Der Embolismus: Warum sagen wir am Ende des Vaterunsers während der Heiligen Messe nicht „Amen“?

1. Was ist der Embolismus?

Der Embolismus ist ein Gebet, das der Priester unmittelbar nach dem Vaterunser in der Heiligen Messe spricht. Es beginnt mit den Worten:

„Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen, gib Frieden in unseren Tagen, komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.“

Der genaue Wortlaut kann je nach liturgischer Ausgabe und Sprache leicht variieren.

Der Begriff Embolismus stammt vom griechischen Wort embolismós, das unter anderem „Einschub“, „Einfügung“ oder „Erweiterung“ bedeutet. In der Liturgie bezeichnet er ein Gebet, das die letzte Bitte des Vaterunsers aufgreift und entfaltet: „Erlöse uns von dem Bösen.“

Es handelt sich also nicht um ein beliebiges zusätzliches Gebet, sondern um eine liturgische Auslegung der letzten Bitte, die Jesus Christus selbst seine Jünger gelehrt hat.

Das Vaterunser ist das Gebet, das Christus uns gegeben hat. Der Embolismus hilft uns, seine letzte Bitte tiefer zu verstehen und sie mit dem Leben der Kirche, der Erwartung des Heils und der Vorbereitung auf die heilige Kommunion in Verbindung zu bringen.

2. Warum sagen wir während der Heiligen Messe am Ende des Vaterunsers nicht „Amen“?

Diese Frage stellen sich viele Gläubige, besonders wenn sie das Vaterunser außerhalb der Messe beten.

Im persönlichen Gebet, in der Familie oder beim Rosenkranz schließen wir das Vaterunser gewöhnlich mit „Amen“ ab. In der römischen Messliturgie ist die Situation jedoch anders: Nach der letzten Bitte des Vaterunsers spricht der Priester unmittelbar den Embolismus, während die Gemeinde am Ende des Vaterunsers nicht mit dem üblichen „Amen“ antwortet.

Warum?

Weil das Vaterunser innerhalb der Heiligen Messe einen eigenen liturgischen Aufbau besitzt. Der Embolismus setzt die letzte Bitte des Gebets fort und entfaltet sie. Erst danach antwortet die Gemeinde mit der Doxologie:

„Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“

In der heutigen ordentlichen Form des römischen Ritus wird diese Doxologie von der Gemeinde gesprochen oder gesungen, nachdem der Priester den Embolismus beendet hat.

Das bedeutet nicht, dass das Vaterunser unvollständig wäre oder dass ihm etwas fehlen würde. Vielmehr bilden das Vaterunser, der Embolismus und die abschließende Doxologie innerhalb der Messfeier eine zusammenhängende liturgische Einheit.

Das „Amen“ ist ein Ausdruck der Zustimmung und des Glaubens. In der Messliturgie wird die Antwort der Gemeinde jedoch durch die besondere Struktur dieses Gebets bestimmt. Das Fehlen des „Amen“ unmittelbar nach dem Vaterunser ist daher kein Versehen, sondern gehört zur überlieferten Ordnung des römischen Ritus.

3. Die biblische Grundlage: „Erlöse uns von dem Bösen“

Um die Bedeutung des Embolismus zu verstehen, müssen wir zunächst auf das Vaterunser selbst schauen.

Im Matthäusevangelium lehrt Jesus seine Jünger beten:

„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ (Mt 6,13).

Diese Worte enthalten eine wesentliche Bitte des christlichen Lebens. Der Gläubige weiß, dass er Versuchungen ausgesetzt ist, dass die Sünde eine wirkliche Gefahr darstellt und dass er die Hilfe Gottes benötigt, um auf dem Weg des Heils zu bleiben.

Die Bitte, von dem Bösen erlöst zu werden, kann sich auf das Böse im Allgemeinen beziehen, aber auch auf den Bösen, den Satan, der in der Heiligen Schrift als Versucher und Widersacher Gottes erscheint.

Der Embolismus greift diese Bitte auf und entfaltet sie in mehreren Dimensionen:

  • Er bittet um die Befreiung von allem Bösen.
  • Er bittet um Frieden in unserer Zeit.
  • Er bittet um Gottes Erbarmen und Beistand.
  • Er bittet darum, vor Verwirrung und Sünde bewahrt zu werden.
  • Er richtet den Blick auf die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus.

