„Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn“

Das Herz des Christentums erklärt durch den zweiten Artikel des Glaubensbekenntnisses

Wenn ein Christ das Glaubensbekenntnis betet, ist ihm vielleicht nicht immer bewusst, wie gewaltig das ist, was er verkündet. Doch jede einzelne Aussage des Credos ist eine Zusammenfassung von Jahrhunderten der Offenbarung, des Gebets, des Martyriums und der theologischen Betrachtung. Unter all seinen Aussagen nimmt eine den absoluten Mittelpunkt des christlichen Glaubens ein:

„Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.“

Hier stehen wir nicht einfach vor einer schönen religiösen Formel oder einer alten Aussage, die mechanisch in der Messe wiederholt wird. Wir stehen vor der revolutionärsten Erklärung der Menschheitsgeschichte: Gott wurde Mensch, um uns zu retten.

Der zweite Artikel des Glaubensbekenntnisses führt uns direkt in das Geheimnis Jesu Christi ein. Er spricht über seine göttliche Identität, seine erlösende Sendung, seine ewige Beziehung zum Vater und die Erfüllung aller Verheißungen des Alten Testaments.

In einer Zeit, in der viele Jesus auf einen „moralischen Lehrer“, einen „spirituellen Führer“ oder einen „humanistischen Propheten“ reduzieren, verkündet die Kirche weiterhin genau das, was die Apostel vor zweitausend Jahren verkündet haben: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch.

Und dies zu verstehen verändert das Leben vollkommen.


Was lehrt uns der zweite Artikel des Glaubensbekenntnisses?

Der traditionelle Katechismus antwortet:

„Der zweite Artikel des Glaubensbekenntnisses lehrt uns, dass der Sohn Gottes die zweite Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist; dass Er ewiger, allmächtiger Gott, Schöpfer und Herr ist wie der Vater; dass Er Mensch geworden ist, um uns zu retten, und dass der menschgewordene Sohn Gottes Jesus Christus genannt wird.“

Hier erscheinen mehrere grundlegende Wahrheiten:

  • Jesus begann nicht erst in Bethlehem zu existieren.
  • Jesus Christus ist kein Geschöpf.
  • Er ist kein „kleinerer Gott“.
  • Er ist nicht nur ein außergewöhnlicher Mensch.
  • Er ist ewig.
  • Er ist Gott.
  • Er ist der ewige Sohn des Vaters.
  • Und Er wurde aus Liebe zu uns Mensch.

Der gesamte katholische Glaube kreist um diese Wahrheit.

Der heilige Johannes drückt dies mit beeindruckender Tiefe aus:

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14).

Das Christentum ist keine abstrakte Philosophie.
Es ist die Begegnung mit einer göttlichen Person.


Jesus Christus: Das ewige Wort des Vaters

Warum wird die zweite Person „Sohn“ genannt?

Der Katechismus lehrt:

„Die zweite Person wird Sohn genannt, weil sie vom Vater durch den Weg des Verstandes von Ewigkeit her gezeugt wird.“

Das mag für den modernen Menschen kompliziert klingen, der gewohnt ist, nur in materiellen Kategorien zu denken. Doch die Kirche versucht hier, ein ewiges Geheimnis zu erklären: In Gott existiert eine vollkommene geistige Zeugung.

Der Vater erkennt sich selbst unendlich und zeugt dadurch ewig den Sohn.

Deshalb wird Er auch genannt:

  • Wort Gottes
  • Ewiger Logos
  • Ewige Weisheit des Vaters

Es handelt sich nicht um eine „Sohnschaft“ im biologischen oder menschlichen Sinn.
Es gab niemals einen „Moment“, in dem der Sohn zu existieren begann.

Der Sohn existiert ewig mit dem Vater.

Darum sagt das Glaubensbekenntnis später:

„Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen.“

Diese Unterscheidung war in der Geschichte der Kirche von entscheidender Bedeutung. In den ersten Jahrhunderten entstanden Irrlehren wie der Arianismus, die behaupteten, Jesus sei ein sehr vollkommenes Geschöpf, aber nicht wahrhaft Gott.

Die Kirche antwortete darauf mit absoluter Klarheit auf dem Konzil von Nicäa (325):

Christus besitzt dieselbe göttliche Natur wie der Vater.

Er ist Gott nicht nur ähnlich.
Er ist Gott.


