3 häufige Fehler bei der Weitergabe des Glaubens an Ihre Kinder (und was Sie stattdessen tun sollten)

Kinder im Glauben zu erziehen bedeutet nicht, gute Religionsschüler hervorzubringen, sondern Jünger Christi zu formen.

Wir leben in einer paradoxen Zeit. Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, den Glauben zu vermitteln: Bücher, Videos, Apps, Podcasts, Kurse, Online-Katechesen und Materialien für jedes Alter. Dennoch war es noch nie so häufig, dass junge Menschen nach Jahren religiöser Unterweisung den christlichen Glauben und seine Praxis verlassen, sobald sie das Jugend- oder frühe Erwachsenenalter erreichen.

Was ist geschehen?

Die Antwort ist nicht einfach. Es gibt kulturelle, gesellschaftliche, familiäre und sogar kirchliche Faktoren. Doch wir sollten auch unser Gewissen darüber prüfen, wie viele Eltern den größten Schatz weitergeben, den sie besitzen: den Glauben an Jesus Christus.

Der Glaube wird nicht genetisch vererbt. Er wird auch nicht allein durch Familientraditionen weitergegeben. Er wird vor allem durch das persönliche Zeugnis, die Erfahrung, die Liebe und eine ganzheitliche Erziehung vermittelt, in der Verstand, Herz und Wille gemeinsam wachsen.

Wie uns die Heilige Schrift erinnert:

„Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Kindern wiederholen. Du sollst von ihnen sprechen, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.“
(Deuteronomium 6,6–7)

Diese Stelle offenbart etwas Grundlegendes: Gott möchte nicht, dass der Glaube nur zu bestimmten Zeiten gelehrt wird, sondern dass er das gesamte Familienleben durchdringt.

Dennoch gibt es einige sehr verbreitete Fehler, die zwar aus dem aufrichtigen Wunsch entstehen, Kinder christlich zu erziehen, ihnen aber letztlich den Zugang zur Schönheit des Evangeliums erschweren.

Sehen wir uns drei davon an.


Fehler 1. Die Religion zu einem weiteren Schulfach machen

Wenn der Glaube auf das Auswendiglernen von Antworten reduziert wird

Viele Eltern möchten, dass ihre Kinder den Katechismus lernen.

Und das ist gut.

Das Problem entsteht dann, wenn sich die gesamte religiöse Erziehung darauf beschränkt, Definitionen zu lernen, Gebete auswendig zu lernen oder Fragen richtig zu beantworten.

Das Kind beginnt schließlich zu glauben, dass Religion genauso funktioniert wie Geschichte oder Mathematik:

lernen,

eine Prüfung bestehen,

vergessen.

Es weiß, wer Mose war.

Es kennt die Anzahl der Sakramente.

Es kann das Glaubensbekenntnis aufsagen.

Aber es hat Christus niemals persönlich kennengelernt.

Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen etwas über Jesus zu wissen und Jesus zu kennen.

Die Evangelien zeigen immer wieder, dass die Schriftgelehrten die Heilige Schrift hervorragend kannten und dennoch unfähig waren, den Messias zu erkennen, als Er vor ihnen stand.

Intellektuelles Wissen ist notwendig, aber niemals ausreichend.

Der christliche Glaube besteht nicht einfach darin, bestimmte Glaubenswahrheiten anzunehmen, sondern in eine lebendige Beziehung zu Gott einzutreten.

Wie der heilige Paulus sagt:

„Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“
(2 Korinther 3,6)

Das bedeutet nicht, dass die Lehre schlecht wäre.

Es bedeutet, dass eine Lehre ohne die Begegnung mit Christus unfruchtbar bleibt.

Die pastorale Gefahr

Viele junge Menschen verlassen den Glauben, weil sie sich nur an Jahre des Unterrichts erinnern.

Sie erinnern sich nicht daran, mit ihren Eltern gebetet zu haben.

Sie erinnern sich nicht an tiefgehende Gespräche über Gott.