Die letzte Bitte des Vaterunsers wird somit in einen umfassenderen geistlichen Zusammenhang gestellt. Es geht nicht nur darum, von einzelnen Schwierigkeiten befreit zu werden, sondern darum, unter der Führung Gottes auf das ewige Heil hinzugehen.

4. Warum bittet der Embolismus um Frieden?

Der Embolismus enthält eine eindringliche Bitte:

„Gib Frieden in unseren Tagen.“

Diese Worte sind heute ebenso bedeutsam wie in vergangenen Jahrhunderten.

Der Friede, um den die Kirche bittet, ist nicht einfach die Abwesenheit von Krieg oder Streit. Der christliche Friede hat seinen tiefsten Ursprung in Gott und in der Versöhnung des Menschen mit ihm.

Ein Mensch kann äußerlich in ruhigen Verhältnissen leben und dennoch innerlich von Angst, Hass, Unruhe oder Schuld gequält werden. Umgekehrt können Christen selbst in Zeiten großer Bedrängnis den Frieden bewahren, der aus dem Vertrauen auf Gott hervorgeht.

Wenn die Kirche während der Heiligen Messe um Frieden bittet, schließt sie daher verschiedene Anliegen ein:

  • den Frieden zwischen den Völkern;
  • die Versöhnung zwischen Menschen und Familien;
  • die Einheit innerhalb der Kirche;
  • den Frieden des Gewissens;
  • die Überwindung von Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit;
  • die innere Ruhe, die aus der Treue zu Gott entsteht.

Der Embolismus erinnert uns daran, dass wahrer Friede nicht allein durch menschliche Anstrengungen erreicht werden kann. Er ist auch eine Gabe Gottes, um die wir bitten müssen.

Gerade deshalb ist dieses Gebet in einer Welt, die von Kriegen, ideologischen Konflikten, gesellschaftlichen Spannungen und geistlicher Orientierungslosigkeit geprägt ist, von besonderer Aktualität.

5. Die Bitte um Bewahrung vor der Sünde

Der Embolismus bittet nicht nur um äußeren Frieden, sondern auch darum, vor Sünde und Verwirrung bewahrt zu werden.

Diese Bitte besitzt eine besondere Bedeutung für das christliche Leben.

Die Sünde ist nicht bloß ein Fehler oder eine gesellschaftlich unerwünschte Handlung. Sie verletzt die Beziehung des Menschen zu Gott und kann ihn von seiner letzten Bestimmung entfernen, nämlich von der Gemeinschaft mit ihm.

Der Christ darf sich deshalb nicht mit dem Gedanken zufriedengeben, er müsse lediglich ein anständiger Mensch sein. Er ist zur Heiligkeit berufen und benötigt die Gnade Gottes, um seine Berufung zu erfüllen.

Die Bitte um Bewahrung vor der Sünde bedeutet nicht, dass der Mensch keine Verantwortung für seine Entscheidungen trägt. Vielmehr bekennt er damit, dass er die göttliche Gnade braucht, um Versuchungen zu widerstehen, seine Schwächen zu überwinden und in der Wahrheit zu leben.

Der Embolismus ist deshalb auch ein Gebet der Demut. Wir erkennen an, dass wir uns nicht selbst retten können und dass wir ohne Gottes Hilfe Gefahr laufen, vom Weg abzukommen.

Diese Haltung ist besonders wichtig vor dem Empfang der heiligen Kommunion. Wer sich Christus im Sakrament nähert, soll sich bewusst machen, dass er nicht nur äußerlich an der Liturgie teilnimmt, sondern dazu berufen ist, sich innerlich mit dem Herrn zu vereinen.

6. „Damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten“

Der Embolismus endet mit einem Ausdruck, der den Blick der Gläubigen auf die Zukunft richtet:

„Damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.“

Diese Worte sind von großer theologischer Bedeutung.

Der christliche Glaube richtet sich nicht ausschließlich auf die Vergangenheit, auf die Geburt Jesu in Betlehem, sein öffentliches Wirken, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung. Er richtet sich auch auf die Zukunft, auf die endgültige Vollendung des Heils und die Wiederkunft Christi in Herrlichkeit.

