gefahr läuft, Würde mit Gesundheit, Autonomie oder Leistungsfähigkeit gleichzusetzen.
Das Christentum verkündet etwas Radikales:
Der kranke Mensch bleibt vollkommen menschlich.
15. Was geschieht, wenn Perfektion zur Pflicht wird?
Der Transhumanismus wirft auch ein gesellschaftliches Problem auf.
Wenn bestimmte Technologien menschliche Fähigkeiten steigern können, könnte eine neue Form der Ungleichheit entstehen.
Stellen wir uns eine Gesellschaft vor, in der bestimmte genetische, kognitive oder neurologische Verbesserungen möglich werden.
Werden sie freiwillig sein?
Werden sie allen zugänglich sein?
Werden Eltern bestimmte Eingriffe bei ihren Kindern ablehnen können?
Könnte der Zeitpunkt kommen, an dem jemand als verantwortungslos gilt, weil er seine Kinder nicht technologisch „verbessert“ hat?
Diese Fragen gehören nicht ausschließlich zur Science-Fiction.
Die Logik der Effizienz könnte schließlich eine neue Form sozialen Drucks erzeugen.
Früher sagte man den Menschen:
„Ihr müsst reicher sein.“
Dann:
„Ihr müsst produktiver sein.“
Nun könnte eine neue Botschaft entstehen:
„Ihr müsst biologisch überlegen sein.“
Die Menschheit könnte dann eine neue Aristokratie hervorbringen: gegründet nicht nur auf Reichtum, sondern auch auf Zugang zu Technologien zur menschlichen Verbesserung.
Das Christentum muss uns immer daran erinnern, dass keine zusätzliche Fähigkeit zusätzliche Würde schafft.
Ein Kind mit Behinderung besitzt nicht weniger Wert als ein Athlet.
Ein älterer Mensch besitzt nicht weniger Wert als ein junger Mensch.
Ein kranker Mensch besitzt nicht weniger Wert als ein gesunder Mensch.
Ein Mensch mit geringeren intellektuellen Fähigkeiten besitzt nicht weniger Wert als ein Wissenschaftler.
Würde kann nicht gekauft werden.
Sie kann nicht programmiert werden.
Sie kann nicht implantiert werden.
Sie kann nicht heruntergeladen werden.
Sie kann nicht gesteigert werden.
Sie wird von Gott empfangen.
16. Die Gefahr einer Menschheit, die zwischen „Verbesserten“ und „Nicht-Verbesserten“ geteilt ist
Wenn sich die transhumanistische Logik radikalisieren sollte, könnte eine Unterscheidung zwischen „verbesserten“ und „natürlichen“ Menschen entstehen.
Das würde eine schwerwiegende moralische Frage aufwerfen.
Wären sie weiterhin gleich?
Hätten sie dieselben Rechte?
Würden diejenigen, die bestimmte Technologien ablehnen, als minderwertig betrachtet?
Würde technologische Leistungsfähigkeit zu einem Kriterium sozialer Auswahl werden?
Die Geschichte lehrt uns, dass die Folgen verheerend sein können, wenn eine Gesellschaft beginnt, Menschen nach ihrem Wert zu klassifizieren.
Die christliche Lehre bietet ein radikal anderes Kriterium:
Jeder Mensch besitzt eine unverletzliche Würde, weil er nach dem Bild Gottes geschaffen wurde.
Diese Würde nimmt nicht mit der Intelligenz zu.
Sie nimmt durch Krankheit nicht ab.
Sie verschwindet nicht mit dem Alter.
Sie hängt nicht von Autonomie ab.
Sie hängt nicht von Produktivität ab.
Sie hängt nicht vom technologischen Entwicklungsstand ab.
17. Der Körper als Konsumobjekt
Eine weitere Gefahr besteht darin, dass der Körper zum Konsumprodukt wird.
Heute ändere ich meine Kleidung.
Morgen ändere ich meinen Körper.
Heute verändere ich mein Aussehen.
Morgen verändere ich meine Fähigkeiten.
Die Logik des Marktes kann in die intimste Dimension der Person eindringen.
Der Körper hört auf, als Teil der eigenen Identität empfangen zu werden, und wird zu einer konfigurierbaren Plattform.
Die christliche Anthropologie lehrt jedoch, dass ich nicht einfach ein Benutzer bin, der einen Körper besitzt.
Ich bin eine leibliche Person.
Mein Körper gehört zu meinem Sein.
Das bedeutet nicht, dass jede körperliche Veränderung moralisch unzulässig wäre. Es gibt legitime medizinische Eingriffe und notwendige Behandlungen.
Es bedeutet, dass der Körper nicht als moralisch neutrale Materie betrachtet werden kann, die wir ohne Bezug zur Wahrheit über die Person beliebig manipulieren dürfen.
18. Freiheit bedeutet nicht, alles tun zu können
Hier erscheint ein weiterer zentraler Punkt.
Eines der am häufigsten verwendeten Wörter unserer Kultur ist „Freiheit“.
