Der heilige Johannes von Damaskus und die Transsubstantiation: Der Heilige, der die wirkliche Gegenwart Christi Jahrhunderte vor Trient verteidigte

Wenn Katholiken bekennen, dass Brot und Wein während der Heiligen Messe wahrhaft zum Leib und Blut Jesu Christi werden, dann vertreten wir keine mittelalterliche Lehre, die Jahrhunderte nach den Aposteln erfunden wurde. Ebenso handelt es sich nicht um eine bloß symbolische Auslegung oder um eine fromme Andacht, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Der Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie wurzelt in den Worten unseres Herrn selbst, in der Lehre der Apostel und im beständigen Zeugnis der Kirchenväter.

Unter diesen großen Zeugen ragt eine außergewöhnliche Gestalt hervor: der heilige Johannes von Damaskus (auch Johannes Damascenus genannt), einer der bedeutendsten Theologen des christlichen Ostens und einer der letzten großen Kirchenväter. Er lebte im 7. und 8. Jahrhundert, lange bevor der Begriff „Transsubstantiation“ im Mittelalter offiziell von der Kirche definiert wurde. Dennoch lehrte er mit bemerkenswerter Klarheit genau das, was Katholiken auch heute noch glauben.

Seine Lehre stellt einen überwältigenden historischen Beweis gegen die Behauptung dar, die katholische Eucharistielehre sei eine späte Neuerung. Gleichzeitig bietet sie den Gläubigen unserer Zeit eine tiefgehende geistliche Orientierung, da wir in einer Epoche leben, die vom Verlust des Sinnes für das Heilige und von einem Rückgang des eucharistischen Glaubens geprägt ist.


Wer war der heilige Johannes von Damaskus?

Der heilige Johannes von Damaskus wurde um das Jahr 675 in der Stadt Damaskus geboren, die damals unter muslimischer Herrschaft stand.

Er entstammte einer einflussreichen christlichen Familie und erhielt eine außergewöhnliche Ausbildung in Philosophie, Theologie, Wissenschaft und Literatur. Nachdem er eine Zeit lang in der staatlichen Verwaltung tätig gewesen war, verließ er das öffentliche Leben und trat in das Kloster des heiligen Sabbas in der Nähe von Jerusalem ein.

Dort entfaltete er ein gewaltiges geistiges und spirituelles Wirken.

Besonders bekannt ist er dafür:

  • Die Verehrung heiliger Bilder während des Ikonoklasmus verteidigt zu haben.
  • Die patristische Theologie systematisiert zu haben.
  • Grundlegende Werke über den christlichen Glauben verfasst zu haben.
  • Als einer der größten Kirchenlehrer des Ostens zu gelten.

Sein bekanntestes Werk, Die Quelle der Erkenntnis, gehört zu den bedeutendsten theologischen Gesamtdarstellungen der christlichen Antike.

Bemerkenswert ist, dass er über die Eucharistie mit einer theologischen Präzision spricht, die spätere dogmatische Definitionen vorwegzunehmen scheint.


Die große Frage: Was geschieht wirklich in der Messe?

Diese Frage begleitet die Kirche seit ihren Anfängen.

Wenn der Priester die Wandlungsworte spricht:

„Das ist mein Leib“

„Das ist mein Blut“

geschieht dann etwas Wirkliches?

Oder handelt es sich lediglich um ein Symbol?

Für den heiligen Johannes von Damaskus war die Antwort eindeutig:

Es findet eine wahre und übernatürliche Verwandlung statt.

Wir haben es nicht mit einer Darstellung, einem Bild oder einer bloßen Erinnerung zu tun.

Wir begegnen Jesus Christus selbst.


Die Worte Christi sind keine Metapher

Der heilige Johannes von Damaskus geht von einem einfachen Gedanken aus.

Gott lügt nicht.

Wenn Christus also sagt:

„Das ist mein Leib“,

dann meint Er nicht:

„Das stellt meinen Leib dar.“

Wenn Er sagt:

„Das ist mein Blut“,

dann sagt Er nicht:

„Das symbolisiert mein Blut.“

Der Heilige schreibt:

„Brot und Wein sind nicht ein Bild des Leibes und Blutes Christi – Gott bewahre! Sie sind der Leib des Herrn selbst, vergöttlicht.“

Diese Aussage ist außerordentlich stark.

Sie lässt keinen Raum für rein symbolische Deutungen.

Für ihn ist die Eucharistie wahrhaft Jesus Christus selbst, gegenwärtig unter den sakramentalen Gestalten.