Die Kirche lebt zwischen zwei großen Ereignissen: dem ersten Kommen Christi in Niedrigkeit und seiner Wiederkunft in Herrlichkeit.

Das erste Kommen ist bereits geschehen. Der Sohn Gottes hat unsere menschliche Natur angenommen, ist für uns gestorben und auferstanden und hat uns den Weg zum Vater eröffnet.

Das zweite Kommen steht noch aus. Christus wird wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten und sein Reich endgültig zu vollenden.

Die Bitte des Embolismus erinnert uns daran, dass die Geschichte nicht ziellos verläuft. Die Welt und das menschliche Leben bewegen sich auf eine endgültige Begegnung mit Christus zu.

Die christliche Hoffnung ist daher keine bloße Zuversicht, dass die Dinge irgendwann besser werden. Sie gründet auf der Verheißung Gottes und auf dem Sieg Christi über Sünde und Tod.

Wenn wir den Embolismus aufmerksam beten, bitten wir darum, in dieser Hoffnung zu leben und nicht von Angst, Verwirrung oder den Sorgen dieser Welt beherrscht zu werden.

7. Die Doxologie: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit“

Nach dem Embolismus folgt in der heutigen ordentlichen Form des römischen Ritus die Doxologie:

„Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“

Der Begriff Doxologie stammt aus dem Griechischen und bezeichnet ein Lob- und Preisgebet, das die Herrlichkeit Gottes verkündet.

Diese Worte lenken unsere Aufmerksamkeit von unseren Bitten auf Gott selbst.

Im Vaterunser bitten wir um das tägliche Brot, um die Vergebung unserer Schuld, um die Bewahrung vor Versuchungen und um die Erlösung vom Bösen. Der Embolismus entfaltet diese letzte Bitte. Die Doxologie führt das Gebet schließlich zum Lobpreis Gottes.

Die Kirche bekennt damit, dass das Reich, die Macht und die Herrlichkeit letztlich Gott gehören.

Das Reich gehört ihm, weil er der Herr der Geschichte und des gesamten Universums ist.

Die Macht gehört ihm, weil keine Macht der Welt größer ist als seine göttliche Macht und weil er allein den endgültigen Sieg über Sünde und Tod vollenden kann.

Die Herrlichkeit gehört ihm, weil er der Ursprung und das Ziel aller Dinge ist.

Die Doxologie ist somit kein bloßer Abschluss. Sie ist ein Glaubensbekenntnis, das uns daran erinnert, dass Gott über allem steht und dass unser Gebet in seiner Herrlichkeit seine letzte Vollendung findet.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Doxologie zwar in der christlichen Gebetstradition weit verbreitet ist, in den ältesten überlieferten Textfassungen des Matthäusevangeliums jedoch nicht zum ursprünglichen Wortlaut des Vaterunsers gehört. Sie ist vielmehr Ausdruck einer alten liturgischen Gebetstradition, die sich in verschiedenen christlichen Gemeinschaften entwickelt hat.

8. Die geschichtliche Entwicklung des Embolismus

Der Embolismus ist kein neues Element, das erst in jüngster Zeit in die Liturgie eingeführt wurde.

Die Verbindung des Vaterunsers mit einem anschließenden Gebet um Erlösung und Frieden gehört zur langen Entwicklung der römischen Liturgie.

Im Lauf der Jahrhunderte erhielt der Embolismus seinen festen Platz im römischen Messritus. Er wurde zu einem Bestandteil des Gebets, das die Gläubigen auf den Empfang der heiligen Kommunion vorbereitet.

Die römische Liturgie zeichnet sich durch eine ausgeprägte Verbindung von Gebet, Glaubenslehre und sakramentalem Leben aus. Ihre Gebete sind nicht nur Ausdruck persönlicher Frömmigkeit, sondern gehören zu einer überlieferten Ordnung, durch die die Kirche ihren Glauben feiert und weitergibt.

Der Embolismus ist dafür ein gutes Beispiel. In wenigen Sätzen fasst er wesentliche Themen des christlichen Glaubens zusammen: die Erlösung vom Bösen, den Frieden, die göttliche Barmherzigkeit, die Bewahrung vor der Sünde und die Erwartung der Wiederkunft Christi.

