{"id":1855,"date":"2025-01-21T00:26:04","date_gmt":"2025-01-20T23:26:04","guid":{"rendered":"https:\/\/catholicus.eu\/de\/?p=1855"},"modified":"2025-01-21T00:26:04","modified_gmt":"2025-01-20T23:26:04","slug":"die-konkupiszenz-das-innere-ringen-das-uns-zu-gott-fuehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/catholicus.eu\/de\/die-konkupiszenz-das-innere-ringen-das-uns-zu-gott-fuehrt\/","title":{"rendered":"Die Konkupiszenz: Das innere Ringen, das uns zu Gott f\u00fchrt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konkupiszenz, ein Begriff, der au\u00dferhalb theologischer Kreise selten verwendet wird, ist ein zentraler Begriff der christlichen Tradition. Abgeleitet vom lateinischen <em>concupiscentia<\/em>, was \u201eungeordneter Wunsch\u201c bedeutet, mag er abstrakt oder fern erscheinen. Doch seine Bedeutung und Relevanz sind tief in unserer t\u00e4glichen Erfahrung verwurzelt. Dieser Artikel m\u00f6chte erkl\u00e4ren, was Konkupiszenz ist, wie sie unser geistliches Leben beeinflusst und wie wir diese Realit\u00e4t in eine Gelegenheit verwandeln k\u00f6nnen, in der Heiligkeit zu wachsen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Was ist die Konkupiszenz?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konkupiszenz bezeichnet die Unordnung der menschlichen W\u00fcnsche als Folge der Erbs\u00fcnde. Nach der Lehre der Kirche wird die Erbs\u00fcnde durch die Taufe getilgt, doch die Wunden, die sie in unserer Natur hinterlassen hat, bleiben bestehen. Eine dieser Wunden ist die Konkupiszenz: jene Neigung zur S\u00fcnde, die wir alle sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der heilige Paulus beschreibt dieses innere Ringen in seinem Brief an die R\u00f6mer meisterhaft: <em>\u201eIch tue nicht das Gute, das ich will, sondern das B\u00f6se, das ich nicht will\u201c<\/em> (R\u00f6m 7,19). Dieser innere Konflikt ist eine der offensichtlichsten Manifestationen der Konkupiszenz, die zwar an sich keine S\u00fcnde ist, uns aber zur S\u00fcnde verleiten kann.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Die Sicht des heiligen Thomas von Aquin auf die Konkupiszenz<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der heilige Thomas von Aquin, einer der gr\u00f6\u00dften Theologen der Kirchengeschichte, untersuchte den Begriff der Konkupiszenz ausf\u00fchrlich in seinem Meisterwerk, der <em>Summa Theologiae<\/em>. F\u00fcr ihn ist die Konkupiszenz eine Folge des S\u00fcndenfalls. Nach Thomas waren vor der Erbs\u00fcnde die Leidenschaften und W\u00fcnsche des Menschen vollkommen von der Vernunft geordnet und Gott untergeordnet. Doch nach dem Fall wurde diese Harmonie zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas unterschied zwei Arten der Konkupiszenz: die <em>Konkupiszenz der Augen<\/em> (das ungeordnete Verlangen nach materiellen G\u00fctern) und die <em>Konkupiszenz des Fleisches<\/em> (das ungeordnete Verlangen nach sinnlichen Freuden). Beide geh\u00f6ren zum geistlichen Kampf des Christen. Doch Thomas sah in ihnen auch eine Gelegenheit, Tugenden zu \u00fcben. In seiner Sichtweise hilft uns Gottes Gnade nicht nur, der Konkupiszenz zu widerstehen, sondern verwandelt unsere ungeordneten W\u00fcnsche in eine authentische Liebe zu Gott und unseren N\u00e4chsten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Konkupiszenz und Freiheit: Kann man sie \u00fcberwinden?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weit verbreitetes Missverst\u00e4ndnis besteht darin, dass die Konkupiszenz uns unausweichlich zur S\u00fcnde verdammt. Die katholische Lehre besagt jedoch, dass wir mit Gottes Gnade in der Lage sind, diesen ungeordneten Neigungen zu widerstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Freiheit, verstanden als die F\u00e4higkeit, das Gute zu w\u00e4hlen, verschwindet nicht durch die Konkupiszenz. Im Gegenteil: Dieses innere Ringen ist eine Einladung, unsere Freiheit tugendhaft auszu\u00fcben. Jedes Mal, wenn wir uns angesichts von Versuchungen f\u00fcr das Gute entscheiden, st\u00e4rken wir unseren Willen und wachsen in der Heiligkeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Die Konkupiszenz im Alltag<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konkupiszenz zeigt sich in vielen Bereichen unseres t\u00e4glichen Lebens. Beispiele hierf\u00fcr sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Das ungeordnete Streben nach Vergn\u00fcgen:<\/strong> Von \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Essen oder Trinken bis hin zur Abh\u00e4ngigkeit von Technologie spiegeln solche Verhaltensweisen den Versuch wider, eine spirituelle Leere mit verg\u00e4nglichen G\u00fctern zu f\u00fcllen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Materialismus:<\/strong> Das Verlangen nach immer mehr \u2013 sei es Geld, Besitz oder Status \u2013 ist oft eine Manifestation der <em>Konkupiszenz der Augen<\/em>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>K\u00e4mpfe um die Reinheit:<\/strong> In einer hypersexualisierten Welt findet die <em>Konkupiszenz des Fleisches<\/em> einen fruchtbaren Boden, was einen st\u00e4ndigen Einsatz f\u00fcr ein keusches Leben erfordert.