Die Stadt der Frauen: Das mittelalterliche Werk, das Jahrhunderte von Vorurteilen herausforderte und noch heute das wahre Genie der Frau erhellt

In einer Zeit, in der viele Frauen von einem großen Teil der Gesellschaft als intellektuell minderwertig angesehen wurden, erhob sich eine außergewöhnliche Stimme, die es wagte, mit Intelligenz, Glauben und Mut zu antworten. Diese Stimme gehörte Christine de Pizan, der Autorin eines der bemerkenswertesten Werke des Mittelalters: Das Buch von der Stadt der Frauen.

Lange bevor moderne Debatten über die Rolle der Frau entstanden, entwickelte Christine eine tiefgründige Verteidigung der weiblichen Würde, die auf Geschichte, Vernunft, Tugend und in hohem Maße auf einer christlichen Sicht des Menschen beruhte. Ihr Werk war keine Revolution gegen Gott, gegen die Familie oder gegen die Mutterschaft. Es war eine Revolution gegen Ungerechtigkeit, Unwissenheit und Vorurteile.

Heute, mehr als sechshundert Jahre später, bietet Die Stadt der Frauen weiterhin wertvolle Lehren für Katholiken, Pädagogen, Eltern und alle, die die wahre Würde der Frau nach Gottes Plan verstehen möchten.


Wer war Christine de Pizan?

Christine wurde 1364 in Venedig geboren und verbrachte einen großen Teil ihres Lebens in Frankreich. Ihr Vater war Arzt und Astrologe am französischen Königshof. Dadurch erhielt sie eine außergewöhnliche Bildung für eine Frau ihrer Zeit.

Ihr Leben änderte sich jedoch dramatisch, als sie in jungen Jahren Witwe wurde. Mit mehreren Kindern, für die sie sorgen musste, und angesichts finanzieller Schwierigkeiten traf sie eine außergewöhnliche Entscheidung: ihren Lebensunterhalt mit ihrer Feder zu verdienen.

Damit wurde sie eine der ersten Frauen Europas, die sich durch professionelles Schreiben finanziell selbst versorgen konnte.

Doch Christine beschränkte sich nicht auf die Dichtung. Sie beteiligte sich auch aktiv an den großen intellektuellen Debatten ihrer Zeit, insbesondere als sie bemerkte, dass zahlreiche literarische Werke Frauen als irrationale Wesen, schwach oder moralisch minderwertig darstellten.

Angesichts dieser Anschuldigungen beschloss sie zu antworten.

Und ihre Antwort war ein Meisterwerk.


Was ist Die Stadt der Frauen?

Die Stadt der Frauen wurde 1405 veröffentlicht und ist eine Allegorie.

Christine stellt sich vor, dass ihr drei himmlische Damen erscheinen:

  • Vernunft.
  • Rechtschaffenheit.
  • Gerechtigkeit.

Diese Gestalten beauftragen sie, eine symbolische Stadt zu errichten, die allen tugendhaften Frauen der Geschichte als Heimat dienen soll.

Stein für Stein baut die Autorin eine geistliche Stadt auf, die von Königinnen, Heiligen, Märtyrerinnen, vorbildlichen Ehefrauen, heldenhaften Müttern, weisen Frauen, Herrscherinnen und Frauen bewohnt wird, die sich durch ihre Tugenden ausgezeichnet haben.

Die Botschaft ist klar:

Vorurteile gegen Frauen entstehen nicht aus der Wahrheit, sondern aus Unwissenheit.


Ein intellektueller Kampf gegen die mittelalterliche Frauenfeindlichkeit

Um die Bedeutung dieses Werkes zu verstehen, muss man sich daran erinnern, dass im Mittelalter zahlreiche Texte verbreitet wurden, die Frauen verspotteten.

Viele Autoren wiederholten stereotype Behauptungen:

  • Frauen seien weniger vernünftig.
  • Sie seien anfälliger für die Sünde.
  • Sie seien unfähig zu regieren.
  • Sie seien intellektuell minderwertig.

Christine akzeptierte diese Behauptungen nicht einfach.

Ihre Methode war zutiefst rational.

Sie antwortete nicht mit Beleidigungen.

Sie antwortete nicht mit Hass.

Sie antwortete nicht, indem sie Männer gegen Frauen aufbrachte.

Sie antwortete, indem sie die Geschichte untersuchte.

Und sie entdeckte etwas Offensichtliches:

Die Wirklichkeit widerlegte diese Vorurteile.