Aber christliche Freiheit bedeutet nicht:
„Ich kann alles tun, was ich will.“
Sie bedeutet:
„Ich bin fähig, das Gute zu wählen.“
Ein Mensch kann technisch außerordentlich frei und moralisch zutiefst unfrei sein.
Er kann unendliche Möglichkeiten besitzen und dennoch unfähig sein, seine Leidenschaften zu beherrschen.
Er kann Zugang zu unzähligen Technologien haben und dennoch nicht wissen, warum er lebt.
Er kann Maschinen kontrollieren und dennoch seinen Zorn nicht kontrollieren.
Er kann seinen Körper verändern und dennoch nicht wissen, wer er ist.
Wahre Freiheit verlangt Wahrheit.
Christus sagt:
„Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8,32).
Daher braucht die menschliche Freiheit eine Wahrheit über den Menschen.
Wenn wir nicht wissen, was der Mensch ist, können wir auch nicht wissen, was es bedeutet, ihn zu achten.
19. Der wahre Fortschritt: Die Person vervollkommnen, nicht ein Produkt herstellen
Die Kirche ist nicht dazu berufen, jeden Fortschritt abzulehnen.
Sie ist dazu berufen, ihn zu prüfen.
Der Christ kann sich aufrichtig über wissenschaftliche Fortschritte freuen, die Krankheiten heilen, Leiden lindern und Menschen helfen.
Aber er muss daran denken, dass es einen Unterschied gibt zwischen:
technischem Fortschritt
und
menschlichem Fortschritt.
Der erste erweitert unsere Fähigkeiten.
Der zweite verbessert die Art und Weise, wie wir sie einsetzen.
Wir können mehr Technologie und weniger Weisheit besitzen.
Mehr Informationen und weniger Wahrheit.
Mehr Kommunikation und weniger Gemeinschaft.
Mehr Eingriffsmöglichkeiten und weniger Umsicht.
Mehr Macht und weniger Tugend.
Daher lautet die wirklich christliche Frage nach dem wissenschaftlichen Fortschritt nicht:
„Sollen wir den Fortschritt stoppen?“
Sondern:
„Welche Art von Fortschritt wollen wir?“
20. Die Tugend der Klugheit angesichts der technologischen Faszination
Die katholische Tradition bietet ein außergewöhnliches Instrument zur Beurteilung dieser Fragen: die Klugheit.
Klugheit ist keine Angst.
Sie ist keine irrationale Ablehnung des Neuen.
Sie bedeutet nicht, in die Vergangenheit zurückzukehren.
Klugheit bedeutet, richtig darüber nachzudenken, wie ein wirkliches Gut erreicht werden kann.
Angesichts einer neuen Technologie sollte der Christ fragen:
Wozu dient sie?
Wem nützt sie?
Wem könnte sie schaden?
Achtet sie die Menschenwürde?
Achtet sie die körperliche Unversehrtheit?
Achtet sie das Leben?
Wird sie neue Formen der Ungleichheit schaffen?
Fördert sie die Tugend oder nährt sie die Eitelkeit?
Hilft sie dem Menschen, seine Berufung zu erfüllen, oder macht sie ihn zum Objekt?
Fördert sie Dienst oder Herrschaft?
Wird sie zur Heilung eingesetzt oder zur Befriedigung einer Kontrollbesessenheit?
Diese Fragen sind viel wichtiger als die Faszination, die eine neue Technologie hervorruft.
21. Der Christ muss keine Angst vor der Wissenschaft haben
Es ist wichtig, dies klar zu sagen.
Der katholische Glaube hat keinen Grund, die Wissenschaft zu fürchten.
Die Wissenschaft untersucht die Schöpfung.
Und die Schöpfung gehört Gott.
Auch die menschliche Vernunft ist ein Geschenk Gottes.
Daher kann wissenschaftliche Forschung eine Form des Dienstes am Nächsten sein.
Ein Arzt, der eine Krankheit erforscht, versucht, Leiden zu lindern.
Ein Forscher, der eine Therapie entwickelt, kann ein Werk der Barmherzigkeit vollbringen.
Ein Ingenieur, der eine Prothese entwickelt, kann einem Menschen seine Selbstständigkeit zurückgeben.
Ein Wissenschaftler, der eine genetische Krankheit untersucht, kann vielen Familien helfen.
All dies kann gut sein.
Das Problem entsteht, wenn Technologie Demut aufgibt und beginnt, sich als umfassende Philosophie des Lebens darzustellen.
Die Wissenschaft kann uns sagen, wie eine Wirklichkeit funktioniert.
Aber sie kann uns allein nicht sagen, was der letzte Sinn unserer Existenz ist.
Sie kann das Gehirn beschreiben.
Sie kann nicht beweisen, dass der Mensch nur ein Gehirn ist.
Sie kann die DNA beschreiben.
Sie kann die Person nicht auf eine genetische Sequenz reduzieren.