Die Liturgie lehrt nicht nur durch die Lesungen und die Predigt. Sie lehrt auch durch ihre Gebete, ihre Gesten, ihre Zeiten und ihre wiederkehrenden Formulierungen.

Wer die liturgischen Texte aufmerksam betrachtet, entdeckt daher einen reichen Schatz an theologischer Unterweisung.

9. Wann wird der Embolismus gebetet?

Der Embolismus wird in der römischen Messliturgie unmittelbar nach dem Vaterunser und vor der Doxologie gebetet.

Er gehört zum Ritus der Kommunion, also zu jenem Teil der Heiligen Messe, der die Gläubigen auf den Empfang des Leibes und Blutes Christi vorbereitet.

In der heutigen ordentlichen Form des römischen Ritus spricht der Priester den Embolismus, während die Gemeinde anschließend mit der Doxologie antwortet.

Der Embolismus wird nicht nur an bestimmten Festtagen oder in einzelnen liturgischen Zeiten gebetet. Er gehört zum gewöhnlichen Ablauf der Heiligen Messe, soweit die betreffende liturgische Ordnung seine Verwendung vorsieht.

Seine Stellung ist bedeutsam: Nach dem Vaterunser, in dem die Christen Gott als Vater anrufen und um die Erfüllung seines Willens bitten, fleht die Kirche um die Erlösung vom Bösen und richtet ihren Blick auf die Wiederkunft Christi. Danach folgen die Friedensriten und die Vorbereitung auf die Kommunion.

Die Abfolge ist theologisch sinnvoll. Bevor die Gläubigen den eucharistischen Herrn empfangen, bitten sie um Frieden, Erlösung und die Gnade, in der Gemeinschaft mit ihm zu leben.

10. Der Embolismus in der überlieferten lateinischen Messe

Auch in der überlieferten Form des römischen Ritus besitzt das Vaterunser einen besonderen Platz im Ablauf der Heiligen Messe.

Im klassischen römischen Messritus betet der Priester das Vaterunser nach dem Eucharistischen Hochgebet. Die Gemeinde antwortet an dessen Ende mit „Sed libera nos a malo“ – „Sondern erlöse uns von dem Bösen“.

Der Priester fährt anschließend mit dem Embolismus fort:

„Libera nos, quaesumus, Domine, ab omnibus malis, praeteritis, praesentibus et futuris; et intercedente beata et gloriosa semper Virgine Dei Genitrice Maria, cum beatis Apostolis tuis Petro et Paulo, atque Andrea, et omnibus Sanctis, da propitius pacem in diebus nostris…“

In deutscher Übersetzung:

„Erlöse uns, wir bitten dich, Herr, von allen Übeln, den vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen; und auf die Fürsprache der seligen und glorreichen, allzeit jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus sowie Andreas und aller Heiligen, schenke gnädig Frieden in unseren Tagen …“

Die vollständige Gebetsform enthält weitere Bitten um Frieden und Schutz und endet mit dem Hinweis auf Christus, unseren Herrn.

Dabei fällt ein wichtiger Unterschied auf: Der Wortlaut des Embolismus in der überlieferten lateinischen Messe unterscheidet sich von der Formulierung, die in der heutigen ordentlichen Form des römischen Ritus verwendet wird.

In der überlieferten Form enthält der Embolismus ausdrücklich die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria und der Apostel Petrus, Paulus und Andreas sowie aller Heiligen.

Das verdeutlicht die starke Verbindung zwischen dem Gebet um Erlösung, der Fürsprache der Heiligen und dem Frieden, den die Kirche von Gott erbittet.

Wer beide liturgischen Formen miteinander vergleicht, sollte deshalb die jeweiligen Texte in ihrem historischen und liturgischen Zusammenhang betrachten, ohne Unterschiede zu verwischen oder die eine Form mit der anderen gleichzusetzen.

11. Die Verbindung zwischen dem Embolismus und der heiligen Kommunion

Der Embolismus steht unmittelbar vor den Friedensriten und der Vorbereitung auf die heilige Kommunion. Diese Stellung ist kein Zufall.

Die Eucharistie ist nach katholischem Glauben das Sakrament, in dem Christus selbst gegenwärtig ist: wahrhaft, wirklich und wesentlich unter den Gestalten von Brot und Wein.

