Glaube vs. Gefühlsduselei: Wie Emotionalität Ihr geistliches Leben verzerrt 

„Arglistig ist das Herz, mehr als alles“ (Jeremia 17:9). Diese biblischen Worte, vor Jahrtausenden geschrieben, klingen heute mit prophetischer Dringlichkeit. Wir leben in einer Zeit, in der Glaube oft auf bloßes „Wohlfühlen“ reduziert wird, wo Rechtgläubigkeit durch „Rechtfühligkeit“ ersetzt wird, und wo die „Barmherzigkeits-Krankheit“ – jenes falsche Mitleid, das Wahrheit und Gerechtigkeit ignoriert – sich als Tugend tarnt.

Ist es falsch, vor Gott Emotionen zu haben? Natürlich nicht. Aber wenn Glaube auf flüchtigen Gefühlen statt auf dem Fels der Lehre und der von der Gnade erleuchteten Vernunft gebaut wird, werden wir zu zerbrechlichen Christen – anfällig für Krisen, spirituelle Moden und, am schlimmsten, für die Täuschungen der Welt.

In diesem Artikel untersuchen wir:

  1. Den Ursprung des emotionalen Glaubens
  2. Emotion vs. Hingabe: Was die Tradition lehrt
  3. Die Falsche Barmherzigkeit
  4. Wie man einen standhaften Glauben aufbaut (jenseits von Gefühlen)

I. Die Wurzeln des emotionalen Glaubens: Vom liberalen Protestantismus zum „Light“-Katholizismus

Die Reduktion von Religion auf Gefühl ist nicht neu. Im 18. Jahrhundert gewann der protestantische Pietismus an Einfluss, der „religiöses Empfinden“ über objektive Lehre stellte. Die Romantik des 19. Jahrhunderts verherrlichte dann Emotion als Erkenntnisweg – ein Denken, das auch katholische Kreise infiltrierte.

Doch der entscheidende Durchbruch kam im 20. Jahrhundert, als humanistische Psychologie (mit ihrem Fokus auf emotionale Selbstverwirklichung) und religiöses Marketing (das Gott als „Wohlfühlerlebnis“ verkauft) die Spiritualität vereinnahmten. Heute verfallen viele Predigten, Lieder und sogar katholische Bildungsangebote diesem Irrtum: Gott existiert, um mich glücklich zu machen – nicht ich, um ihm zu dienen.

Historisches Beispiel: Die heilige Teresa von Avila erlebte Ekstasen, warnte aber: „Verweilt nicht bei diesen geistlichen Freuden, sondern wachst in den Tugenden.“ Emotionen können ein Geschenk sein – aber niemals das Fundament.


II. Emotion vs. Hingabe: Was die Tradition lehrt

Gefühle sind nicht schlecht. Jesus weinte (Johannes 11:35), wurde zornig (Markus 3:5) und durchlitt Todesangst (Lukas 22:44). Doch sein Leben wurde nicht von Gefühlen geleitet, sondern vom Willen des Vaters: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ (Lukas 22:42).

Die Gefahr liegt in der Vergötzung von Gefühlen:

  • Achterbahn-Glaube: Wenn Sie nur beten, wenn Sie „etwas spüren“, bleibt Ihr geistliches Leben unstet.
  • Undifferenzierte Visionäre: Viele folgen „privaten Offenbarungen“ allein aus Rührung – selbst wenn sie dem Lehramt widersprechen.
  • Gefühlsduselige Moral: „Was sich gut anfühlt, muss gut sein“ (Hier kommt die „Barmherzigkeits-Krankheit“ ins Spiel: alles vergeben ohne Bekehrung).

Die Heiligen verstanden das:

  • Der heilige Thomas von Aquin verfasste tausende Seiten rationaler Theologie – obwohl sein Glaube in Ekstase gipfelte.
  • Der heilige Ignatius von Loyola warnt in seinen „Geistlichen Übungen“: „In Zeiten der Trockenheit nichts ändern.“

III. Die „Falsche Barmherzigkeit“: Wenn Barmherzigkeit ihr Wesen verliert

Ein modernes Übel: Falsche Barmherzigkeit, die:

  • Ohne Reue vergibt (als hätte Gott nicht gesagt: „Kehrt um!“ – Markus 1:15)
  • Sünde leugnet, um „niemanden zu verletzen“
  • Das Evangelium zur Selbstbestätigung ohne Bekehrung reduziert

Das ist keine Barmherzigkeit, sondern Gefühlsduselei. Wahre Barmherzigkeit – wie beim verlorenen Sohn – fordert die Anerkennung der Sünde („Vater, ich habe gesündigt“ – Lukas 15:21) und die Festigkeit des Vaters, der die Würde des Sohnes nicht verhandelt („Bringt das beste Gewand“ – aber erst nach dem Schuldbekenntnis).

Aktuelles Beispiel: Viele Priester vermeiden aus Angst zu „verletzen“ Themen wie Hölle, Todsünde oder Keuschheit. Resultat? Gläubige, die Gottes Güte mit Nachsicht verwechseln.


IV. Wie man einen standhaften Glauben aufbaut (jenseits von Gefühlen)

  1. Katechismus statt Bauchgefühl: Glaube kommt vom Hören (Römer 10:17), nicht von Gänsehaut. Studieren Sie die Lehre.
  2. Beständiges Gebet – nicht nur bei „Lust“: „Betet ohne Unterlass“ (1 Thessalonicher 5:17). Beten ist Willensakt.
  3. Opfer und Kreuz: Glaube wächst in der Stille Getsemanis – nicht nur in der Freude des Tabor.
  4. Unterscheidung mit den Heiligen: Wenn eine „spirituelle Emotion“ Sie von Messe, Beichte oder katholischer Moral entfernt – sie kommt nicht von Gott.

Schluss: Eine Liebe, die Gefühle übersteigt

An diesem „Freitag der Schmerzen“ gedenken wir der Jungfrau Maria, die „alles in ihrem Herzen bewahrte“ (Lukas 2:51). Ihr Glaube bestand nicht in emotionalen Ausbrüchen, sondern in treuer Leidensbereitschaft.

Ihr Glaube soll wie eheliche Liebe sein: Es gibt Tage der Ekstase und Tage reinen Willens. Entscheidend ist: Gott lieben, wenn wir fühlen – und wenn nicht. So entgehen wir der „Barmherzigkeits-Krankheit“ und einem verwässerten Glauben.

„Lasst uns nicht mit Worten lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1 Johannes 3:18). Gefühlsduselei vergeht. Glaube, der handelt, bleibt.

Und Sie? Bauen Sie Ihren Glauben auf Fels – oder auf Treibsand der Gefühle?

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Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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