Der heilige Blasius und die Segnung der Speisen: Wenn der Glaube zu Kehle, Tisch und Leben wird

Es gibt Heilige, die in modernen Kalendern als „unbedeutend“ erscheinen, reduziert auf einen kurzen Segen am Ende der Messe oder auf ein Heiligenbildchen, das in einer Schublade vergessen wurde. Doch die Kirche, die ein langes Gedächtnis und ein tiefes Herz hat, weiß sehr wohl, dass der heilige Blasius keine Reliquie der Vergangenheit ist, sondern ein lebendiger Zeuge dafür, wie der Glaube den Körper, die Nahrung, die Krankheit und den Alltag berührt.
Über den heiligen Blasius zu sprechen heißt, über den Hals zu sprechen … aber auch über das Wort. Es heißt, über gesegnete Speisen zu sprechen … aber auch über das Brot, das rettet. Es heißt, über eine Volksfrömmigkeit zu sprechen … die tief in einer sehr ernsthaften und zugleich erstaunlich aktuellen Theologie verwurzelt ist.

Dieser Artikel möchte dir helfen, diese Tradition zu verstehen, zu leben und weiterzugeben – mit Sinn, Tiefe und geistlicher Frucht.


1. Wer war der heilige Blasius? Ein Bischof, ein Märtyrer und ein Hirte mit dem Geruch seines Volkes

Der heilige Blasius (Blasius) war Bischof von Sebaste in Armenien (heutige Türkei) am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts. Er lebte in Zeiten der Christenverfolgung, insbesondere unter Kaiser Licinius.
Der Überlieferung nach war er vor seiner Bischofsweihe Arzt, was kein nebensächliches Detail ist: Schon in seiner menschlichen Ausbildung war er mit der Sorge um den Körper und der Linderung von Leiden verbunden.

Wegen seines Glaubens verfolgt, zog er sich in eine Höhle in den Bergen zurück, wo – nach hagiographischen Berichten – Tiere zu ihm kamen, um geheilt zu werden, ein starkes Bild des Hirten, der die durch die Sünde verwundete Harmonie der Schöpfung wiederherstellt.

Schließlich wurde er verhaftet, gefoltert und als Märtyrer getötet. Sein Tod war nicht still: Er war ein öffentliches Bekenntnis zu Christus. Deshalb verehrt ihn die Kirche nicht nur als Wundertäter, sondern als Märtyrer, das heißt als treuen Zeugen bis zum Ende.


2. Das Wunder der Kehle: Ursprung einer universalen Verehrung

Die bekannteste Überlieferung erzählt, dass, als der heilige Blasius ins Gefängnis geführt wurde, eine verzweifelte Mutter ihm ihr Kind brachte, das an einer in der Kehle steckengebliebenen Fischgräte zu ersticken drohte.
Der heilige Blasius betete … und das Kind wurde geheilt.

Seitdem erkennt die Kirche ihn als besonderen Fürsprecher bei Halskrankheiten an, und sein Gedenktag (3. Februar) ist mit einer sehr konkreten Segnung verbunden: dem Blasiussegen, der Segnung der Kehle.

Hier ist es wichtig, etwas Wesentliches zu betonen:
👉 Es handelt sich weder um Magie noch um Aberglauben, sondern um eine sakramentale Fürbitte. Das heißt, um ein vertrauensvolles Flehen zu Gott, gestützt auf die Gemeinschaft der Heiligen, damit die Gnade auch unsere leibliche Zerbrechlichkeit erreicht.


3. Die Kehle in theologischer Perspektive: Mehr als ein Organ, ein geistlicher Ort

Warum die Kehle?
Die christliche Theologie trennt nicht zwischen Leib und Seele. Die Kehle ist:

  • Der Ort, durch den die Nahrung eintritt
  • Der Ort, durch den das Wort hinausgeht
  • Der Ort, durch den wir atmen

In biblischer Sicht ist die Kehle mit dem Leben selbst verbunden. Psalm 63 sagt:

„Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir. Nach dir schmachtet mein Leib wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.“ (Ps 63,2)

Und Jesus selbst sagt:

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.“ (Mt 4,4)

Der heilige Blasius, Beschützer der Kehle, erinnert uns daran:

  • Was wir essen, soll dankbar angenommen werden.
  • Was wir sagen, soll gereinigt werden.
  • Was wir atmen, ist ein Geschenk.

4. Die Segnung der Kehle: Liturgische und pastorale Bedeutung

Die Kirche hat in ihrer Weisheit diese Segnung in einem schlichten und tiefen Ritus bewahrt. Traditionell geschieht sie mit zwei gekreuzten Kerzen, ein klares Symbol für:

  • Das Kreuz Christi, aus dem jede wahre Heilung entspringt.
  • Das Licht, das die Dunkelheit von Krankheit und Angst überwindet.

