Weit mehr als das Glaubensbekenntnis: 40 % des Katechismus sind dem rechten Handeln und dem Gebet gewidmet

Die große Entdeckung, die viele Katholiken noch nicht gemacht haben

Wenn jemand das Wort Katechismus hört, stellt er sich häufig ein dickes Buch voller schwieriger Definitionen, theologischer Formeln und Begriffe vor, die nur für Theologen oder Priester bestimmt sind. Für viele erscheint der Katechismus der Katholischen Kirche lediglich als eine Art „Handbuch der Dogmen“, dessen einziger Zweck darin besteht zu erklären, was Katholiken glauben sollen.

Doch diese Vorstellung ist weit von der Wirklichkeit entfernt.

Von den 2.865 Abschnitten des Katechismus der Katholischen Kirche sind nahezu 40 % der Frage gewidmet, wie der Christ leben und wie er beten soll. Mit anderen Worten: Ein beträchtlicher Teil dieses Werkes erklärt nicht nur, was man glauben soll, sondern zeigt auch, wie dieser Glaube in ein konkretes Leben Tag für Tag umgesetzt werden kann.

Diese Tatsache verändert unsere gesamte Sichtweise.

Denn das Christentum war niemals lediglich eine Philosophie oder eine Sammlung religiöser Ideen. Es ist ein neues Leben. Es ist ein Weg. Es ist die Verwandlung des menschlichen Herzens.

Wie der heilige Jakobus schreibt:

„So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.“ (Jakobus 2,17)

Und wie unser Herr selbst lehrt:

„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ (Matthäus 7,21)

Der Katechismus spiegelt genau diese Wirklichkeit wider.

Er beginnt nicht mit dem Glaubensbekenntnis und endet auch nicht dort.

Vielmehr zeigt er weiter auf, wie dieser Glaube unsere Entscheidungen, unsere Beziehungen, unsere Arbeit, unsere Ehe, unsere Art zu leiden, zu lieben, zu vergeben und sogar unsere Weise, mit Gott zu sprechen, verwandelt.


Der Katechismus: Eine vollständige Zusammenfassung des christlichen Lebens

Als der heilige Johannes Paul II. im Jahr 1992 den Katechismus der Katholischen Kirche durch die Apostolische Konstitution Fidei Depositum promulgierte, erklärte er ausdrücklich, dass es sich nicht lediglich um ein theologisches Lehrbuch handle.

Es sei vielmehr eine vollständige Darstellung des katholischen Glaubens.

Aus diesem Grund ist der Katechismus in vier große Teile gegliedert, die den vier untrennbaren Dimensionen des christlichen Lebens entsprechen.

Erster Teil: Was wir glauben

Hier finden wir das Glaubensbekenntnis.

Nicht als eine Liste abstrakter Aussagen, sondern als die Geschichte der Liebe Gottes zur Menschheit.

Dieser Teil erklärt:

  • Gott, den Vater und Schöpfer;
  • Jesus Christus, den Erlöser;
  • den Heiligen Geist;
  • die Kirche;
  • die Sakramente;
  • die Auferstehung;
  • das ewige Leben.

All dies beantwortet eine grundlegende Frage:

Wer ist Gott, und was hat er für uns getan?


Zweiter Teil: Wie wir die Gnade empfangen

Der Glaube wird nicht allein gelebt.

Gott handelt.

Deshalb widmet der Katechismus einen ganzen Abschnitt den Sakramenten.

Hier werden erläutert:

  • die Taufe;
  • die Firmung;
  • die Eucharistie;
  • das Bußsakrament;
  • die Krankensalbung;
  • die Weihe;
  • die Ehe.

Denn Gott bleibt nicht fern.

Er kommt dem Menschen durch die sakramentale Gnade immer wieder entgegen.


Dritter Teil: Wie wir leben sollen

Hier begegnen wir einer der größten Überraschungen des Katechismus.

Dieser gesamte Abschnitt – einer der umfangreichsten des Werkes – entfaltet das christliche Sittenleben.

Es geht nicht einfach darum, immer wieder zu sagen:

„Du sollst nicht stehlen.“

„Du sollst nicht lügen.“

„Du sollst nicht töten.“

Der Katechismus geht weit darüber hinaus.

Er erklärt, wie man wirklich heilig werden kann.