Wenn Frauen von Natur aus unfähig wären, wie ließe sich dann die Existenz von Heiligen, Königinnen, Heldinnen, Gelehrten und Märtyrerinnen erklären?

Die Erfahrung bewies genau das Gegenteil.


Eine zutiefst christliche Intuition

Obwohl viele moderne Forscher Christine lediglich als Vorläuferin des zeitgenössischen Feminismus darstellen möchten, ist die Wirklichkeit weitaus reicher.

Ihre Sichtweise ist tief von der mittelalterlichen christlichen Weltanschauung geprägt.

Für Christine entspringt die Würde der Frau nicht einem Kampf gegen die göttliche Schöpfung.

Sie entspringt vielmehr gerade daraus, von Gott erschaffen worden zu sein.

Hier finden wir eine wesentliche Lehre für unsere Zeit.

Die Kirche hat immer gelehrt, dass Männer und Frauen die gleiche Würde besitzen, weil beide nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurden.

Die Heilige Schrift erklärt:

„Gott schuf also den Menschen als sein Bild; als Bild Gottes schuf er ihn. Männlich und weiblich schuf er sie.“

(Genesis 1,27)

Die grundlegende Gleichheit von Mann und Frau ist keine moderne Entdeckung.

Sie ist eine geoffenbarte Wahrheit.

Christine verstand diese Wirklichkeit Jahrhunderte bevor sie Gegenstand politischer Debatten wurde.


Die Frau im Plan Gottes

Einer der faszinierendsten Aspekte von Die Stadt der Frauen besteht darin, dass das Werk nicht versucht, die Frau zu vermännlichen.

Ebenso wenig versucht es, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern auszulöschen.

Im Gegenteil: Es feiert die besonderen Gaben, die Gott den Frauen verliehen hat.

Diese Perspektive stimmt mit der traditionellen katholischen Lehre überein.

Die Kirche hat niemals gelehrt, dass Männer und Frauen identisch seien.

Sie hat gelehrt, dass sie in ihrer Würde gleich und in ihrer Berufung, Psychologie und Sendung verschieden sind.

Unterschied bedeutet nicht Unterlegenheit.

So wie Herz und Lunge unterschiedliche Funktionen haben, aber für den Körper gleichermaßen wichtig sind, nehmen Männer und Frauen auf ergänzende Weise am göttlichen Plan teil.

Christine verstand diese Komplementarität lange bevor dieser Begriff überhaupt existierte.


Die große moderne Abwesenheit: die Heiligen Frauen

Ein bemerkenswerter Aspekt vieler zeitgenössischer Diskussionen über Frauen ist, dass die Heiligen oft übergangen werden.

Christine hingegen baut einen großen Teil ihrer Stadt gerade auf vorbildlichen Frauen auf.

Aus katholischer Sicht ist dies von enormer Bedeutung.

Denn die Heiligen stellen die vollkommenste Verwirklichung der Weiblichkeit dar.

Wir ehren sie nicht wegen politischer Macht.

Nicht wegen ihres Reichtums.

Nicht wegen ihres gesellschaftlichen Einflusses.

Wir ehren sie, weil sie der Gnade erlaubt haben, ihr Leben vollständig zu verwandeln.

Denken wir an Gestalten wie:

  • Die heilige Teresa von Ávila.
  • Die heilige Katharina von Siena.
  • Die heilige Hildegard von Bingen.
  • Die heilige Jeanne d’Arc.

Jede von ihnen zeigt, dass weibliche Heiligkeit sich auf außerordentlich vielfältige Weise verwirklichen kann.


Die Jungfrau Maria: die wahre Königin der Stadt der Frauen

Obwohl Christines Werk zahlreiche Hinweise auf berühmte Frauen enthält, ist für einen Katholiken die logische Vollendung jeder idealen Stadt der Frauen die Jungfrau Maria.

Sie ist die endgültige Antwort auf jene, die die Frau verachtet haben.

Denn Gott wollte die Menschwerdung durch die freie Zustimmung einer Frau verwirklichen.

Maria ist keine Nebenfigur in der Heilsgeschichte.

Sie ist die Neue Eva.

Das erhabenste Geschöpf, das jemals erschaffen wurde.

Die Königin des Himmels und der Erde.

Die Kirche singt von ihr:

„Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“

(Lukas 1,48)

In Maria finden wir die vollkommene Zusammenfassung aller Tugenden, die Christine bewunderte:

  • Weisheit.
  • Stärke.
  • Reinheit.
  • Demut.
  • Treue.