Warum ist Jesus Christus der „eingeborene Sohn“?

Hier stellt sich eine interessante Frage:

Wenn wir alle Kinder Gottes sind, warum wird Jesus dann „eingeborener Sohn“ genannt?

Der Katechismus gibt eine wunderschöne Antwort:

„Weil nur Er Sohn von Natur ist, während wir Söhne durch Schöpfung und Annahme sind.“

Hier liegt der gewaltige Unterschied zwischen Christus und uns.

Wir sind angenommene Kinder

Gott erschafft uns und nimmt uns durch die Gnade an Kindes Statt an.

Durch die Taufe erhalten wir Anteil am göttlichen Leben.

Aber wir sind nicht von Natur aus göttlich.

Christus ist Sohn von Natur

Jesus „nimmt“ nicht bloß an der Gottheit teil:
Er besitzt sie ewig.

Wir werden Kinder Gottes.
Er ist ewig der Sohn.

Und hier erscheint eine zutiefst bewegende Wahrheit:

Christus kam, damit wir an seiner Sohnschaft Anteil erhalten.

Der heilige Athanasius fasste dies so zusammen:

„Gott wurde Mensch, damit der Mensch Sohn Gottes werde.“


„Unser Herr“: Ein heute vergessenes Wort

Wir leben in einer Kultur, die von persönlicher Autonomie besessen ist.

Die Vorstellung von „Herrschaft“ macht den modernen Menschen unruhig, weil sie Gehorsam, Abhängigkeit und Autorität bedeutet. Doch genau das verkündet das Christentum:

Jesus Christus ist Herr.

Nicht nur Lehrer.
Nicht nur Inspiration.
Nicht nur Vorbild.

Herr.

Der Katechismus erklärt:

„Jesus Christus wird unser Herr genannt, weil Er uns nicht nur zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist erschaffen hat, sondern uns auch erlöst hat.“

Das bedeutet:

  • Er hat uns erschaffen,
  • Er erhält uns,
  • Er hat uns erlöst,
  • und wir gehören Ihm.

Der heilige Paulus schreibt:

„Ihr gehört nicht euch selbst; ihr seid um einen hohen Preis erkauft worden“ (1 Kor 6,19–20).

Die Moderne möchte einen Christus, der „motiviert“, aber keinen Christus als König.

Doch das Evangelium kann nicht von seiner göttlichen Autorität getrennt werden.

Christus anzunehmen bedeutet, seine Herrschaft anzunehmen über:

  • unsere Moral,
  • unsere Sexualität,
  • unser Geld,
  • unsere Entscheidungen,
  • unsere Zeit,
  • unser Gewissen,
  • unser ganzes Leben.

Darum wird das echte Christentum immer unbequem für die Welt sein.


Der Name Jesu: Der Name, der rettet

Was bedeutet „Jesus“?

Der Katechismus antwortet:

„Jesus bedeutet Erlöser.“

Der Name stammt vom hebräischen Yehoshua oder Yeshua und bedeutet:

„Gott rettet.“

Es ist kein zufälliger Name.

In der Bibel drückt der Name Identität und Sendung aus.

Christus kam nicht nur, um zu lehren.
Er kam, um zu retten.

Wovor zu retten?

  • vor der Sünde,
  • vor der ewigen Verdammnis,
  • vor der Knechtschaft des Teufels,
  • und vor dem geistlichen Tod.

Heute sprechen viele von Jesus wie von einem emotionalen Therapeuten, vergessen dabei aber das zentrale Wort des Evangeliums:

Erlösung.

Christus kam, um die gefallene Menschheit zu retten.


Der Erzengel Gabriel und die Verkündigung der Menschwerdung

Der Katechismus erinnert daran, dass Gott selbst den Namen Jesus durch den Erzengel Gabriel bei der Verkündigung gegeben hat.

Hier sehen wir etwas Außergewöhnliches:

Die ganze Geschichte läuft in Nazareth zusammen.

Die Ewigkeit tritt in die Zeit ein.

Der Schöpfer tritt in seine Schöpfung ein.

Marias „Ja“ verändert die Geschichte der Menschheit.

Darum ist die Menschwerdung keine nebensächliche Einzelheit des Christentums: Sie ist das absolute Zentrum der Geschichte.


Christus: König, Priester und Prophet

Was bedeutet „Christus“?