Sie erinnern sich nicht daran, ihre Eltern um Vergebung bitten gesehen zu haben.

Sie erinnern sich nicht daran, das Beispiel eines gelebten Glaubens erlebt zu haben.

In ihrer Erinnerung bleibt ein Schulfach.

Keine Erfahrung.

Und niemand gibt sein Leben für ein Schulfach hin.

Die Theologie der Glaubensweitergabe

Die Kirche hat die Familie stets als die erste Hauskirche verstanden.

Eltern sind nicht einfach Lehrer.

Sie sind die ersten Zeugen.

Der Katechismus lehrt, dass Eltern die Aufgabe haben, das Evangelium vor allem durch das Beispiel ihres eigenen Lebens zu verkünden.

Kinder lernen weit mehr durch Beobachtung als durch Zuhören.

Sie entdecken, ob Gott tatsächlich an erster Stelle steht.

Sie entdecken, ob sich der Sonntag um die Eucharistie oder um den Sport dreht.

Sie entdecken, ob Vergebung tatsächlich gelebt wird.

Sie entdecken, ob das Gebet zum täglichen Leben gehört.

Der Glaube wird ansteckend, lange bevor er erklärt wird.

Was sollten Sie stattdessen tun?

Machen Sie den Glauben zu einer täglichen Erfahrung.

Sprechen Sie ganz selbstverständlich über Gott.

Beten Sie gemeinsam mit Ihren Kindern.

Danken Sie Gott zusammen, bevor Sie schlafen gehen.

Lehren Sie sie, Gottes Gegenwart in der Schöpfung zu entdecken.

Erzählen Sie ihnen, wie Gott in Ihrem eigenen Leben gewirkt hat.

Erklären Sie ihnen, warum Sie zur Heiligen Messe gehen.

Teilen Sie mit ihnen Ihre Zweifel und wie der Herr Sie trägt.

Wenn dann die Zeit der Katechese kommt, werden ihre Lehren nicht auf trockenen Boden fallen, sondern auf ein vorbereitetes Herz.

Denn bevor Kinder Antworten lernen, müssen sie entdecken, dass Gott eine wirkliche Person ist.


Fehler 2. Die Heiligen als vollkommen perfekte Menschen darstellen

Heilige aus Gips

Einer der häufigsten Fehler besteht wohl darin, die Heiligen so darzustellen, als wären sie bereits als Heilige geboren worden.

Kinder hören Geschichten, in denen alles vollkommen erscheint.

Sie zweifelten nie.

Sie hatten niemals Angst.

Sie machten niemals Fehler.

Sie weinten nie.

Sie scheiterten nie.

Das Ergebnis ist verheerend.

Das Kind denkt:

„Ich werde niemals so sein können wie sie.“

Denn es selbst hat Angst.

Es wird wütend.

Es lässt sich beim Beten ablenken.

Es streitet mit seinen Geschwistern.

Es empfindet Neid.

Es schämt sich.

Und so kommt es zu dem Schluss, dass Heiligkeit nur außergewöhnlichen Menschen vorbehalten sei.

Nichts könnte weiter vom Evangelium entfernt sein.

Gott beruft wirkliche Menschen

Die Bibel ist voller zutiefst unvollkommener Männer und Frauen.

Abraham zweifelte.

Mose hatte Angst.

David fiel schwer.

Jona floh.

Petrus verleugnete Jesus dreimal.

Thomas zweifelte.

Paulus verfolgte die Kirche.

Und dennoch schrieb Gott mit jedem einzelnen von ihnen eine Geschichte der Heiligkeit.

Warum?

Weil Heiligkeit nicht darin besteht, niemals zu fallen.

Sie besteht darin, durch die Gnade Gottes immer wieder aufzustehen.

Die Menschlichkeit der Heiligen

Die Heiligen weinten.

Sie wurden müde.

Sie erlebten Zeiten geistlicher Dunkelheit.

Sie kämpften gegen ihre eigenen Schwächen.

Viele litten unter Depressionen, Krankheiten, Verfolgungen oder langen inneren Nächten.

