Hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen? Die Wahrheit, die viele über die Genesis nicht kennen

Seit Jahrhunderten gehört eine Frage zu den häufigsten unter Gläubigen, Skeptikern und Neugierigen: Hat Gott die Welt wirklich in sieben Tagen von jeweils vierundzwanzig Stunden erschaffen?

Die Frage scheint einfach zu sein, doch in Wirklichkeit führt sie uns zu einem der tiefsten Themen der gesamten christlichen Theologie. In einer Zeit, in der viele Glauben und Wissenschaft gegeneinanderstellen, in der manche glauben, die Annahme der Genesis zwinge dazu, Astronomie, Geologie oder Biologie abzulehnen, und andere meinen, die Bibel sei durch wissenschaftliche Entdeckungen widerlegt worden, ist es notwendig, den heiligen Text mit Intelligenz, Ehrfurcht und Tiefe neu zu lesen.

Die katholische Kirche hat immer gelehrt, dass die Heilige Schrift wahr ist. Zugleich hat sie darauf bestanden, dass sie entsprechend ihrer literarischen Gattung, ihres historischen Kontextes und der Absicht ihrer inspirierten Verfasser ausgelegt werden muss.

Wenn wir also die ersten Kapitel der Genesis aufschlagen, lesen wir kein Handbuch moderner Kosmologie, sondern eine göttliche Offenbarung darüber, wer die Welt erschaffen hat, warum Er sie erschaffen hat und welchen Platz der Mensch in ihr einnimmt.

Die richtige Frage lautet daher nicht einfach: „Wie lange dauerte die Schöpfung?“, sondern vielmehr: „Was wollte Gott uns durch den Bericht der sieben Tage lehren?“

Und die Antwort ist weit faszinierender, als viele sich vorstellen.


Die Bibel ist kein wissenschaftliches Buch

Einer der häufigsten Fehler unserer Zeit besteht darin, von der Bibel etwas zu verlangen, was sie niemals beabsichtigte zu liefern.

Die Heilige Schrift wurde nicht geschrieben, um die Zusammensetzung von Atomen, die Lichtgeschwindigkeit, das Alter der Galaxien oder die Mechanismen der biologischen Evolution zu erklären.

Ihr Ziel ist es, den Menschen zum Heil zu führen.

Wie der große Kirchenlehrer, der heilige Augustinus, lehrte, wollte Gott uns zeigen, wie man in den Himmel gelangt, nicht wie die Himmel funktionieren.

Das bedeutet nicht, dass die Bibel Fehler enthält. Es bedeutet vielmehr, dass wir die Art von Wahrheit, die sie vermittelt, richtig verstehen müssen.

Wenn ein Psalm sagt, dass „die Berge wie Widder hüpfen“ (Psalm 114), glaubt niemand, dass Berge tatsächlich Beine besitzen.

Ebenso müssen wir uns, wenn die Genesis die Schöpfung in einer Abfolge von sieben Tagen beschreibt, fragen, welche theologische Bedeutung damit vermittelt wird.


Die Sprache der Genesis: Eine antike Sicht der Welt

Um den Schöpfungsbericht zu verstehen, müssen wir uns daran erinnern, dass er für die Völker des Alten Orients geschrieben wurde.

Diese Kulturen verfügten weder über Teleskope noch über astronomische Observatorien.

Sie beschrieben die Wirklichkeit so, wie sie sie wahrnahmen.

Deshalb spricht die Genesis von:

  • Den Himmeln.
  • Der Erde.
  • Den Wassern oberhalb.
  • Den Wassern unterhalb.
  • Dem Firmament.

Dabei handelt es sich nicht um eine von Gott inspirierte Unwissenheit.

Vielmehr sprach Gott zu den Menschen in einer Sprache, die sie verstehen konnten.

Genauso wie wir heute noch vom „Sonnenaufgang“ sprechen, obwohl wir wissen, dass sich die Erde um die Sonne bewegt, beschrieben die biblischen Autoren die Welt entsprechend der alltäglichen menschlichen Erfahrung.