„Christus“ bedeutet:

„Der Gesalbte.“

Es entspricht dem hebräischen Begriff „Messias“.

Im Alten Testament wurden gesalbt:

  • Könige,
  • Priester,
  • und Propheten.

Jesus erfüllt alle drei Ämter vollkommen.

Christus der König

Er herrscht nicht durch politische Gewalt, sondern vom Kreuz aus.

Sein Reich ist weder ideologisch noch parteipolitisch.
Es ist geistlich, universell und ewig.

Christus der Priester

Er ist der wahre Hohepriester, der das vollkommene Opfer darbringt:

Sein eigenes Leben.

Die gesamte katholische Liturgie kreist um dieses ewige Priestertum.

Christus der Prophet

Er verkündet nicht nur die Wahrheit.
Er ist die Wahrheit.


Eine nicht leibliche, sondern göttliche Salbung

Im Unterschied zu den Königen der Antike wurde Jesus nicht mit materiellem Öl gesalbt, um menschliche Macht zu empfangen.

Der Katechismus lehrt:

„Die Salbung Jesu Christi war ganz geistig und göttlich.“

In Christus wohnt die Fülle der Gottheit.

Hier erscheint das Geheimnis der hypostatischen Union:

Jesus Christus = wahre go¨ttliche Natur + wahre menschliche Natur in einer einzigen go¨ttlichen Person\text{Jesus Christus = wahre göttliche Natur + wahre menschliche Natur in einer einzigen göttlichen Person}Jesus Christus = wahre go¨ttliche Natur + wahre menschliche Natur in einer einzigen go¨ttlichen Person

Auch wenn dies keine mathematische Formel ist, hilft diese Zusammenfassung, die zentrale Lehre des Christentums zu verstehen:

  • Jesus ist vollkommen Gott.
  • Jesus ist vollkommen Mensch.
  • Es sind nicht zwei Personen.
  • Er ist eine einzige göttliche Person.

Dies wurde auf dem Konzil von Chalcedon (451) feierlich definiert.


Der seit dem Anfang erwartete Messias

Der Katechismus lehrt etwas Faszinierendes:

Die Menschheit wusste schon vor Bethlehem von der Ankunft Christi.

Seit Adam und Eva versprach Gott einen Erlöser.

Die ganze Bibel weist auf Christus hin

Das Alte Testament ist keine lose Sammlung alter Geschichten.

Es ist eine Vorbereitung auf Jesus.

Die messianischen Prophezeiungen kündigten an:

  • seine Geburt,
  • seine Abstammung,
  • seine Wunder,
  • sein Leiden,
  • seinen Tod,
  • seine Auferstehung,
  • und sein ewiges Reich.

Die in Christus erfüllten Prophezeiungen

Die prophetische Erfüllung in Jesus ist eines der beeindruckendsten Argumente für den christlichen Glauben.

Einige bemerkenswerte messianische Prophezeiungen

Er würde aus dem Geschlecht Davids stammen

Vorhergesagt in:

  • Jesaja
  • Jeremia
  • Samuel

Erfüllt in den Evangelien.

Er würde in Bethlehem geboren werden

Der Prophet Micha kündigte dies Jahrhunderte zuvor an.

Er würde für die Sünden des Volkes leiden

Jesaja 53 beschreibt das Leiden Christi mit erstaunlicher Genauigkeit.

Er würde durchbohrt werden

Psalm 22 scheint die Kreuzigung Jahrhunderte vor den Römern zu schildern.


Die Vorbilder des Alten Testaments

Der Katechismus erwähnt symbolische Gestalten, die auf Christus hinweisen.

Dies nennt man biblische Typologie.

Abel

Der unschuldig Ermordete.

Isaak

Der Sohn, der von seinem Vater geopfert werden sollte.

Josef

Von seinen Brüdern verkauft und später zum Retter seines Volkes geworden.

Jona

Drei Tage im Bauch des großen Fisches: ein Bild der Auferstehung.

Das Paschalamm

Das Blut, das vor dem Tod rettet.

Die bronzene Schlange

Von Mose erhöht, um das Volk zu heilen.

Jesus selbst sagte:

„Wenn ich erhöht bin, werde ich alle Menschen an mich ziehen.“

Die ganze Schrift läuft in Ihm zusammen.


Woher wissen wir, dass Jesus Christus wahrer Gott ist?

Der Katechismus nennt vier Grundlagen.