Sie kann neuronale Prozesse messen.
Sie kann Liebe, Freiheit, moralisches Bewusstsein und Würde nicht auf einfache quantifizierbare Objekte reduzieren, ohne einen wesentlichen Teil der menschlichen Wirklichkeit zu verlieren.
22. Das Geheimnis der menschlichen Seele
Die christliche Anthropologie bekräftigt, dass der Mensch eine geistige und unsterbliche Seele besitzt.
Das bedeutet, dass die Person nicht auf Materie reduziert werden kann.
Obwohl es außerordentlich wichtige Zusammenhänge zwischen Gehirnaktivität und Denken gibt, folgt daraus nicht, dass Denken einfach eine biologische Maschine ist.
Der Mensch besitzt Vernunft und Willen.
Er kann die Wahrheit erkennen.
Er kann lieben.
Er kann sich hingeben.
Er kann sich für einen anderen opfern.
Er kann eine moralische Verpflichtung erkennen, auch wenn niemand ihn beobachtet.
Er kann Gott suchen.
Diese Dimensionen verweisen auf eine Wirklichkeit, die aus einer rein mechanistischen Sicht nicht angemessen verstanden werden kann.
Der Mensch ist daher nicht einfach eine extrem komplexe Maschine.
Er ist eine Person.
23. Kann eine Maschine eine Seele haben?
Diese Frage wird immer häufiger auftauchen.
Künstliche Intelligenz kann Texte, Bilder, Töne und erstaunlich ausgefeilte Antworten erzeugen.
Aber intelligente Antworten hervorzubringen bedeutet nicht notwendigerweise, eine geistige Intelligenz zu besitzen.
Eine Maschine kann Informationen verarbeiten.
Der Mensch erkennt.
Eine Maschine kann Sprache nachahmen.
Der Mensch sucht die Wahrheit.
Eine Maschine kann eine angemessene moralische Antwort erzeugen.
Der Mensch erfährt moralische Verpflichtung.
Eine Maschine kann Ausdrucksformen von Zuneigung reproduzieren.
Der Mensch liebt tatsächlich.
Die Frage kann nicht einfach durch die Beobachtung äußerlichen Verhaltens gelöst werden.
Die christliche Anthropologie betrachtet die menschliche Person als Träger einer geistigen Dimension, die nicht auf Informationsverarbeitung reduziert werden kann.
Daher wäre es theologisch falsch zu denken, dass wir durch das Hochladen ausreichender Informationen in eine Maschine unsere Seele übertragen könnten.
Die menschliche Seele ist keine Datei.
Die Person ist keine Software.
Die Auferstehung ist kein Backup.
24. Der Traum, das Bewusstsein „hochzuladen“
Einige Formen des Transhumanismus stellen sich vor, dass es in Zukunft möglich sein könnte, die Struktur des Gehirns eines Menschen zu kopieren und auf einen anderen Träger zu übertragen.
Selbst wenn eine solche Technologie eines Tages bestimmte neuronale Muster mit außergewöhnlicher Genauigkeit reproduzieren könnte, bliebe eine grundlegende Frage bestehen:
Wäre diese Kopie tatsächlich dieselbe Person?
Aus Sicht der christlichen Anthropologie identifiziert sich die Person nicht einfach mit einer Sammlung von Daten.
Die persönliche Identität besitzt eine leibliche und geistige Einheit.
Die Seele kann nicht wie eine Datei übertragen werden.
Das menschliche Leben ist kein Computerprogramm.
Daher bietet das Christentum eine Hoffnung, die unendlich tiefer ist als „digitale Unsterblichkeit“.
Gott kennt jede Person.
Gott muss sie nicht kopieren.
Gott kann sie auferwecken.
25. Das Geheimnis der Auferstehung: Die wahre christliche Antwort auf den Transhumanismus
Die Lehre von der Auferstehung des Fleisches ist vielleicht die tiefste Antwort der Kirche auf den Traum, den Tod technologisch zu besiegen.
Der heilige Paulus verkündet:
„Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein geistlicher Leib“ (1 Kor 15,44).
Die christliche Hoffnung besteht nicht darin, der Leiblichkeit zu entkommen.
Sie besteht darin, dass Gott den menschlichen Leib zu einer Fülle führt, die jede technologische Möglichkeit unendlich übersteigt.
Der verherrlichte Leib wird keine Maschine sein.
Er wird keine künstlich verbesserte Version sein.
Er wird der durch Gottes Macht verwandelte menschliche Leib sein.
Hier liegt der Unterschied zwischen technologischem Selbsterlösungsprojekt und christlicher Erlösung.
Das erste sagt:
„Wir werden es schaffen, uns selbst zu übertreffen.“
Das zweite verkündet:
„Gott wird uns retten.“
Das erste entsteht aus Selbstgenügsamkeit.
Das zweite aus der Gnade.
26. Die geistliche Gefahr des technologischen Stolzes
Technologie kann eine besonders subtile Form des Stolzes fördern.