Die Gläubigen empfangen nicht lediglich ein Symbol oder eine Erinnerung an Jesus. Sie empfangen den Leib und das Blut Christi, der sich für das Heil der Welt hingegeben hat.

Deshalb ist die Vorbereitung auf die Kommunion von großer Bedeutung.

Der Embolismus erinnert uns daran, dass wir Gottes Erlösung benötigen. Er fordert uns auf, um Frieden zu bitten, uns von der Sünde abzuwenden und unsere Hoffnung auf Christus zu setzen.

Natürlich ersetzt dieses Gebet nicht die persönliche Gewissenserforschung, die Reue oder das Sakrament der Buße, wenn dieses erforderlich ist. Es erinnert jedoch die ganze versammelte Gemeinde daran, dass sie auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen ist.

Der Empfang der heiligen Kommunion verlangt die entsprechende innere Haltung. Wer sich einer so großen Gabe nähert, sollte dies nicht gedankenlos oder aus bloßer Gewohnheit tun, sondern mit Glauben, Ehrfurcht und dem Wunsch, Christus immer ähnlicher zu werden.

Der Embolismus kann daher zu einer kurzen, aber tiefen geistlichen Vorbereitung auf die Kommunion werden.

12. Warum ist der Embolismus auch heute noch aktuell?

Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen unter Unsicherheit, Angst, Konflikten und einem Verlust geistlicher Orientierung leiden.

Die Nachrichten berichten von Kriegen, gesellschaftlicher Spaltung, Gewalt und einer zunehmenden Schwierigkeit, gemeinsame moralische Grundlagen zu finden. Auch im persönlichen Leben können Menschen mit Krankheit, familiären Problemen, Einsamkeit, wirtschaftlichen Sorgen oder inneren Kämpfen konfrontiert sein.

In diesem Zusammenhang erhält der Embolismus eine besondere Aktualität.

Wenn die Kirche betet: „Erlöse uns, Herr, von allem Bösen“, erkennt sie an, dass das Böse nicht allein durch menschliche Fortschritte überwunden werden kann.

Wenn sie betet: „Gib Frieden in unseren Tagen“, bekennt sie, dass der wahre Friede eine Gabe Gottes ist, die wir erbitten und durch unser eigenes Leben fördern sollen.

Wenn sie um Bewahrung vor Sünde und Verwirrung bittet, erinnert sie daran, dass der Mensch eine moralische Orientierung benötigt und dass nicht jede gesellschaftliche Entwicklung automatisch dem Guten dient.

Und wenn sie darum bittet, das Kommen Christi in Zuversicht zu erwarten, bekennt sie, dass die Geschichte auf ein endgültiges Ziel hin ausgerichtet ist.

Der Embolismus ist daher mehr als ein kurzer liturgischer Text. Er ist eine Zusammenfassung der christlichen Hoffnung in einer Welt, die diese Hoffnung dringend benötigt.

13. Wie können wir den Embolismus bewusster beten?

Es lohnt sich, den Embolismus während der Heiligen Messe nicht einfach als einen kurzen Übergang zwischen dem Vaterunser und den folgenden Riten wahrzunehmen.

Wir können ihn vielmehr als eine Einladung verstehen, unser eigenes Leben vor Gott zu bringen.

Wenn wir hören: „Erlöse uns von allem Bösen“, können wir an unsere persönlichen Versuchungen, an unsere Schwächen und an jene Situationen denken, in denen wir Gottes Hilfe benötigen.

Wenn wir hören: „Gib Frieden in unseren Tagen“, können wir für unsere Familien, für die Kirche, für unser Land und für die vom Krieg betroffenen Völker beten.

Wenn wir hören, dass Gott uns vor Sünde und Verwirrung bewahren möge, können wir ihn bitten, unseren Glauben zu stärken und uns vor Irrtum, Gleichgültigkeit und geistlicher Lauheit zu bewahren.

Und wenn wir hören, dass wir das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus voll Zuversicht erwarten sollen, können wir uns daran erinnern, dass unser Leben nicht mit dem Tod endet und dass unsere endgültige Hoffnung in Gott liegt.