Hier finden sich Themen wie:

  • die Freiheit;
  • das Gewissen;
  • die Tugenden;
  • die Sünde;
  • die Gnade;
  • die Seligpreisungen;
  • die Zehn Gebote, die einzeln ausführlich erklärt werden.

Jedes Gebot nimmt zahlreiche Seiten ein.

Nicht weil Gott uns möglichst viele Verbote auferlegen möchte.

Sondern weil er uns lehren will, richtig zu lieben.


Vierter Teil: Wie wir beten sollen

Viele Leser sind überrascht, wenn sie entdecken, dass der Katechismus fast seinen gesamten letzten Teil dem Gebet widmet.

Und zwar nicht einfach dem Gebet im Allgemeinen.

Im Mittelpunkt steht besonders das Vaterunser.

Warum?

Weil Jesus selbst dieses Gebet gelehrt hat.

Es gibt keine vollkommenere Schule des geistlichen Lebens.

Glaube kann niemals vom Leben getrennt werden

Eine der größten religiösen Krisen unserer Zeit besteht darin, den Glauben vom konkreten Leben zu trennen.

Viele Menschen denken:

„Ich glaube an Gott.“

Und doch leben sie genau wie jemand, der nicht glaubt.

Der Katechismus wendet sich von Anfang an gegen diese Trennung.

Abschnitt 1691 beginnt mit den Worten:

„Christ, erkenne deine Würde.“

Er beginnt nicht mit Drohungen.

Er beginnt damit, uns daran zu erinnern, wer wir sind.

Denn die christliche Moral entspringt nicht der Angst.

Sie entspringt unserer Identität.

Wenn wir durch die Taufe Kinder Gottes geworden sind, dann sind wir auch dazu berufen, als Kinder Gottes zu leben.


Die christliche Moral ist keine Sammlung von Verboten

Wohl kaum eine Vorstellung hat dem Verständnis des katholischen Glaubens so sehr geschadet wie die Annahme, die christliche Moral bestehe lediglich aus einer Liste von Verboten.

Nichts könnte falscher sein.

Die christliche Moral ist vor allem eine Antwort auf die Liebe Gottes.

Jesus sagt nicht:

„Halte die Gebote ein, dann werde ich dich lieben.“

Er sagt:

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Johannes 14,15)

Die Reihenfolge ist entscheidend.

Zuerst kommt die Liebe.

Dann folgt der Gehorsam.

Der Gehorsam erkauft nicht die Liebe Gottes.

Er ist ihre Folge.


Die Zehn Gebote sind ein Weg zum Glück

Viele Menschen betrachten die Gebote als eine Last.

Der Katechismus stellt sie in einem ganz anderen Licht dar.

Sie beschreiben, wie ein wirklich freier Mensch lebt.

Du sollst nicht töten.

Du sollst nicht lügen.

Du sollst nicht stehlen.

Ehre deinen Vater und deine Mutter.

Achte die Ehe.

Heilige den Tag des Herrn.

Alle diese Gebote schützen das, was ein wahrhaft erfülltes menschliches Leben ermöglicht.

Gott verbietet nichts aus Willkür.

Er schützt das, was er liebt.


Die Seligpreisungen: Das wahre Gesicht des Christen

Noch bevor der Katechismus die Gebote erklärt, beginnt er seine Darstellung des sittlichen Lebens mit den Seligpreisungen.

Warum?

Weil Jesus nicht nur gekommen ist, um uns zu sagen, was wir vermeiden sollen.

Er ist gekommen, um uns zu zeigen, wie ein heiliges Herz aussieht.

Selig sind:

  • die Armen im Geiste;
  • die Sanftmütigen;
  • die Barmherzigen;
  • die Reinen im Herzen;
  • die Friedensstifter.

Hier begegnen wir dem christlichen Ideal.

Es genügt nicht, lediglich die Sünde zu meiden.

Wir müssen lernen zu lieben, wie Christus liebt.


Die Tugenden: Das Training der Seele

Wir leben in einer Gesellschaft, die vom Training des Körpers besessen ist.

Doch kaum jemand spricht vom Training der Seele.

Der Katechismus hingegen tut genau das.

Er erklärt die Tugenden.

Die Kardinaltugenden

  • Klugheit
  • Gerechtigkeit
  • Tapferkeit
  • Mäßigung

Die theologischen Tugenden

  • Glaube
  • Hoffnung
  • Liebe

Eine Tugend ist eine gute Gewohnheit.

Sie entsteht nicht zufällig.