Der moderne Mensch kann zu dem Gedanken gelangen:
„Wenn ich es tun kann, muss ich keine Grenzen akzeptieren.“
Aber eine Grenze ist nicht immer der Feind der Freiheit.
Manchmal offenbart die Grenze unsere geschöpfliche Existenz.
Ein Kind muss empfangen.
Ein kranker Mensch braucht Hilfe.
Ein älterer Mensch braucht Fürsorge.
Der Mensch braucht Ruhe.
Wir alle brauchen Vergebung.
Wir alle müssen lieben und geliebt werden.
Wir alle brauchen Gott.
Die Kultur der Selbstgenügsamkeit betrachtet diese Abhängigkeiten als Mängel.
Die christliche Anthropologie kann sie auch als Möglichkeiten der Gemeinschaft verstehen.
Der Mensch wurde nicht geschaffen, um selbstgenügsam zu sein.
Er wurde für Gott und für die anderen geschaffen.
27. Die Gnade zerstört die Natur nicht: Sie vollendet sie
Eine der großen Aussagen der katholischen Tradition lautet, dass die Gnade die Natur nicht zerstört, sondern sie vollendet.
Das ist grundlegend.
Die christliche Antwort auf den Transhumanismus besteht nicht darin, die menschliche Natur zu verachten.
Sie besteht darin anzuerkennen, dass die menschliche Natur ihre eigene Vollkommenheit besitzt und darüber hinaus zu einer übernatürlichen Erhebung berufen ist.
Der Mensch ist für etwas Größeres geschaffen als für eine unbegrenzt verlängerte biologische Existenz.
Er ist für Gott geschaffen.
Die menschliche Berufung übersteigt jedes Projekt technologischer Verbesserung unendlich.
Das Ziel des Menschen besteht nicht darin, ein technologisch überlegenes Geschöpf zu werden.
Es besteht darin, durch die Gnade angenommenes Kind Gottes zu werden und an Seinem Leben teilzuhaben.
28. Heiligkeit ist die wahre „Vervollkommnung“ des Menschen
Wir können hier eine provokante Formulierung verwenden:
Auch die Kirche glaubt an die Vollkommenheit des Menschen.
Aber sie nennt sie Heiligkeit.
Ein Heiliger ist nicht jemand, der biologisch überlegen ist.
Es ist jemand, dessen Wille sich Gott angeglichen hat.
Der heilige Franz von Assisi brauchte keine verbesserte Intelligenz.
Die heilige Teresa von Ávila brauchte keine neuronalen Implantate.
Der heilige Josef brauchte keine künstliche Verlängerung seines Lebens.
Die Märtyrer mussten das Leiden nicht beseitigen.
Die christliche Größe besteht nicht darin, mehr Macht zu besitzen.
Sie besteht darin, mehr zu lieben.
Heiligkeit ist daher eine radikale Kritik an dem transhumanistischen Ideal, wenn es als absolute Selbstüberschreitung verstanden wird.
Der Heilige sagt nicht:
„Ich werde mich selbst vollkommen machen.“
Er sagt:
„Herr, mache mich heilig.“
29. Was soll ein Katholik angesichts des Transhumanismus tun?
Es genügt nicht, den Transhumanismus intellektuell zu kritisieren.
Der Christ muss konkret leben.
Erstens muss er einen gesunden Umgang mit Technologie pflegen.
Verteufelt sie nicht.
Aber vergötzt sie auch nicht.
Benutzt sie.
Dient ihr nicht.
Zweitens muss er den Sinn dafür wiederentdecken, Geschöpf zu sein.
Dankbar sein für das Leben.
Dankbar sein für den Körper.
Dankbar sein für die Gesundheit.
Dankbar sein für die Vernunft.
Aber auch die Grenzen anerkennen.
Drittens muss er die Tugend der Mäßigung wiederentdecken.
Nicht alles, was technisch möglich ist, ist notwendig.
Nicht alles Neue ist besser.
Nicht jede Bequemlichkeit verbessert das Leben.
Nicht jede Optimierung bringt Glück.
Viertens muss er das sakramentale Leben wiederentdecken.
Denn kein Gerät kann die heiligmachende Gnade schenken.
Keine künstliche Intelligenz kann Sünden vergeben.
Keine Technologie kann die Eucharistie konsekrieren.
Keine Maschine kann die übernatürliche Begegnung mit Christus ersetzen.
30. Die Eucharistie angesichts des Traums technologischer Unsterblichkeit
Hier besteht ein zutiefst schöner Gegensatz.
Der Transhumanismus träumt davon, das Leben zu bewahren.
Die Kirche bietet dem Menschen das Brot des Lebens.
Christus sagt:
„Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern“ (Joh 6,35).
Die Technologie kann versuchen, unsere biologische Existenz zu verlängern.
Christus bietet das ewige Leben.
Der Unterschied ist unendlich.
Die Eucharistie macht den Menschen nicht auf magische Weise biologisch unsterblich.