Die heilige Theresia vom Kinde Jesus (Thérèse von Lisieux) durchlebte eine äußerst schwere Glaubensprüfung.

Der heilige Petrus war impulsiv.

Der heilige Augustinus führte vor seiner Bekehrung ein ungeordnetes Leben.

Die heilige Josefine Bakhita erlitt die Grausamkeit der Sklaverei.

Der heilige Ignatius von Loyola war stolz.

Sie alle hatten ihre eigene Geschichte.

Und gerade deshalb können sie uns inspirieren.

Nicht weil sie unerreichbar gewesen wären.

Sondern weil sie Gott erlaubt haben, in ihrer Schwachheit zu wirken.

Wie der heilige Paulus sagt:

„Meine Gnade genügt dir; denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung.“
(2 Korinther 12,9)

Die eigentliche Botschaft

Die Heiligen sind keine Superhelden.

Sie sind Menschen, die Gott in ihrem Leben wirken ließen.

Ihre Größe besteht nicht darin, dass sie fehlerlos gewesen wären.

Sie besteht darin, dass sie niemals aufgehört haben, zu Christus zurückzukehren.

Wenn Kinder dies entdecken, erscheint Heiligkeit nicht länger wie ein unbezwingbarer Berg, sondern beginnt zu einer erreichbaren Berufung zu werden.

Was sollten Sie stattdessen tun?

Erzählen Sie das ganze Leben der Heiligen.

Sprechen Sie auch über ihre Kämpfe.

Über ihre Sünden, sofern es welche gab.

Über ihre Zweifel.

Über ihre Bekehrungen.

Erklären Sie ihnen, dass Gott auf krummen Zeilen gerade schreibt.

Lassen Sie sie verstehen, dass Heiligkeit nicht darin besteht, niemals Fehler zu machen, sondern jeden Tag ein wenig mehr zu lieben.

So werden sie entdecken, dass auch sie Heilige werden können.


Fehler 3. Nicht die Sprache der Kinder sprechen

Kinder lernen nicht durch Predigten

Allzu oft sprechen Erwachsene mit Kindern, als wären sie kleine Theologen.

Wir geben ihnen lange Erklärungen.

Vorträge.

Belehrungen.

Definitionen.

Doch Kinder lernen auf eine andere Weise.

Jesus wusste das vollkommen.

Deshalb lehrte Er in Gleichnissen.

Er sprach von Samen.

Von Schafen.

Von Fischern.

Von Weinbergen.

Von Brot.

Von Festen.

Er verwendete Bilder, die jeder verstehen konnte.

Er vereinfachte die Botschaft nicht.

Er machte sie den Menschen nahe.

Die Pädagogik Gottes

Die gesamte Heilsgeschichte zeigt, dass Gott seine Sprache dem Menschen anpasst.

Genau das ist die Menschwerdung.

Gott spricht unsere Sprache.

Er wird einer von uns.

Wenn Gott sich uns in einer verständlichen Sprache genähert hat, dann müssen auch wir es so tun.

Es genügt nicht, bloß Begriffe zu wiederholen.

Man muss sie in konkrete Erfahrungen übersetzen.

Ein Kind versteht Vergebung viel besser, wenn es sieht, wie seine Eltern sich versöhnen.

Es versteht die Liebe Gottes besser, wenn es die Liebe seiner Eltern selbst erfährt.

Es versteht die göttliche Vorsehung besser, wenn es hört, wie Gott der Familie in schwierigen Zeiten geholfen hat.

Die Gefahr einer Informationsüberflutung

Wir leben in einer Gesellschaft, die von Informationen überflutet wird.

Kinder erhalten jeden Tag Tausende von Eindrücken.

Der Glaube muss nicht dadurch konkurrieren, dass er noch mehr Informationen anbietet.

Er muss Sinn schenken.

Was ein Leben verändert, ist gewöhnlich keine Information.

Es ist eine Erfahrung.

Eine Geste.

Ein Gespräch.