Die traditionelle Formel lautet im Wesentlichen:

„Auf die Fürsprache des heiligen Blasius, Bischofs und Märtyrers, bewahre dich Gott vor Halskrankheiten und vor allem Bösen.“

Theologisch gesehen:

  • Anerkennt dieser Segen Gott als die Quelle aller Heilung.
  • Ruft er die Gemeinschaft der Heiligen an.
  • Umfasst er das ganzheitliche Wohl des Menschen, nicht nur das Körperliche.

Pastoral ist er ein kostbarer Gestus, weil er auch fernstehende Menschen erreicht – Kinder, ältere Menschen, Kranke. Er ist eine weit geöffnete Tür zur Gnade.


5. Der heilige Blasius und die Segnung der Speisen: Der Glaube erreicht den Tisch

Weniger bekannt, aber in vielen Gegenden tief verwurzelt, ist der Brauch, am Fest des heiligen Blasius Speisen zu segnen, insbesondere Brot, Früchte, Süßigkeiten oder Grundnahrungsmittel.

Warum?

Weil der heilige Blasius verbunden ist mit:

  • Der Kehle
  • Der Nahrung
  • Dem Schutz vor körperlichen Leiden

Doch der Hintergrund ist zutiefst biblisch und theologisch.
In der Heiligen Schrift bedeutet die Segnung der Speisen, anzuerkennen, dass alles von Gott kommt:

„Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung angenommen wird.“ (1 Tim 4,4)

Die Segnung der Speisen am Fest des heiligen Blasius bringt drei wesentliche Wahrheiten zum Ausdruck:

  1. Wir sind von Gott abhängig, selbst in den grundlegendsten Dingen.
  2. Nahrung ist nicht nur Konsum, sondern ein Geschenk.
  3. Essen ist ein menschlicher, aber auch ein geistlicher Akt.

6. Strenge praktische Anleitung: Den heiligen Blasius heute leben (theologisch und pastoral)

A. In der Pfarrei

  • Die Segnung der Kehle mit einer vorausgehenden Katechese feiern und ihren Sinn erklären.
  • Die Segnung der Speisen anbieten, ohne jeden abergläubischen Unterton.
  • Die Verehrung mit der Eucharistie verbinden, dem wahren Brot, das heilt und rettet.

B. In der Familie

  • Am Fest des heiligen Blasius den Tisch auf besondere Weise segnen.
  • Den Kindern erklären, wer der Heilige war und warum man ihn anruft.
  • Für Menschen beten, die an Halskrankheiten, Krebs, Atemwegsproblemen oder Stimmstörungen leiden.

C. Im persönlichen Leben

  • Den heiligen Blasius nicht nur um leibliche Gesundheit bitten, sondern auch um:
    • Reinheit im Sprechen
    • Klugheit im Reden
    • Kraft, den Glauben zu bekennen
  • Eine kleine Gewissenserforschung halten:
    • Benutze ich meine Stimme, um zu segnen oder um zu verletzen?
    • Danke ich für das, was ich esse?
    • Sorge ich für meinen Körper als einen Tempel des Geistes?

7. Der heilige Blasius heute: Eine erstaunlich aktuelle Verehrung

In einer Welt, in der:

  • Nahrung banalisiert wird
  • Worte vergiftet sind
  • Die innere Stille zerbrochen ist

Erinnert uns der heilige Blasius an etwas zutiefst Gegenkulturelles:
👉 Gott will alles retten, auch das Alltägliche, das Leibliche und das Kleine.

Es ist kein Zufall, dass seine Verehrung fortbesteht. Es ist keine Nostalgie. Es ist christliche Weisheit.
Der heilige Blasius ist nicht nur der Heilige der Kehle: Er ist der Heilige des dankbaren Lebens, des gelebten Glaubens, des Segens, der das Gewöhnliche in einen Ort der Gnade verwandelt.


Möge der heilige Blasius für uns Fürsprache einlegen

Damit unsere Kehlen die Wahrheit verkünden,
unsere Tische Orte der Dankbarkeit seien
und unser ganzes Leben zum Segen werde.

Denn wenn der Glaube so gelebt wird, wird das Evangelium Fleisch … und auch Brot.

Über catholicus

Pater noster, qui es in cælis: sanc­ti­ficétur nomen tuum; advéniat regnum tuum; fiat volúntas tua, sicut in cælo, et in terra. Panem nostrum cotidiánum da nobis hódie; et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris; et ne nos indúcas in ten­ta­tiónem; sed líbera nos a malo. Amen.

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