Die schöpferische Kraft des Wortes Gottes

Der heilige Johannes von Damaskus verwendet ein zutiefst biblisches Argument.

Er erinnert daran, dass Gott das Universum durch sein Wort erschaffen hat.

Im Buch Genesis lesen wir:

„Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ (Gen 1,3)

Wenn das göttliche Wort das gesamte Universum aus dem Nichts erschaffen konnte, warum sollte es dann nicht Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandeln können?

Für Johannes von Damaskus liegt die Schwierigkeit nicht in Gottes Macht, sondern in unserem begrenzten Verstand.

Die göttliche Allmacht übersteigt die Fähigkeiten der menschlichen Vernunft unendlich.


Das Wirken des Heiligen Geistes

Ein besonders wichtiger Aspekt der Lehre des heiligen Johannes von Damaskus ist die Rolle des Heiligen Geistes.

Er erklärt, dass die eucharistische Verwandlung durch göttliches Wirken geschieht.

Er schreibt:

„Der Heilige Geist kommt herab und vollbringt das, was jedes Wort und jeden Gedanken übersteigt.“

Hier finden wir ein grundlegendes Element der östlichen Theologie.

Die eucharistische Wandlung ist weder ein beobachtbares physisches Phänomen noch ein chemischer Prozess.

Sie ist ein übernatürliches Handeln Gottes.

Die Sinne nehmen Brot und Wein wahr.

Der Glaube erkennt den Erlöser.


Eine Lehre, die die Transsubstantiation vorwegnimmt

Das Wort „Transsubstantiation“ sollte erst Jahrhunderte später als technischer Begriff zur Erklärung dieser Wirklichkeit erscheinen.

Die Kirche definierte es feierlich auf dem Konzil von Trient als Antwort auf die protestantischen Irrtümer.

Doch die Lehre selbst existierte bereits.

Der heilige Johannes von Damaskus lehrt genau das Wesentliche:

  • Das Brot hört auf, Brot zu sein.
  • Der Wein hört auf, Wein zu sein.
  • Nur die äußeren Erscheinungen bleiben bestehen.
  • Die innere Wirklichkeit wird Christus selbst.

Genau dies bezeichnete die spätere lateinische Theologie als Transsubstantiation.

Der Glaube hat sich nicht verändert.

Verändert hat sich lediglich die technische Sprache, mit der er beschrieben wurde.


Die Grundlage in der Heiligen Schrift

Die Lehre des heiligen Johannes von Damaskus entspringt keiner isolierten Reflexion.

Sie ist fest in der Heiligen Schrift verwurzelt.

Die Rede vom Brot des Lebens

Im sechsten Kapitel des Johannesevangeliums erklärt Christus:

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben; und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“ (Joh 6,51)

Seine Zuhörer reagieren mit Empörung.

Doch Jesus korrigiert kein vermeintliches Missverständnis.

Im Gegenteil.

Er betont seine Aussage noch stärker.

„Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ (Joh 6,55)

Diese Worte bilden eine der tragenden Säulen der Eucharistielehre.


Das Letzte Abendmahl

Während des jüdischen Paschafestes nimmt Christus Brot und Wein und spricht:

„Nehmet und esset; das ist mein Leib.“ (Mt 26,26)

„Trinket alle daraus; denn das ist mein Blut.“ (Mt 26,27–28)

Für den heiligen Johannes von Damaskus sind diese Worte entscheidend.

Die Kirche glaubt einfach das, was Christus gesagt hat.


Der heilige Paulus

Der Apostel lehrt:

„Wer daher unwürdig das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und Blut des Herrn.“ (1 Kor 11,27)

Wäre die Eucharistie lediglich ein Symbol, ergäbe diese Warnung wenig Sinn.

Niemand kann sich durch ein bloßes Symbol am Leib und Blut Christi schuldig machen.

Die Schwere der Sünde beweist die Wirklichkeit der Gegenwart.


Eine Antwort für unsere Zeit

Wir leben in einer Zeit, die von einer tiefen Krise des eucharistischen Glaubens geprägt ist.

Viele Getaufte:

  • Glauben nicht mehr an die wirkliche Gegenwart.
  • Betrachten die Messe lediglich als gemeinschaftliche Versammlung.
  • Empfangen die Heilige Kommunion ohne geistliche Vorbereitung.
  • Haben den Sinn für das Geheimnis verloren.

In dieser Situation klingt die Stimme des heiligen Johannes von Damaskus erstaunlich aktuell.