Was kann uns dieses Werk im 21. Jahrhundert lehren?

Wir leben in einer Zeit, die von zwei gegensätzlichen Irrtümern geprägt ist.

Einerseits bestehen weiterhin Formen der Verachtung gegenüber Frauen.

Andererseits sind Ideologien entstanden, die den Geschlechterunterschied als Problem betrachten, das beseitigt werden müsse.

Die christliche Sichtweise lehnt beide Extreme ab.

Die Stadt der Frauen bietet eine ausgewogenere Alternative.

Sie erinnert uns daran:

  • Die menschliche Würde kommt von Gott.
  • Tugend ist mehr wert als Macht.
  • Intelligenz hängt nicht vom Geschlecht ab.
  • Heiligkeit steht allen offen.
  • Wahre Größe besteht darin, Gott zu dienen.

Diese Lehren sind heute ebenso notwendig wie vor sechshundert Jahren.


Pastorale Anwendungen für das tägliche Leben

1. Mädchen zur Exzellenz erziehen

Christine bestand darauf, dass viele Frauen nur deshalb minderwertig erschienen, weil ihnen Bildung vorenthalten wurde.

Diese Lehre bleibt gültig.

Mädchen sollten ermutigt werden, ihre intellektuellen, künstlerischen und geistlichen Talente voll zu entfalten.

Mittelmäßigkeit darf niemals mit dem Geschlecht gerechtfertigt werden.


2. Authentische weibliche Vorbilder wiederentdecken

Viele junge Frauen wachsen damit auf, vergängliche Berühmtheiten zu bewundern.

Die christliche Tradition bietet weit solidere Vorbilder.

Das Leben der Heiligen zeigt, dass wahre Schönheit aus der Tugend hervorgeht.


3. Die Mutterschaft wertschätzen, ohne die Frau darauf zu reduzieren

Die Mutterschaft ist eine erhabene Berufung.

Doch die Frau besitzt einen geistlichen Reichtum, der sogar über diese Sendung hinausgeht.

Die Geschichte der Kirche ist voller Ordensfrauen, Märtyrerinnen, Mystikerinnen und Kirchenlehrerinnen, die die Welt verändert haben.


4. Vorurteile mit der Wahrheit bekämpfen

Christine antwortete auf Angriffe nicht mit Verbitterung.

Sie antwortete mit Argumenten.

Katholiken sind dazu berufen, dasselbe zu tun.

Die Wahrheit überzeugt tiefer als Aggressivität.


Eine Stadt, die noch immer gebaut wird

Das Genie Christine de Pizans liegt in ihrem Verständnis, dass der wahre Kampf niemals zwischen Männern und Frauen stattgefunden hat.

Der Kampf war immer ein Kampf zwischen Wahrheit und Irrtum.

Zwischen Tugend und Sünde.

Zwischen menschlicher Würde und den Ideologien, die sie herabsetzen.

Die Stadt der Frauen ist nicht einfach nur ein mittelalterliches Buch.

Sie ist eine dauerhafte Einladung, die Schönheit der weiblichen Berufung gemäß dem Plan Gottes zu erkennen.

Jede Frau, die in der Gnade lebt, jede Mutter, die ihre Kinder im Glauben erzieht, jede Ordensfrau, die ihr Leben Christus schenkt, jede junge Frau, die nach Heiligkeit strebt, jede Ehefrau, die treu bleibt, und jede Märtyrerin, die Zeugnis für die Wahrheit ablegt, fügt dieser geistlichen Stadt einen weiteren Stein hinzu.

Und über ihnen allen erhebt sich die Gestalt der allerseligsten Jungfrau Maria, der Frau schlechthin, in der die Größe, die Gott für die Weiblichkeit vorgesehen hat, vollkommen offenbar wird.

Vielleicht ist dies der Grund, weshalb Christines tiefste Lehre bis heute so aktuell geblieben ist: Die wahre Würde der Frau muss weder erfunden noch ständig neu definiert werden. Sie muss im Licht Gottes neu entdeckt werden.

Denn wenn die Welt vergisst, wer die Frau ist, erinnert sich der christliche Glaube daran, wer sie erschaffen hat.

Und wenn die Gesellschaft versucht, ihren Wert nach Macht, Erfolg oder Einfluss zu messen, verkündet das Evangelium weiterhin eine ewige Wahrheit: Die größte menschliche Größe ist die Heiligkeit.

Das ist die wahre Stadt der Frauen.

Und ihre Tore stehen noch immer offen.

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Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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