Aber sie vereinigt den Christen mit Christus und richtet seine gesamte Existenz auf die Auferstehung aus.
Der Christ muss keine Technologie erfinden, um dem Tod zu entkommen.
Er muss mit Dem verbunden leben, der den Tod besiegt hat.
31. Die Beichte angesichts des Traums künstlicher Vollkommenheit
Auch zwischen der transhumanistischen Logik und dem Bußsakrament besteht ein Gegensatz.
Der Transhumanismus kann sagen:
„Beseitige deine Fehler.“
Das Evangelium sagt:
„Kehre um.“
Der Unterschied ist tief.
Die Sünde ist nicht einfach ein Programmierungsfehler.
Sie ist kein biologischer Defekt.
Sie ist keine Anomalie, die man durch Ingenieurwissenschaft korrigieren könnte.
Sie ist ein Bruch der Beziehung zu Gott.
Daher verlangt sie Reue.
Sie verlangt Gnade.
Sie verlangt Barmherzigkeit.
Sie verlangt Erlösung.
Genetische Veränderung kann keine Sünde vergeben.
Eine Gehirnschnittstelle kann die Freundschaft mit Gott nicht wiederherstellen.
Eine Maschine kann das Sakrament der Versöhnung nicht ersetzen.
Der Mensch braucht etwas, das keine Technologie hervorbringen kann:
Vergebung.
32. Die Familie angesichts des Labors
Auch die Familie muss ihre Sendung wiederentdecken.
In einer Kultur, die von der Gestaltung menschlichen Lebens besessen ist, besteht die Gefahr, dass sogar Kinder als Projekte betrachtet werden.
„Wie soll mein Kind sein?“
„Welche Fähigkeiten soll es besitzen?“
„Welche Eigenschaften möchte ich auswählen?“
Aber ein Kind ist kein Produkt.
Es ist ein Geschenk.
Die Eltern empfangen eine Person, die ihnen nicht absolut gehört.
Sie sind keine Hersteller von Menschen.
Sie sind Hüter.
Vaterschaft und Mutterschaft sind wesentlich Akte des Empfangens.
So kann die christliche Familie zu einem der Orte werden, an denen eine Wahrheit bewahrt wird, die die technologische Kultur vergessen könnte:
Ein Mensch muss nicht entworfen worden sein, um geliebt zu werden.
33. Kinder in einer technologischen Kultur erziehen
Die katholischen Eltern haben hier eine gewaltige Aufgabe.
Es genügt nicht, bestimmte Technologien zu verbieten.
Kinder müssen lernen, sie zu beurteilen.
Sie müssen verstehen, dass ein Bildschirm kein Feind ist.
Aber auch kein Freund.
Künstliche Intelligenz kann nützlich sein.
Aber sie kann das Gewissen nicht ersetzen.
Ein soziales Netzwerk kann Menschen miteinander verbinden.
Aber es kann keine echte Freundschaft ersetzen.
Ein technologisches Werkzeug kann beim Lernen helfen.
Aber es kann persönliche Anstrengung nicht ersetzen.
Eine App kann uns an das Gebet erinnern.
Aber sie kann Gott nicht an unserer Stelle lieben.
Technologie muss ihren richtigen Platz einnehmen:
ein Werkzeug, niemals ein Herr.
34. Das christliche Leben als Schule der Abhängigkeit
Vielleicht besteht eine der größten geistlichen Herausforderungen des Transhumanismus darin, den Wert der Abhängigkeit wiederzuentdecken.
Wir sind von Gott abhängig.
Wir sind von unseren Eltern abhängig.
Wir sind von unserer Familie abhängig.
Wir sind von unseren Freunden abhängig.
Wir sind von der Gesellschaft abhängig.
Wir sind von denen abhängig, die sich um uns kümmern, wenn wir krank werden.
Und letztlich sind wir für unser Heil völlig von Gott abhängig.
Die zeitgenössische Kultur interpretiert Abhängigkeit oft als Demütigung.
Das Christentum kann zeigen, dass Empfangen auch eine Form des Liebens ist.
Das Kind empfängt.
Der Kranke empfängt.
Der ältere Mensch empfängt.
Der Arme empfängt.
Und auch wir empfangen ständig.
Die Existenz selbst ist empfangen.
35. Der Mensch muss nicht Gott werden, weil Gott Mensch geworden ist
Hier finden wir vielleicht die schönste Antwort auf die gesamte Frage.
Der moderne Mensch kann davon träumen, durch Technologie göttlich zu werden.
Das Christentum verkündet etwas unendlich Erstaunlicheres:
Gott ist Mensch geworden.
Nicht der Mensch ist zu Gott aufgestiegen.
Gott ist zum Menschen herabgestiegen.
Wir müssen unsere eigene Göttlichkeit nicht herstellen.
Gott hat uns angeboten, an Seinem Leben teilzunehmen.
Die christliche Tradition nennt dies Vergöttlichung oder Vergöttlichung durch die Gnade.