Sie wird erworben.

So wie ein Musiker lernt, ein Instrument zu spielen.

So wie ein Sportler lernt zu laufen.

So lernt auch der Christ zu lieben.


Das Gewissen muss geformt werden

Heute hört man häufig:

„Das Wichtigste ist, seinem Gewissen zu folgen.“

Der Katechismus antwortet:

Ja.

Aber zuerst muss das Gewissen richtig gebildet werden.

Ein schlecht geformtes Gewissen kann nahezu alles rechtfertigen.

Deshalb muss es genährt werden durch:

  • das Wort Gottes;
  • die Lehre der Kirche;
  • das Gebet;
  • die geistliche Begleitung;
  • die regelmäßige Gewissenserforschung.

Es genügt nicht, aufrichtig zu sein.

Man muss auch die Wahrheit suchen.


Die Sünde existiert weiterhin

Über die Sünde zu sprechen, ist vielen unangenehm.

Doch sie zu ignorieren, lässt sie nicht verschwinden.

Der Katechismus erklärt mit großer Klarheit:

Die Sünde verletzt:

  • unsere Freundschaft mit Gott;
  • unseren inneren Frieden;
  • unsere Beziehungen zu anderen Menschen.

Sie ist nicht bloß der Bruch einer Vorschrift.

Sie ist eine Verwundung der Liebe.

Und genau deshalb gibt es das Sakrament der Versöhnung.

Gott wird niemals müde zu vergeben.


Der vierte Teil des Katechismus: Eine Schule des Gebets

Viele Leser erwarten in diesem Abschnitt lediglich eine kurze Erklärung darüber, wie man beten soll.

Stattdessen entdecken sie ein wahres Meisterwerk geistlicher Weisheit.

Der Katechismus beantwortet grundlegende Fragen wie:

  • Was ist das Gebet?
  • Warum fällt das Beten oft so schwer?
  • Was sollen wir tun, wenn Gott zu schweigen scheint?
  • Wie können wir Zerstreuungen überwinden?
  • Wie hat Jesus gebetet?
  • Was bedeutet Kontemplation?

Er bietet keine psychologischen Techniken an.

Er führt uns in eine lebendige Beziehung zu Gott.


Warum widmet der Katechismus dem Vaterunser so viel Raum?

Weil dieses Gebet das gesamte Evangelium in sich zusammenfasst.

So lehrten es bereits die Kirchenväter.

Jede einzelne Bitte verdient eine tiefgehende Betrachtung.

Vater unser

Wir beten nicht:

„Mein Vater.“

Jesus lehrt uns, immer in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche zu beten.

Christliches Gebet ist niemals individualistisch.


Geheiligt werde dein Name

Das bedeutet nicht, dass wir Gott heilig machen.

Vielmehr bitten wir darum, dass unser ganzes Leben seinen heiligen Namen verherrlicht.


Dein Reich komme

Wir bitten nicht um ein politisches Reich.

Wir bitten darum, dass Christus in unseren Herzen und in der ganzen Welt herrsche.


Dein Wille geschehe

Der Wille Gottes will unsere Freiheit niemals zerstören.

Er möchte unsere Freiheit zum Guten führen.


Unser tägliches Brot gib uns heute

Diese Bitte bezieht sich auf das tägliche Brot.

Aber auch auf das eucharistische Brot.

Und auf das Wort Gottes.


Vergib uns unsere Schuld

Es kann kein echtes christliches Leben ohne Vergebung geben.

Jesus verbindet untrennbar:

Barmherzigkeit empfangen

und

Barmherzigkeit schenken.


Und führe uns nicht in Versuchung

Wir bitten um Kraft.

Nicht um ein Leben ohne Prüfungen.


Sondern erlöse uns von dem Bösen

Nicht nur vom Leid.

Sondern vom Bösen selbst, vom Bösen Feind.

Denn der geistliche Kampf gehört wesentlich zum christlichen Leben.

Das Gebet verändert zuerst den Betenden, bevor es die Umstände verändert

Einer der größten Irrtümer unserer Zeit besteht darin, das Gebet lediglich als Mittel zu betrachten, um bestimmte Dinge zu erlangen.

Der Katechismus lehrt etwas weitaus Tieferes.

Das Gebet verwandelt zunächst das menschliche Herz.

Es macht uns Christus ähnlicher.

Es lehrt uns:

  • Geduld;
  • Demut;
  • Hingabe;
  • Vertrauen;
  • Ausdauer.