Eine solche bewusste Teilnahme an der Liturgie hilft uns, die Heilige Messe nicht als eine bloße Abfolge von Worten und Gesten zu erleben, sondern als das zentrale Gebet der Kirche und als Quelle unseres geistlichen Lebens.

Die Liturgie formt unseren Glauben auch dann, wenn wir ihre Worte noch nicht vollständig verstehen. Je mehr wir jedoch ihren Sinn entdecken, desto bewusster können wir uns mit dem Gebet der Kirche vereinen.

14. Häufig gestellte Fragen zum Embolismus

Warum sagt man nach dem Vaterunser während der Messe nicht „Amen“?

Weil das Vaterunser in der römischen Messliturgie unmittelbar in den Embolismus übergeht. Die Gemeinde antwortet nach diesem Gebet mit der Doxologie: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“

Ist der Embolismus Teil des Vaterunsers?

Im engeren Sinn gehört er nicht zum Wortlaut des Vaterunsers, das Jesus seine Jünger gelehrt hat. Er ist ein eigenständiges liturgisches Gebet, das die letzte Bitte des Vaterunsers aufgreift und entfaltet.

Was bedeutet das Wort „Embolismus“?

Es stammt vom griechischen Wort embolismós und bezeichnet eine Einfügung oder Erweiterung. In der Liturgie meint es das Gebet, das nach dem Vaterunser dessen letzte Bitte näher ausführt.

Warum wird der Embolismus vor der Kommunion gebetet?

Weil er zum Ritus der Kommunion gehört und die Gläubigen auf den Empfang der Eucharistie vorbereitet. Er bittet um Erlösung, Frieden und Schutz vor dem Bösen.

Wird der Embolismus in jeder Heiligen Messe gebetet?

Er gehört zum regulären Ablauf der römischen Messliturgie, wobei die genaue Formulierung und die liturgische Einordnung von der verwendeten Form des römischen Ritus abhängen.

Unterscheidet sich der Embolismus in der überlieferten lateinischen Messe von der heutigen Form?

Ja. In der überlieferten Form des römischen Ritus enthält der Embolismus unter anderem die ausdrückliche Bitte um die Fürsprache der Jungfrau Maria, der Apostel Petrus, Paulus und Andreas sowie aller Heiligen. Der Wortlaut unterscheidet sich von dem der heutigen ordentlichen Form.

Hat der Embolismus eine biblische Grundlage?

Ja. Er greift insbesondere die letzte Bitte des Vaterunsers auf: „Sondern erlöse uns von dem Bösen“ (Mt 6,13). Seine weiteren Formulierungen entfalten diese Bitte im Rahmen der liturgischen Tradition der Kirche.

Schluss: Ein kurzes Gebet mit einer tiefen Botschaft

Der Embolismus mag auf den ersten Blick wie ein kurzer liturgischer Übergang erscheinen. Tatsächlich enthält er jedoch eine bemerkenswerte Zusammenfassung wesentlicher Aspekte des christlichen Glaubens.

Er erinnert uns an die Wirklichkeit des Bösen, an unsere Bedürftigkeit gegenüber der Gnade Gottes, an die Sehnsucht nach Frieden, an die Notwendigkeit der Bewahrung vor der Sünde und an die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi.

Er erklärt auch, weshalb das Vaterunser während der Heiligen Messe nicht unmittelbar mit dem üblichen „Amen“ endet: Die römische Liturgie lässt auf die letzte Bitte des Gebets den Embolismus folgen und führt das gemeinsame Gebet anschließend mit der Doxologie zum Lobpreis Gottes.

Die nächste Heilige Messe bietet uns deshalb eine gute Gelegenheit, diesen Moment bewusster mitzufeiern. Wenn der Priester den Embolismus betet, sollten wir nicht gedankenlos warten, bis die nächste Antwort an die Reihe kommt. Wir können uns vielmehr innerlich mit den Bitten der Kirche vereinen und Gott um Erlösung, Frieden und Treue bis zum Ende bitten.

Denn das Ziel unseres christlichen Lebens besteht nicht allein darin, Schwierigkeiten zu überstehen oder ein moralisch anständiges Leben zu führen. Wir sind dazu berufen, in der Gnade Gottes zu leben, in der Liebe zu wachsen und unserem Erlöser Jesus Christus mit Zuversicht entgegenzugehen.

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Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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