Der heilige Petrus spricht davon, „Anteil an der göttlichen Natur“ zu erhalten (2 Petr 1,4).
Diese Vergöttlichung bedeutet jedoch nicht, dass wir von Natur aus Götter werden.
Sie bedeutet, dass wir durch die Gnade am Leben Gottes teilhaben.
Der Unterschied ist absolut.
Der radikale Transhumanismus kann sagen:
„Wir werden durch unsere eigene Fähigkeit wie Götter werden.“
Das Christentum sagt:
„Gott macht uns durch die Gnade zu Seinen Kindern.“
Das eine ist Selbstgenügsamkeit.
Das andere ist Geschenk.
36. Demut als technologische Tugend
Vielleicht ist eine der Tugenden, die wir im 21. Jahrhundert am meisten brauchen, die Demut.
Nicht eine falsche Demut, die die Vernunft verachtet.
Sondern die wahre Demut, die die Wahrheit anerkennt.
Technologie kann außergewöhnliche Dinge vollbringen.
Aber sie kann die letzten Fragen nicht an unserer Stelle beantworten:
Woher komme ich?
Warum existiere ich?
Was ist das Gute?
Warum muss ich lieben?
Warum muss ich vergeben?
Was geschieht nach dem Tod?
Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?
Wer ist Gott?
Was ist Glück?
Keine Maschine kann diese Fragen aus sich selbst heraus lösen.
Der Mensch braucht Wissenschaft.
Aber er braucht auch Philosophie.
Er braucht Moral.
Er braucht Religion.
Und er braucht Offenbarung.
37. Die Kirche angesichts der Zukunft: weder Technikfeindlichkeit noch Technikvergötzung
Die katholische Position darf in keines der beiden Extreme fallen.
Auf der einen Seite die Technikfeindlichkeit, die jede Innovation als verdächtig betrachtet.
Auf der anderen Seite die Technikvergötzung, die jede Innovation als moralischen Fortschritt betrachtet.
Beide Positionen sind unzureichend.
Der Christ muss einen dritten Weg gehen:
die Unterscheidung.
Das Gute annehmen.
Das Böse ablehnen.
Das Gefährliche korrigieren.
Das, was Grenzen benötigt, regulieren.
Eine Forschung fördern, die auf das wahre menschliche Wohl ausgerichtet ist.
Und sich immer daran erinnern, dass Technologie der Person untergeordnet sein muss.
38. Die große Frage unserer Zeit
Die entscheidende Frage wird nicht einfach sein, wie viel Technologie leisten kann.
Sie wird wahrscheinlich sehr viel leisten können.
Die Frage wird sein:
„Was werden wir mit dieser Macht anfangen?“
Ein Messer kann dazu dienen, Nahrung zuzubereiten oder zu töten.
Gentechnologie kann heilen oder dazu benutzt werden, Menschen auszuwählen und zu beseitigen.
Künstliche Intelligenz kann helfen oder manipulieren.
Neurotechnologie kann rehabilitieren oder kontrollieren.
Biotechnologie kann heilen oder zu einem Instrument der Diskriminierung werden.
Die Zukunft der Menschheit wird daher nicht nur von brillanten Wissenschaftlern abhängen.
Sie wird auch von tugendhaften Menschen abhängen.
Wir werden Wissenschaft brauchen.
Aber noch mehr werden wir Weisheit brauchen.
39. Der wahre Feind ist nicht die Maschine, sondern die Sünde
Diese Aussage verdient es, in unserem Geist eingeprägt zu werden.
Das grundlegende Problem besteht nicht darin, dass Maschinen zu mächtig werden.
Das Problem ist, dass das menschliche Herz weiterhin durch die Sünde verwundet ist.
Eine mächtige Technologie in den Händen eines tugendhaften Menschen kann zu einem Instrument des Guten werden.
Eine mächtige Technologie in den Händen eines Menschen, der vom Stolz beherrscht wird, kann zu einem Instrument der Zerstörung werden.
Das Christentum schlägt daher nicht nur vor, die Werkzeuge zu verbessern.
Es schlägt vor, das Herz zu bekehren.
„Schaffe mir, Gott, ein reines Herz“ (Ps 51,12).
Dieses Gebet wird notwendig bleiben, selbst wenn die Menschheit über unvorstellbare Technologien verfügt.
40. Die Zukunft gehört nicht dem Menschen, der alles kontrolliert
Die moderne Mentalität kann nahelegen, dass der ideale Mensch derjenige sein wird, der seinen Körper, seine Umwelt, seine Intelligenz, seine Lebensdauer und schließlich seine eigene Existenz vollständig kontrolliert.
Die christliche Anthropologie bietet ein völlig anderes Bild.
Der wirklich große Mensch ist nicht derjenige, der alles kontrolliert.
Es ist derjenige, der lernt, sich hinzugeben.
Christus selbst ist das höchste Vorbild.
Er rettet die Welt nicht durch Selbstgenügsamkeit.