Warum sagt die Bibel „Himmel und Erde“?

Hier finden wir ein außerordentlich wichtiges Detail.

Im Althebräischen gab es kein Wort, das unserem modernen Begriff des „Universums“ entsprach.

Um die Gesamtheit der Schöpfung auszudrücken, verwendete man daher ein literarisches Stilmittel, das als Merismus bezeichnet wird.

Ein Merismus besteht darin, zwei Gegensätze zu nennen, um das Ganze auszudrücken.

Wenn die Genesis also beginnt mit den Worten:

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (Genesis 1,1)

Dann bedeutet das nicht, dass Gott lediglich den Himmel und den Boden erschaffen hat.

Es bedeutet, dass Gott absolut alles erschaffen hat.

„Himmel und Erde“ entsprechen dem, was wir heute nennen würden:

Den Kosmos.
Das Universum.
Die gesamte geschaffene Wirklichkeit.

Die zentrale Botschaft lautet, dass nichts außerhalb der schöpferischen Macht Gottes existiert.


Was bedeutet ein „Tag“ in der Genesis wirklich?

Hier gelangen wir zum Kern der Debatte.

Das verwendete hebräische Wort lautet yom.

Dieses Wort kann bedeuten:

  • Einen Tag von vierundzwanzig Stunden.
  • Einen unbestimmten Zeitraum.
  • Ein Zeitalter.
  • Eine historische Epoche.
  • Eine von Gott bestimmte Zeit.

Selbst innerhalb der Heiligen Schrift finden wir unterschiedliche Verwendungen.

Zum Beispiel:

„Denn tausend Jahre sind vor Deinen Augen wie der gestrige Tag, der vergangen ist.“ (Psalm 90,4)

Und auch:

„Für den Herrn ist ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag.“ (2 Petrus 3,8)

Aus diesem Grund waren viele Kirchenväter der Auffassung, dass die „Tage“ der Genesis nicht notwendigerweise als gewöhnliche chronologische Tage verstanden werden müssen.


Ein Detail, das viele übersehen

Es gibt noch eine weitere interessante Beobachtung.

Die Sonne erscheint erst am vierten Tag.

Nach unserer Art, Zeit zu messen, hängen Tage jedoch gerade von der scheinbaren Bewegung der Sonne ab.

Daraus ergibt sich eine logische Frage:

Wie konnte es Sonnentage geben, bevor die Sonne existierte?

Der Text selbst scheint darauf hinzuweisen, dass er etwas Tieferes als eine bloße Chronologie vermitteln möchte.


Die heilige Symbolik der Zahl Sieben

Um den Bericht zu verstehen, müssen wir die Bedeutung der Zahl Sieben im biblischen Denken erfassen.

Die Sieben steht für:

  • Fülle.
  • Vollkommenheit.
  • Ganzheit.
  • Ein vollendetes Werk.
  • Weihe.

Sie erscheint ständig in der gesamten Heiligen Schrift.

Wir finden:

  • Sieben Leuchter.
  • Sieben Posaunen.
  • Sieben Siegel.
  • Sieben Kirchen.
  • Die sieben Gaben des Heiligen Geistes.
  • Siebzigmal sieben.
  • Den heiligen siebten Tag.

In der Bibel ist die Sieben die Zahl des vollkommenen Werkes Gottes.

Deshalb ist der Schöpfungsbericht in sieben Tage gegliedert.

Er will nicht lediglich über eine zeitliche Abfolge informieren.

Er will zeigen, dass die Schöpfung ein vollkommenes, geordnetes und von Gott gewolltes Werk ist.


Die Struktur der sieben Tage

Viele Gelehrte haben eine wunderbare Symmetrie im Bericht erkannt.

Die ersten drei Tage bereiten die Welt vor.

Die nächsten drei füllen sie.

Dann kommt der siebte Tag.

Betrachten wir sie im Einzelnen.