Das wahre Gebet verändert nicht nur die Wirklichkeit.

Es verändert uns selbst.


Eine außergewöhnliche Einheit: Glauben, feiern, leben und beten

Die vier Teile des Katechismus bilden eine untrennbare Einheit.

Wir glauben.

Wir feiern.

Wir leben.

Wir beten.

Diese vier Dimensionen können nicht voneinander getrennt werden.

Der Glaube ohne die Sakramente vertrocknet.

Die Sakramente ohne Bekehrung werden zu leeren Riten.

Die Moral ohne Gebet wird zu bloßem Moralismus.

Das Gebet ohne eine gesunde Lehre verliert schließlich seinen rechten Weg.

Alles hängt miteinander zusammen.

Wie die vier tragenden Säulen eines einzigen Hauses.


Eine von der Vorsehung geschenkte Antwort für unsere Zeit

Wir leben in einer Epoche, die von moralischer Verwirrung, Relativismus, einer Zersplitterung des Denkens und einer zunehmenden Schwierigkeit geprägt ist, Gut und Böse voneinander zu unterscheiden. Viele Menschen behaupten, an Gott zu glauben, finden jedoch keine verlässliche Orientierung für konkrete Entscheidungen in Bezug auf Ehe, Kindererziehung, den Umgang mit sozialen Medien, Arbeit, Finanzen oder den Einsatz für Bedürftige. Andere wiederum suchen nach einer intensiven Spiritualität, die von der geoffenbarten Wahrheit und vom sakramentalen Leben losgelöst ist.

In diesem Zusammenhang erweist sich der Katechismus als eine wahrhaft von der Vorsehung geschenkte Antwort. Er bietet weder einfache Lösungen noch vorgefertigte Rezepte. Vielmehr vermittelt er eine ganzheitliche Sicht des Menschen, die vom Evangelium erleuchtet wird. Er lehrt, dass der Glaube weder auf vorübergehende Gefühle noch auf persönliche Meinungen reduziert werden kann, sondern eine vollständige Hingabe an Christus verlangt – eine Hingabe, die Verstand, Willen und Herz verwandelt.

Gerade der dritte und vierte Teil des Katechismus zeigen diese Verwandlung besonders deutlich. Das sittliche Leben ist keine optionale Ergänzung zum Glaubensbekenntnis, sondern dessen natürliche Folge. Ebenso ist das Gebet nicht lediglich eine Hilfe für Krisenzeiten, sondern der ständige Atem jener, die mit Gott verbunden bleiben möchten.

Der heilige Paulus fasst dies in einer Ermahnung zusammen, die heute ebenso aktuell ist wie damals:

„Betet ohne Unterlass!“ (1 Thessalonicher 5,17)


Der Katechismus als Begleiter des geistlichen Lebens

Viele Menschen glauben fälschlicherweise, der Katechismus müsse von der ersten bis zur letzten Seite wie ein Roman oder ein akademisches Lehrbuch gelesen werden.

In Wirklichkeit kann er zu einem hervorragenden Begleiter für das tägliche Gebet und die fortlaufende Glaubensbildung werden.

Eine sehr empfehlenswerte Gewohnheit besteht darin, jeden Tag einige Abschnitte zu lesen, sie im Licht der Heiligen Schrift zu betrachten und sich zu fragen:

„Was möchte der Herr mir heute durch diese Lehre der Kirche sagen?“

Auf diese Weise hört der Katechismus auf, lediglich ein Nachschlagewerk zu sein, und wird zu einem echten Werkzeug des geistlichen Wachstums.

Viele Heilige haben darauf hingewiesen, wie notwendig es ist, den Verstand zu formen, um Gott tiefer lieben zu können. Die religiöse Unwissenheit war immer eine der Hauptursachen für die Schwächung des Glaubens – und sie ist es auch heute noch.

Ein häufig zitierter Satz aus der Katechese bringt diese Wahrheit treffend zum Ausdruck:

Ein Katholik, der seinen Glauben nicht kennt, ist weit anfälliger dafür, in den Irrtum geführt zu werden.

Die Kenntnis des Katechismus stärkt unser Vertrauen auf Gott, hilft uns, den Fragen unserer Zeit mit Liebe und Klarheit zu begegnen, und schenkt uns sichere Maßstäbe, um das Evangelium im Alltag zu leben.

Über catholicus

Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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