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Beispiele zeigen, dass die Konkupiszenz kein Problem ist, das nur Heilige oder Theologen betrifft; sie betrifft uns alle.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Praktische Wege zur \u00dcberwindung der Konkupiszenz<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirche bietet zahlreiche Ressourcen, um dieser ungeordneten Neigung zu begegnen und sie zu transformieren. Hier sind einige konkrete Schritte:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ein sakramentales Leben f\u00fchren:<\/strong> Beichte und Eucharistie sind kraftvolle Mittel, um Gottes Gnade zu empfangen. Die Beichte hilft uns, die Bereiche zu erkennen, in denen wir am h\u00e4ufigsten fallen, w\u00e4hrend die Eucharistie uns st\u00e4rkt, Versuchungen zu widerstehen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gebet:<\/strong> Der heilige Thomas betont, dass wir ohne Gottes Gnade die Konkupiszenz nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen. T\u00e4gliches Gebet, insbesondere der Rosenkranz, ist ein m\u00e4chtiger Schutz gegen Versuchungen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fasten und Selbstverleugnung:<\/strong> Diese Praktiken, die in der modernen Welt oft \u00fcbersehen werden, sind entscheidend, um unsere W\u00fcnsche zu ordnen und unseren Willen zu st\u00e4rken.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Tugenden kultivieren:<\/strong> Jede Tugend spielt eine Rolle im Kampf gegen die Konkupiszenz. Besonders wichtig sind Keuschheit, M\u00e4\u00dfigung, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Demut.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Geistliche Unterst\u00fctzung suchen:<\/strong> Geistliche Begleitung und Gemeinschaft mit anderen Christen k\u00f6nnen eine gro\u00dfe Hilfe in diesem Kampf sein.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>6. Relevanz in der heutigen Zeit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute findet die Konkupiszenz neue Ausdrucksformen. Soziale Medien, Werbung und eine konsumorientierte Kultur f\u00f6rdern ein Lebensmodell, das auf die sofortige Befriedigung von W\u00fcnschen ausgerichtet ist. Angesichts dieser Realit\u00e4t bietet die christliche Botschaft ein befreiendes Gegenmittel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Welt, die Gl\u00fcck durch den Besitz von G\u00fctern oder Vergn\u00fcgungen verspricht, erinnert uns der Kampf gegen die Konkupiszenz daran, dass wahre Freiheit und Erf\u00fcllung darin liegen, nach Gottes Willen zu leben. Jeder Akt der Tugend zeigt, dass wir f\u00fcr etwas weit Gr\u00f6\u00dferes geschaffen sind als die verg\u00e4nglichen Freuden dieser Welt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>7. Eine Gelegenheit zur Heiligkeit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konkupiszenz ist nicht eine Verdammung, sondern eine Gelegenheit, in der Heiligkeit zu wachsen. Wie der heilige Augustinus sagte: <em>\u201eGott w\u00fcrde das B\u00f6se nicht zulassen, wenn er nicht m\u00e4chtig genug w\u00e4re, daraus ein noch gr\u00f6\u00dferes Gut hervorzubringen.\u201c<\/em> Der Kampf gegen unsere ungeordneten W\u00fcnsche erm\u00f6glicht es uns, unseren Willen zu st\u00e4rken, mehr von der g\u00f6ttlichen Gnade abh\u00e4ngig zu sein und uns auf die wahre Liebe auszurichten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schlussfolgerung: Vom Ringen zur Liebe<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konkupiszenz erinnert uns an unsere Zerbrechlichkeit, weist uns aber auch auf die Quelle unserer St\u00e4rke hin: Gott. Sie durch die Perspektive des heiligen Thomas zu verstehen und im Alltag anzuwenden, hilft uns, ein inneres Ringen in eine Gelegenheit zur Liebe und Freiheit zu verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schl\u00fcssel liegt darin, diesen Kampf nicht zu f\u00fcrchten, sondern ihn als Weg zur Heiligkeit zu akzeptieren. Mit Gottes Gnade, pers\u00f6nlichem Einsatz und den Mitteln, die die Kirche uns bietet, k\u00f6nnen wir diese ungeordneten Neigungen \u00fcberwinden und das Leben in F\u00fclle leben, das Gott uns geschenkt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Konkupiszenz, ein Begriff, der au\u00dferhalb theologischer Kreise selten verwendet wird, ist ein zentraler Begriff der christlichen Tradition. Abgeleitet vom lateinischen concupiscentia, was \u201eungeordneter Wunsch\u201c bedeutet, mag er abstrakt oder fern erscheinen. Doch seine Bedeutung und Relevanz sind tief in unserer t\u00e4glichen Erfahrung verwurzelt. 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