1. Das Zeugnis des Vaters

Bei der Taufe und bei der Verklärung ertönt die Stimme:

„Dies ist mein geliebter Sohn.“

2. Das Zeugnis Christi selbst

Jesus sagte Dinge, die für einen bloßen Menschen absolut unmöglich wären:

  • „Ehe Abraham wurde, BIN ICH.“
  • „Der Vater und ich sind eins.“
  • „Wer mich sieht, sieht den Vater.“

Die Juden verstanden genau, was Er sagte:
Er machte sich Gott gleich.

3. Die Wunder

Die Wunder waren nicht bloß „Wundertaten“.

Sie waren Zeichen göttlicher Autorität.

Christus:

  • beruhigt das Meer,
  • erweckt Tote,
  • vergibt Sünden,
  • vermehrt Brote,
  • heilt augenblicklich.

Und das höchste Wunder ist die Auferstehung.

Ohne die Auferstehung bricht das Christentum zusammen.

Mit der Auferstehung verändert sich alles.

4. Die beständige Tradition der Kirche

Von den Aposteln bis heute hat die Kirche niemals aufgehört zu verkünden:

Jesus Christus ist Gott.

Trotz Verfolgungen, Irrlehren und kultureller Angriffe bleibt diese Wahrheit unerschüttert bestehen.


Die Wunder Christi und der moderne geistliche Hunger

Der Katechismus zählt konkrete Wunder auf:

  • Er gab den Blinden das Augenlicht,
  • den Tauben das Gehör,
  • den Toten das Leben,
  • den Kranken die Gesundheit.

Doch die körperlichen Wunder offenbarten etwas Tieferes:

Christus kam, um die menschliche Seele zu heilen.

Heute gibt es eine gewaltige geistliche Leere.

Wir haben Technologie, Unterhaltung und Konsum, aber zugleich:

  • Angst,
  • Depression,
  • Nihilismus,
  • Einsamkeit,
  • Verlust des Lebenssinns.

Der moderne Mensch braucht noch immer genau dasselbe wie vor zweitausend Jahren:

Erlösung.


Jesus Christus ist keine Idee: Er ist eine lebendige Person

Der zweite Artikel des Glaubensbekenntnisses ist keine kalte philosophische Abhandlung.

Er ist eine Einladung.

An Jesus Christus zu glauben bedeutet:

  • Ihm zu vertrauen,
  • Ihm zu gehorchen,
  • Ihn zu lieben,
  • Ihm nachzufolgen,
  • sich von Ihm verwandeln zu lassen.

Es genügt nicht, Jesus nur historisch zu bewundern.

Auch der Teufel weiß, wer Christus ist.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:

Ist Er wirklich der Herr unseres Lebens?


Die heutige Herausforderung: Den Glauben an Christus wiederfinden

Wir leben in Zeiten doktrinärer Verwirrung und geistlicher Oberflächlichkeit.

Viele Getaufte:

  • kennen das Glaubensbekenntnis nicht,
  • ignorieren die Lehre,
  • reduzieren den Glauben auf Gefühle,
  • oder passen das Evangelium der modernen Welt an.

Doch der zweite Artikel des Glaubensbekenntnisses bleibt ein unerschütterlicher Fels.

Jesus Christus:

  • ist Gott,
  • ist Erlöser,
  • ist König,
  • ist Herr,
  • ist der verheißene Messias,
  • ist der Erlöser der Welt,
  • und Er wird in Herrlichkeit wiederkommen.

Die Kirche verkündet nicht einfach Werte.
Sie verkündet eine göttliche Person.


Schlussfolgerung: Der Name über allen Namen

Der heilige Paulus schrieb:

„Im Namen Jesu soll jedes Knie sich beugen im Himmel, auf der Erde und unter der Erde“ (Phil 2,10).

Der zweite Artikel des Glaubensbekenntnisses führt uns zum Mittelpunkt des Universums:

Jesus Christus.

Es gibt kein Christentum ohne Christus.
Es gibt kein Heil außerhalb von Ihm.
Es gibt keine wahre Hoffnung fern von Ihm.

In einer zerrissenen, verwirrten und erschöpften Welt verkündet das Glaubensbekenntnis weiterhin dieselbe ewige Wahrheit:

Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.

Und wer wirklich entdeckt, wer Christus ist, kann niemals mehr so leben wie zuvor.

Über catholicus

Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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