Er erinnert uns daran, dass der Altar kein gewöhnlicher Tisch ist.

Die konsekrierte Hostie ist kein gewöhnlicher religiöser Gegenstand.

Die Messe ist keine theatralische Nachstellung des Letzten Abendmahls.

Sie ist das Opfer Christi, das sakramental gegenwärtig wird.


Praktische Konsequenzen für das geistliche Leben

1. Das Staunen wiederentdecken

Wenn wir wirklich an die wirkliche Gegenwart glauben, sollte jede Messe ein außergewöhnliches Ereignis sein.

Wir besuchen nicht einfach einen Vortrag.

Wir gehen dem König des Universums entgegen.


2. Die Kommunion im Stand der Gnade empfangen

Die traditionelle Lehre der Kirche bleibt unverändert.

Wer sich einer Todsünde bewusst ist, sollte zuerst das Sakrament der Beichte empfangen.

Der heilige Paulus warnt:

„Wer unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich das Gericht.“ (1 Kor 11,29)

Die Eucharistie verlangt geistliche Vorbereitung.


3. Sorgfalt gegenüber eucharistischen Partikeln

Wenn Christus wirklich gegenwärtig ist, verdienen selbst die kleinsten Partikel der Hostie Ehrfurcht.

Diese Überzeugung war stets Bestandteil der liturgischen Tradition sowohl des Ostens als auch des Westens.


4. Eucharistische Anbetung praktizieren

Der Glaube an die wirkliche Gegenwart führt ganz natürlich zur Anbetung.

Wenn Christus wirklich gegenwärtig ist, dann ist es vollkommen folgerichtig, Ihn auch außerhalb der Messe anzubeten.


5. Eucharistisch leben

Die Kommunion endet nicht, wenn wir die Kirche verlassen.

Christus tritt in unsere Seele ein, um sie zu verwandeln.

Die Eucharistie muss sich widerspiegeln in:

  • Der Nächstenliebe.
  • Der Reinheit des Lebens.
  • Dem Gebet.
  • Dem Kampf gegen die Sünde.
  • Der Treue zu Gott.

Die erstaunliche Kontinuität des katholischen Glaubens

Einer der faszinierendsten Aspekte des heiligen Johannes von Damaskus besteht darin zu sehen, wie vollkommen seine Lehre mit der heutigen katholischen Lehre übereinstimmt.

Wir finden keinen anderen Glauben.

Wir sehen keine radikale Lehrentwicklung.

Wir sehen denselben Glauben, der durch die Jahrhunderte hindurch ausgedrückt wird.

Die Kirche des 8. Jahrhunderts glaubte genau das, was die Kirche des 21. Jahrhunderts glaubt:

dass Jesus Christus wahrhaft, wirklich und wesentlich in der Eucharistie gegenwärtig ist.

Die theologische Formulierung wurde im Laufe der Zeit verfeinert.

Die geglaubte Wahrheit blieb unverändert.


Schlussfolgerung: Der heilige Johannes von Damaskus lädt uns ein, niederzuknien

Die große Lehre des heiligen Johannes von Damaskus ist nicht nur intellektuell.

Sie ist zutiefst geistlich.

Seine Theologie führt unausweichlich zur Anbetung.

Vor dem eucharistischen Geheimnis besteht die angemessene Antwort nicht nur im Studium.

Sondern im Glauben.

Im Lieben.

Im Anbeten.

In einer Kultur, die den Sinn für das Heilige verloren hat, erinnert uns der Heilige von Damaskus daran, dass jedes Mal, wenn wir an der Heiligen Messe teilnehmen, das größte Wunder der Erde geschieht: Christus selbst wird auf dem Altar gegenwärtig.

Wenn wir daher eine konsekrierte Hostie betrachten, sollten wir uns an das unausgesprochene Zeugnis der gesamten katholischen Tradition erinnern – von den Aposteln bis zum heiligen Johannes von Damaskus:

Wir stehen nicht vor einem Symbol. Wir stehen nicht vor einer Erinnerung. Wir stehen nicht vor einer Darstellung. Wir stehen vor Jesus Christus, wahrem Gott und wahrem Menschen, verborgen unter den demütigen Gestalten von Brot und Wein, um bis zum Ende der Zeiten bei uns zu bleiben.

Und wenn dies wahr ist – und die Kirche bekennt diese Wahrheit seit zwanzig Jahrhunderten –, dann sollte sich unser ganzes Leben um den Tabernakel drehen, denn dort wartet auf uns Derjenige, der gesagt hat:

„Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20).

Über catholicus

Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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