Eine Umarmung.

Ein gemeinsames Gebet.

Was sollten Sie stattdessen tun?

Sprechen Sie weniger wie ein Lehrer und mehr wie ein Vater oder eine Mutter.

Stellen Sie Fragen.

Hören Sie zu.

Verwenden Sie Beispiele aus dem Alltag.

Verbinden Sie das Evangelium mit dem, was Ihre Kinder in der Schule erleben.

Erklären Sie ihnen, wie Gott auch in den kleinen Dingen wirkt.

Lesen Sie gemeinsam ein Gleichnis und fragen Sie sie, was es ihrer Meinung nach bedeutet.

Beten Sie spontan.

Nutzen Sie einen Spaziergang, eine gemeinsame Mahlzeit oder eine Autofahrt, um in aller Einfachheit über Gott zu sprechen.

Wenn ein Kind eine Frage stellt, sucht es in der Regel keinen Vortrag.

Es sucht ein Gespräch.

Der größte Katechismus ist das Leben der Eltern

Es gibt einen Satz, der verschiedenen christlichen Autoren zugeschrieben wird und die gesamte Glaubenserziehung treffend zusammenfasst:

„Deine Kinder werden vielleicht nur wenig auf deine Ratschläge hören, aber sie werden niemals aufhören, dein Beispiel zu beobachten.“

Die Weitergabe des Glaubens beginnt lange bevor man einen Katechismus aufschlägt.

Sie beginnt, wenn ein Kind seinen Vater knien sieht, um zu beten.

Wenn es beobachtet, wie seine Mutter vergibt.

Wenn es entdeckt, dass die Sonntagsmesse keine lästige Pflicht ist, sondern der wichtigste Augenblick der Woche.

Wenn es lernt, dass das Kreuz nicht bloß ein Schmuckstück ist, sondern das Zeichen der Liebe Christi.

Eltern sind nicht dazu berufen, vollkommen zu sein.

Sie sind dazu berufen, authentisch zu sein.

Kinder brauchen keine makellosen Helden.

Sie brauchen Erwachsene, die Gott lieben, die um Vergebung bitten, wenn sie Fehler machen, und die ihnen demütig den Weg zu Christus zeigen.


Schlussfolgerung: Heute säen für die Ewigkeit

Kinder im Glauben zu erziehen war noch nie einfach. Auch zur Zeit der ersten Christen war es nicht leicht. Und dennoch bleibt es bis heute die wichtigste Sendung, die Eltern anvertraut werden kann.

Die Welt wird unseren Kindern vieles beibringen: wie man Erfolg hat, wie man konsumiert, wie man sich im Wettbewerb behauptet oder wie man nach Ansehen strebt. Doch nur der Glaube wird ihnen zeigen, wer sie wirklich sind, worin der Sinn ihres Daseins besteht und welchem Ziel ihr Leben entgegengeht.

Machen wir das Evangelium nicht zu einem weiteren Schulfach.

Stellen wir die Heiligen nicht als unerreichbare Gestalten dar.

Sprechen wir nicht in einer Sprache, die ihre Herzen noch nicht verstehen können.

Machen wir stattdessen unsere Häuser zu kleinen Hauskirchen, in denen gebetet, miteinander gesprochen, vergeben und geliebt wird. Lassen wir unsere Kinder entdecken, dass Jesus Christus weder eine Gestalt der Vergangenheit noch lediglich eine Lektion aus dem Katechismus ist, sondern eine lebendige Person, die jeden Tag mit ihnen geht.

Dann werden sie verstehen, dass der Glaube nicht darin besteht, eine Prüfung zu bestehen, sondern mit Liebe auf Den zu antworten, der uns zuerst geliebt hat. Und das wird das schönste Erbe sein, das wir ihnen hinterlassen können: nicht nur die Kenntnis Gottes, sondern die persönliche Begegnung mit Ihm – eine Begegnung, die ein ganzes Leben verwandeln und die Tore der Ewigkeit öffnen kann.

Über catholicus

Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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