Erster Tag: Das Licht

Gott trennt das Licht von der Finsternis.

Er erschafft nicht einfach nur eine Lichtquelle.

Er bringt Ordnung an die Stelle des Chaos.

Das Licht symbolisiert:

  • Die Wahrheit.
  • Die Weisheit.
  • Die göttliche Gegenwart.

Deshalb sagt das Evangelium später:

„Ich bin das Licht der Welt.“ (Johannes 8,12)

Die Schöpfung beginnt mit dem Licht, weil alles Sein von Gott ausgeht.


Zweiter Tag: Das Firmament

Gott trennt die Wasser oberhalb von den Wassern unterhalb.

Für die antike Denkweise bedeutete dies die Ordnung des Kosmos.

Die Botschaft ist klar:

Das Universum ist nicht das Ergebnis von Zufall oder eines Kampfes zwischen Göttern.

Es wird von einer höchsten Intelligenz regiert.


Dritter Tag: Festland und Pflanzenwelt

Die Kontinente und Pflanzen treten hervor.

Die Erde wird zu einem bewohnbaren Ort.

Gott bereitet der Menschheit ein Zuhause.

Nichts ist improvisiert.

Alles folgt einem Plan.


Vierter Tag: Sonne, Mond und Sterne

Hier geschieht etwas sehr Bedeutendes.

Die Himmelskörper erscheinen nach dem Licht.

Warum?

Weil in den heidnischen Kulturen die Himmelskörper als Gottheiten verehrt wurden.

Die Genesis stellt sie jedoch einfach als Geschöpfe dar.

Sie sind keine Götter.

Sie bestimmen nicht das menschliche Schicksal.

Sie sind Werke des einen wahren Gottes.

Die Botschaft ist eine kraftvolle Widerlegung des Götzendienstes.


Fünfter Tag: Fische und Vögel

Die zuvor geschaffenen Räume beginnen sich mit Leben zu füllen.

Die Wasser erhalten Fische.

Die Himmel erhalten Vögel.

Die Schöpfung gewinnt an Dynamik und Schönheit.


Sechster Tag: Landtiere und der Mensch

Wir gelangen zum Höhepunkt.

Nachdem Gott die Landtiere erschaffen hat, erschafft Er den Menschen.

Und hier erscheint ein radikaler Unterschied.

Während die übrigen Geschöpfe durch einen einfachen göttlichen Befehl entstehen, finden wir beim Menschen einen feierlichen Ausdruck:

„Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich.“ (Genesis 1,26)

Der Mensch ist kein kosmischer Zufall.

Er ist nicht einfach nur ein weiteres Tier.

Er besitzt eine einzigartige Würde.

Er verfügt über Verstand, freien Willen und eine geistige Seele.

Er wurde geschaffen, um Gott zu erkennen, zu lieben und Ihm zu dienen.


Der siebte Tag: Der wichtigste Tag

Paradoxerweise ist der wichtigste Tag derjenige, an dem Gott nichts erschafft.

Die Genesis sagt:

„Und am siebten Tag ruhte Er von all seinem Werk, das Er gemacht hatte.“ (Genesis 2,2)

Bedeutet das, dass Gott müde war?

Natürlich nicht.

Gott ist allmächtig.

Die Ruhe symbolisiert etwas weit Tieferes.

Sie steht für:

  • Die Vollendung der Schöpfung.
  • Den göttlichen Segen.
  • Die Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen.
  • Die endgültige Bestimmung der Menschheit.

Die Schöpfung endet nicht in Arbeit.

Sie endet in Anbetung.

Das letztendliche Ziel des Universums ist die Verherrlichung Gottes.


Die Genesis als großer kosmischer Tempel

Einige theologische Studien haben auf etwas Faszinierendes hingewiesen.

Der Bericht der sieben Tage weist Parallelen zur Weihe eines Tempels auf.

In der antiken Welt nahm eine Gottheit Besitz von einem Tempel, sobald dieser vollendet war.