Er rettet sie durch Gehorsam und Liebe.
„Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8).
Hier finden wir die vollständige Umkehrung von Babel.
Babel sagt:
„Steigen wir zum Himmel empor.“
Christus sagt:
„Dein Wille geschehe.“
Babel steht für Stolz.
Christus steht für Gehorsam.
Babel will erobern.
Christus gibt sich hin.
Babel will aus eigener Kraft groß werden.
Christus wird klein, um zu retten.
Und hier finden wir die wahre christliche Antwort auf den technologischen Stolz.
41. Wir brauchen keinen „Übermenschen“: Wir brauchen Heilige
Die zeitgenössische Gesellschaft kann von Menschen träumen, die schneller, intelligenter, widerstandsfähiger und langlebiger sind und über größere Fähigkeiten verfügen.
Die Kirche träumt von etwas anderem.
Von heiligen Männern.
Von heiligen Frauen.
Von heiligen Vätern.
Von heiligen Müttern.
Von heiligen Priestern.
Von heiligen Jugendlichen.
Von heiligen älteren Menschen.
Von heiligen Wissenschaftlern.
Von heiligen Ärzten.
Von heiligen Ingenieuren.
Von heiligen Programmierern.
Von heiligen Unternehmern.
Denn ein außerordentlich intelligenter, aber moralisch korrupter Mensch kann enormen Schaden anrichten.
Ein Wissenschaftler hingegen, der Gott und seinen Nächsten wirklich liebt, kann sein Wissen als Dienst einsetzen.
Die Frage lautet nicht nur, wie man Fähigkeiten steigert.
Es geht darum, wie man diese Fähigkeiten auf das Gute ausrichtet.
42. Eine einfache Regel zur Beurteilung von Technologie
Angesichts jeder zukünftigen Innovation kann der Katholik fünf Fragen stellen:
Erstens: Schützt oder beeinträchtigt sie die Menschenwürde?
Zweitens: Dient sie der Person oder macht sie die Person zum Objekt?
Drittens: Heilt sie eine Krankheit oder versucht sie willkürlich neu zu definieren, was es bedeutet, Mensch zu sein?
Viertens: Fördert sie das Gemeinwohl oder schafft sie neue Formen der Herrschaft?
Fünftens: Hilft sie mir, meine Berufung besser zu leben, oder nährt sie meinen Stolz?
Diese Fragen werden nicht alle wissenschaftlichen Probleme lösen.
Aber sie werden uns helfen, den richtigen Horizont zu bewahren.
43. Die pastorale Antwort: Gewissen bilden, nicht Angst erzeugen
Die Kirche trägt auch eine pastorale Verantwortung.
Sie darf sich nicht darauf beschränken zu sagen:
„Technologie ist gefährlich.“
Sie muss Gewissen bilden, die unterscheiden können.
Katholiken müssen die christliche Anthropologie kennen.
Sie müssen verstehen, was die Person ist.
Was der Körper ist.
Was die Seele ist.
Was Freiheit ist.
Was das Gewissen ist.
Was Sünde ist.
Was Gnade ist.
Was Erlösung ist.
Was Auferstehung ist.
Ohne diese Grundlagen reduziert sich die Diskussion über Technologie auf Meinungen.
Mit ihnen können wir eine echte moralische Unterscheidung vornehmen.
44. Pastoral in einem technologischen Zeitalter
Pfarreien und katholische Gemeinschaften sollten zunehmend über diese Fragen sprechen.
Nicht nur defensiv.
Sondern auch positiv.
Junge Menschen müssen lernen, dass ihr Wert nicht von „Likes“ abhängt.
Dass ihre Intelligenz ihre Würde nicht bestimmt.
Dass ihr Körper kein Konsumobjekt ist.
Dass Krankheit sie nicht zu minderwertigen Menschen macht.
Dass der Tod nicht bedeutet, dass ihr Leben ein Misserfolg war.
Dass Technologie genutzt werden kann, ohne zu einer Religion zu werden.
Dass das Gebet notwendig bleibt, auch wenn Maschinen Fragen beantworten können.
Dass die Beichte notwendig bleibt, auch wenn Apps dabei helfen können, bestimmte Gewohnheiten zu verbessern.
Dass die Eucharistie das Zentrum des christlichen Lebens bleibt, auch wenn die Welt sich in wenigen Sekunden digital verbinden kann.
Und dass keine Maschine Christus jemals ersetzen kann.
45. Die wahre Revolution: Den Sinn des Geschöpfseins wiederfinden
Vielleicht besteht die große geistliche Aufgabe unserer Zeit darin, ein Wort wiederzuentdecken, das die Moderne unbequem findet:
Geschöpf.
Wir sind Geschöpfe.
Und das ist eine gute Nachricht.
Es bedeutet, dass wir unser eigenes Fundament nicht selbst erfinden müssen.
Wir müssen unsere Existenz nicht selbst rechtfertigen.
Wir müssen uns nicht in Götter verwandeln.