Auf ähnliche Weise ordnet Gott den Kosmos und „ruht“ schließlich in ihm.

So erscheint die Schöpfung als ein gewaltiger Tempel, in dem die Menschheit eine priesterliche Aufgabe ausübt: die gesamte Schöpfung ihrem Schöpfer darzubringen.


Was lehrt die katholische Kirche?

Die Kirche hat niemals dogmatisch festgelegt, dass die sieben Tage notwendigerweise als Zeiträume von vierundzwanzig Stunden verstanden werden müssen.

Was sie jedoch fest lehrt, ist:

  • Gott hat alle Dinge erschaffen.
  • Die Schöpfung ist nicht das Ergebnis absoluten Zufalls.
  • Der Mensch besitzt eine geistige Seele, die unmittelbar von Gott erschaffen wurde.
  • Die gesamte Wirklichkeit hängt fortwährend von ihrem Schöpfer ab.

Die Einzelheiten der zeitlichen Prozesse der Schöpfung waren Gegenstand legitimer theologischer Reflexion.


Gibt es einen Widerspruch zwischen Glauben und Wissenschaft?

Nein.

Wahre Wissenschaft und wahrer Glaube können sich nicht widersprechen, weil beide vom selben Gott stammen.

Die Wissenschaft untersucht, wie das Universum funktioniert.

Die Theologie untersucht seine letztendliche Bedeutung.

Die Wissenschaft kann fragen:

„Wie sind die Sterne entstanden?“

Der Glaube fragt:

„Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“

Die Wissenschaft kann Mechanismen beschreiben.

Der Glaube offenbart Ziele und Sinn.

Diese Perspektiven sind unterschiedlich, aber ergänzen einander.


Die geistliche Botschaft für unsere Zeit

Vielleicht ist die wichtigste Frage nicht, wie viele Stunden die Schöpfung dauerte.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:

Was sagt uns der Bericht der sieben Tage heute?

Er erinnert uns daran, dass:

  • Das Universum einen Urheber hat.
  • Das Leben einen Sinn besitzt.
  • Die Menschheit kein Zufall ist.
  • Die Schöpfung gut ist.
  • Die Arbeit Würde besitzt.
  • Die heilige Ruhe notwendig ist.
  • Alles auf Gott ausgerichtet ist.

In einer Kultur, die von Materialismus, Relativismus und dem Verlust des Sinnes für Transzendenz geprägt ist, verkündet die Genesis weiterhin eine revolutionäre Wahrheit:

Wir sind nicht das Produkt des Chaos.

Wir wurden gedacht.

Wir wurden geliebt.

Wir wurden für einen ewigen Zweck erschaffen.


Schlussfolgerung: Jenseits der sieben Tage

Wenn wir die Genesis mit rein modernen Augen lesen, laufen wir Gefahr, ihre tiefste Botschaft zu übersehen.

Die sieben Tage sind nicht einfach eine Chronologie.

Sie sind eine großartige, von Gott inspirierte Katechese.

Sie lehren uns, dass das Universum geordnet ist, dass die Schöpfung gut ist, dass die Menschheit einen besonderen Platz einnimmt und dass die gesamte Geschichte auf ihre endgültige Ruhe in Gott ausgerichtet ist.

Deshalb erhält die Frage „Hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen?“ eine reichere Antwort, als wir vielleicht erwartet hätten.

Die Heilige Schrift beabsichtigt nicht, uns Astronomie, Physik oder Geologie zu lehren.

Sie möchte uns etwas unendlich Wichtigeres offenbaren:

Dass hinter jedem Stern, jedem Atom, jedem Lebewesen und jedem Schlag unseres Herzens die liebende Weisheit Gottes steht, der Himmel und Erde erschaffen hat.

Und diese Wahrheit bleibt, Tausende von Jahren nach der Niederschrift der Genesis, ebenso aktuell, ebenso tiefgründig und ebenso verwandelnd wie an jenem ersten Tag, an dem das Licht über der Welt erstrahlte.

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Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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