Wir müssen unseren Wert nicht ständig beweisen.
Gott hat uns gewollt.
Gott erhält uns.
Gott ruft uns.
Gott erlöst uns.
Gott erwartet uns.
Geschöpf zu sein ist keine Demütigung.
Es ist die Wurzel der Dankbarkeit.
Schluss: Vom Stolz Babels zur Demut Christi
Der Transhumanismus wirft einige der wichtigsten Fragen auf, mit denen die Menschheit in den kommenden Jahrzehnten konfrontiert sein wird.
Was können wir verändern?
Was sollten wir verändern?
Was bedeutet es, den Menschen zu verbessern?
Welche Grenzen gibt es?
Wer setzt sie?
Welche Beziehung muss zwischen Technologie und Würde bestehen?
Was geschieht, wenn wir tiefgreifend in die menschliche Biologie eingreifen können?
Diese Fragen können nicht allein in Laboratorien gelöst werden.
Sie brauchen Philosophie.
Sie brauchen Ethik.
Sie brauchen Recht.
Und vor allem brauchen sie eine echte Anthropologie.
Die christliche Anthropologie beginnt mit einer einfachen, aber revolutionären Aussage:
Der Mensch ist ein Geschöpf.
Er ist nicht Gott.
Aber er wurde nach dem Bild Gottes geschaffen.
Er ist nicht vollkommen.
Aber er wurde zur Vollkommenheit geschaffen.
Er ist von Natur aus nicht unsterblich.
Aber er ist zum ewigen Leben berufen.
Er ist durch die Sünde verwundet.
Aber er kann durch die Gnade geheilt werden.
Sein Körper ist sterblich.
Aber er ist zur Auferstehung bestimmt.
Er kann sich nicht selbst retten.
Aber er ist von Christus erlöst worden.
Das ist der grundlegende Unterschied.
Der Transhumanismus träumt, wenn er zu einer Ideologie absoluter Selbstüberschreitung wird, davon, den Menschen durch die eigene Kraft des Menschen zu überwinden.
Das Christentum verkündet, dass der Mensch seine wahre Größe erreicht, wenn er aufhört, so tun zu wollen, als sei er Gott, und demütig annimmt, von Gott das zu empfangen, was er sich niemals selbst geben könnte.
Technologie kann uns außergewöhnliche Werkzeuge geben.
Sie kann heilen.
Sie kann helfen.
Sie kann lindern.
Sie kann viele Bedingungen unseres Lebens verbessern.
Dafür sollten wir dankbar sein und sie verantwortungsvoll einsetzen.
Aber wir dürfen niemals ein Werkzeug mit einem Erlöser verwechseln.
Denn keine Maschine kann die Sünde erlösen.
Kein Algorithmus kann Gnade schenken.
Kein Implantat kann Heiligkeit hervorbringen.
Kein Labor kann ewiges Leben herstellen.
Keine künstliche Intelligenz kann den Platz Gottes einnehmen.
Und keine Technologie wird jemals die tiefste Frage des menschlichen Herzens beantworten können:
„Wofür bin ich geschaffen worden?“
Die christliche Antwort bleibt unverändert:
„Du bist für Gott geschaffen worden.“
Der heilige Augustinus hat dies in Worten ausgedrückt, die die Jahrhunderte überdauert haben:
„Du hast uns auf dich hin geschaffen, Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“
Das ist der Punkt, den keine technologische Revolution verändern kann.
Der Mensch kann die Welt verändern.
Er kann Maschinen bauen.
Er kann das Universum erforschen.
Er kann bestimmte Aspekte seines Organismus verändern.
Er kann außergewöhnliche Werkzeuge entwickeln.
Aber er wird niemals aufhören, ein Geschöpf zu sein.
Und gerade weil er ein Geschöpf ist, besteht seine Größe nicht darin, alles zu kontrollieren.
Sie besteht darin, demütig zu erkennen, von wem er seine Existenz empfangen hat.
Die wahre Frage der Zukunft wird nicht sein, ob wir fähig sein werden, etwas zu werden, das mehr als menschlich ist.
Sie wird sein, ob wir endlich lernen werden, wirklich menschlich zu sein.
Und für den Christen bedeutet wirklich menschlich zu sein, nach der Wahrheit unserer Natur zu leben, die Verwundung durch die Sünde anzuerkennen, die Gnade anzunehmen, Gott über alles zu lieben, den Nächsten zu lieben und auf das Ziel zuzugehen, für das wir geschaffen wurden:
die ewige Gemeinschaft mit Gott.
Wir müssen keinen neuen Menschen herstellen.
Wir brauchen Christus, der alles neu macht.
„Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5).
Das ist die wahre Zukunft des Menschen.
Nicht der Stolz Babels.
Nicht die Illusion einer mit unseren eigenen Händen hergestellten Erlösung.
Sondern Christus.
Die Gnade.
Die Erlösung.
Die Auferstehung.
Und das ewige Leben.